Weniger Macht für die UEFA, dazu eine mögliche Öffnung für Investoren - in den Diskussionen um eine Reform der Champions League braut sich ein wirtschaftliches Beben zusammen.
Im Schatten der Drohkulisse einer Super League wollen die mächtigsten europäischen Klubs der UEFA offenbar die Fäden aus der Hand reißen. Die einflussreiche Klubvereinigung ECA fordert laut übereinstimmenden Medienberichten mehr Mitsprache beim Verkauf und der Vermarktung der kommerziellen Rechte - für die Europäische Fußball-Union ein Super-Gau.
Die UEFA hat naturgemäß wenig Lust darauf, dass die ECA künftig in Streitfragen zu Fernsehrechten oder Sponsorenverträgen mitmischt. Der Dachverband müsste ausgerechnet in seinem Vorzeigewettbewerb enorme Zugeständnisse machen und einen erheblichen Teil der Kontrolle abgeben.
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Im Konflikt ums liebe Geld scheinen die Fronten verhärtet. Sogar dermaßen, dass die für Mittwoch auf der Sitzung des Exekutivkomitees geplante Verabschiedung der Reform der Königsklasse auf den 19. April verschoben werden musste.

ECA soll gleichberechtigtes Mitspracherecht erhalten

Die reichsten Klubs wähnen sich dank der Drohkulisse eines Ausbruchs in die Super League in einer aussichtsreichen Position. Er erwarte, dass der endgültige Vorschlag der UEFA "eine stärkere Beteiligung der Vereine an der Leitung und Kontrolle der Wettbewerbe beinhaltet", sagte ManUnited-Boss Ed Woodward forsch.
Konkret erwartet die ECA ein Joint Venture für alle Vermarktungsfragen, lediglich die sportliche Organisation bliebe komplett in der Hand der Europäischen Fußball-Union.
Bereits 2017 hatte die Klubvereinigung mit der UEFA eine Gesellschaft namens UCC SA gegründet, diese hat bislang aber lediglich eine beratende Funktion. Im Zuge der für die Zeit ab 2024 angedachten Reform soll laut "Financial Times" nun entweder eine neue Struktur für die UCC SA oder eine komplett neue Gesellschaft her. In beiden Fällen würde die ECA ein gleichberechtigtes Mitspracherecht bei der Erarbeitung zukünftiger kommerzieller Verträge erhalten.

Super League lockt mit fast fünf Millionen Euro

Erhalten die reichen Klubs mehr Macht, würden ihre Einnahmen künftig sicher nicht weniger. Vielmehr droht die Schere zwischen Arm und Reich mit mehr Beteiligung der Klubvereinigung noch weiter auseinanderzuklaffen, die von vielen Fangruppierungen angeprangerte Ungleichheit des Wettbewerbs würde nochmals forciert. Dass ECA-Chef Andrea Agnelli kürzlich sogar eine Öffnung der Champions League für Investoren "nicht ausschließen" wollte, erhitzt die Gemüter der Fans sicher zusätzlich.
Im Zeitraum von 2018 bis 2021 nahm die UEFA mit ihren Klubwettbewerben 3,25 Milliarden Euro ein, die Klubs der Königsklasse erhielten davon rund zwei Milliarden. Für eine mögliche Super League soll die amerikanische Bank JP Morgan dagegen zuletzt fast fünf Millionen Euro geboten haben. Die Verlockung für die großen Vereine wäre entsprechend groß.
In ähnliche Sphären würden sie natürlich auch in der Champions League gerne vordringen - notfalls wohl auch mit Hilfe von Investoren. Um seine "Big Player" zu binden, wird die UEFA deshalb um gewaltige Zugeständnisse und die Abgabe von Macht in wirtschaftlichen Fragen wohl kaum herumkommen. So könnte die "neue" erweiterte Königsklasse letztlich auch eine Art Kompromisslösung zwischen der "alten" Champions League und der Idee einer Super League werden.
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(SID)

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