Die Bilder der magischen Nacht von Lissabon sind noch frisch, und nicht nur Karl-Heinz Rummenigge träumt schon von einer Wiederholung am 29. Mai 2021 in Ankara. "Nachdem wir den Thron in Europa bestiegen haben", sagte der Vorstandschef von Bayern München, "möchten wir so lange wie möglich da oben in der Sonne bleiben." Am liebsten gleich mehrere Jahre, wie in den goldenen 70ern.
Nur 59 Tage nach dem Final-Triumph in der Champions League starten die Münchner Alles-Gewinner am Mittwoch (21 Uhr im Liveticker auf Eurosport.de) mit dem Kracher gegen Atlético Madrid ihren nächsten Angriff auf den Henkelpott. Die Ambitionen sind unverändert hoch. "Wir haben uns vorgenommen, das Triple zu verteidigen. Das hat noch keiner geschafft", sagte Präsident Herbert Hainer.
Das mag arrogant und prahlerisch klingen, doch der deutsche Rekordmeister weiß um die Schwere der Aufgabe. "Man ist nun in ganz Europa die gejagte Mannschaft, die jeder unbedingt schlagen will", sagte Thomas Müller: "Sich dagegen immer wieder zur Wehr zu setzen, ist eine enorme Herausforderung."
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Das haben die Bayern 2013 schon erfahren. Nach dem ersten Münchner Dreifach-Coup schienen die Voraussetzungen für eine Erfolgsserie ideal: Starcoach Pep Guardiola übernahm von Triple-Vater Jupp Heynckes, seine Champions wurden durch zwei hoffnungsvolle Jungstars namens Mario Götze und Thiago verstärkt. Doch Guardiola scheiterte drei Mal in Serie im Halbfinale und musste zähneknirschend zusehen, wie stattdessen Real Madrid mit vier Triumphen in fünf Jahren eine Ära prägte.

Atlético-Trainer Simeone: "Die Bayern sind ganz klar die Besten"

Bayern-Boss Rummenigge übt sich deshalb in Demut. "Es ist wichtig, dass man allen Gegnern mit Respekt gegenüber tritt", sagte er, und zwar schon in der Gruppenphase. Müller sieht die Bayern dort als Titelverteidiger gegen Atlético, Salzburg und Lok Moskau "sofort unter Zugzwang". Ein "Problem" des Triples sei ja, dass "die Erwartungshaltung enorm hoch bleibt".
Auch Trainer Hansi Flick weiß, dass "Erfolg nur gemietet" ist. Der 55-Jährige wird angesichts seiner Erfolgssträhne bereits als möglicher nächster Bundestrainer gehandelt - da sind Probleme schon in der Gruppenphase nicht eingeplant. "Die Bayern", sagte Atlético-Coach Diego Simeone voller Respekt, "sind ganz klar die Besten von allen. Wegen ihrer Power, ihrer Dominanz, ihrer Geschichte, ihrer Gegenwart."
Von Real scheint diesmal nicht wirklich etwas zu befürchten zu sein, die Königlichen haben ihren Umbruch wie der FC Barcelona noch nicht abgeschlossen. Wesentlich gefährlicher ist wohl Jürgen Klopps FC Liverpool, auch Paris St. Germain macht sich unter Thomas Tuchel nach der Finalniederlage gegen die Bayern wieder große Hoffnungen. Genau wie Guardiolas Manchester City und Juventus Turin mit Cristiano Ronaldo.

Bayern muss direkt gegen den wohl ekligsten Angriff Europas ran

"Wir erwarten Spiele, die sicherlich nicht einfach werden", sagte Rummenigge und mahnte angesichts der Vielzahl der englischen Wochen "Konzentration" an beim Münchner Starensemble. Müller weiß: "Gerade unser Kopf, das Mentale ist jetzt gefordert." Weil in Corona-Zeiten die körperliche Belastung zudem höher ist als ohnehin schon, sieht er "eine verzwickte Lage".
Zumal hinter Mittelfeldchef Joshua Kimmich noch ein kleines Fragezeichen steht, weil dessen Freundin Lisa Meyer das zweite Kind erwartet. "Wir hoffen, dass er dabei ist. Aber wir müssen abwarten", sagte Flick am Dienstag.
Mit Atlético stellt sich den Bayern gleich ein Hochkaräter in den Weg. Im Achtelfinale der vergangenen Saison schaltete Simeones Team Titelverteidiger Liverpool aus, dann aber war gegen Außenseiter RB Leipzig (1:2) Schluss.
Mit Topstürmer Luis Suárez (FC Barcelona) hat sich Atlético prominent verstärkt. Diego Costa, sein kongenialer Partner im wohl ekligsten Angriff Europas, fehlt in München wegen einer Oberschenkelverletzung.
"Sie werden uns vor einige Probleme stellen", sagte Weltmeister Lucas Hérnandez über seinen Ex-Klub. Aber, betonte Champions-League-Torschützenkönig Robert Lewandowski: "Wir sind bereit!"

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

München: Neuer - Pavard, Boateng, Alaba, Hernandez - Goretzka, Kimmich - Gnabry, Müller, Coman - Lewandowski. - Trainer: Flick
Madrid: Oblak - Trippier, Savic, Felipe, Hermoso - Herrera, Koke - Llorente, Carrasco - Suarez, Joao Felix. - Trainer: Simeone
Schiedsrichter: Michael Oliver (England)

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(SID)

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