Kaum war der Schlusspfiff am Dienstagabend im menschenleeren Camp Nou erfolgt, da hatte sich Lionel Messi auch schon seines Trikots entledigt und schlich frustriert vom Feld.
Selten wurde dem FC Barcelona im Wohnzimmer des argentinischen Superstars derart die Grenzen aufgezeigt, wie an jenem Abend.
Die Katalanen kamen in einem insbesondere in der zweiten Hälfte einseitigen Achtelfinal-Hinspiel gegen Paris Saint-Germain 1:4 (1:1) unter die Räder und drohen damit zum ersten Mal seit 2007 das Viertelfinale der Champions League zu verpassen.
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Während die Köpfe bei den hochdekorierten Barça-Stars nach Abpfiff verständlicherweise durchweg hingen, hätte die Gefühlslage auf der anderen Seite des Feldes unterschiedlicher nicht sein können.
Speziell Kylian Mbappé strahlte über das gesamte Gesicht und sicherte sich neben den Glückwünschen seiner Mannschaftskollegen auch noch den Spielball als Andenken.
Kein Wunder, schließlich hatte er die Katalanen in den gut 95 Minuten zuvor fast im Alleingang auseinandergenommen.

Andrea Herrera (links) und Kylian Mbappé

Fotocredit: Getty Images

Griezmann adelt Mbappé: "Auf dem Niveau von Messi und Ronaldo"

Ausgerechnet in Abwesenheit seines kongenialen Offensivpartners Neymar (Adduktorenverletzung) brillierte der 22-Jährige mit einem Dreierpack und trug sich gleichzeitig in die Geschichtsbücher ein.
Der französische Weltmeister ist nach Stümer-Legende Andriy Shevchenko (für Dynamo Kiew im November 1997) erst der zweite Spieler in der Historie der Königsklasse, der gegen den großen FC Barcelona einen Dreierpack im Camp Nou erzielen konnte. In der K.o.-Phase der Champions League ist es gar das erste Mal, dass einem Spieler jenes Kunststück gelang.
Selbst Barça-Star und Nationalmannschaftskollege Antoine Griezmann kam nach der Partie nicht mehr aus dem Schwärmen heraus.
"Es war eine großartige Nacht für Kylian Mbappé. PSG hat einen zukünftigen Star in ihren Reihen, der eines Tages auf dem Niveau von Leo Messi oder Cristiano Ronaldo sein wird", prognostizierte der 29-Jährige bei "RMC Sport".
Auch wenn Mbappé von den beiden Superstars der Branche sicherlich noch ein Stück weit entfernt ist, zeigte der Youngster am Dienstagabend, zu welchen Wunderdingen er auch auf der größten europäischen Bühne fähig ist.

Mbappé lässt Pochettinos Worte Taten folgen

Nur fünf Minuten nach der Barça-Führung durch Messi tanzte Mbappé die insgesamt überforderte Hintermannschaft der Gastgeber auf engstem Raum aus und jagte den Ball brachial vor Marc-André ter Stegen unter den Querbalken (32.).
Im zweiten Durchgang brachte er PSG mit einem Abstauber dann auf die Siegesstraße (65.). Wenig später setzte er mit einem sehenswerten Schlenzer für den Schlusspunkt (85.). Zwischendurch trug sich auch Sturmkollege Moise Kean nach Abstimmungsprobleme der beiden Barça-Verteidiger Piquet und Clément Lenglet in die Torschützenliste ein (70.).
Insgesamt somit ein rundum gelungener Auftritt für den Hauptstadklub und das, obwohl die Messlatte von Neu-Coach Maurizio Pochettino vor dem Achtelfinalkracher durchaus hochgelegt wurde.
"Ich verlange von Kylian Mbappé, was ich von jedem Spieler mit seiner Qualität verlange. Jeder muss in seiner Rolle aufblühen. Es ist klar, dass die Ausfälle von Di María und Neymar die Mannschaft beeinflussen. Dennoch haben wir ein Team, das hungrig ist und auf dieses Spiel wartet", kündigte der Argentinier vor dem Kracher im Achtelfinal-Hinspiel an.

Piquet (links) im Zweikampf mit Kylian Mbappé

Fotocredit: Getty Images

Führt Mbappé PSG erneut ins Endspiel?

Mbappé sollte den Worten seines Trainer Taten Folgen lassen. Der Youngster stach nicht nur aufgrund seiner drei Treffer heraus, sondern war auch ansonsten der Fixpunkt im Offensivspiel des französischen Serienmeisters. Immer wieder suchten Marquinhos, Marco Verratti und Co. den Flügelstürmer mit langen Bällen in die Spitze.
Mit sechs Torschüssen, vier Abschlussvorlagen und einer überragenden Zweikampfquote von 80 Prozent war er für den Defensivverbund der Blaugrana kaum zu halten.
Auch wenn es bis zum Einzug ins Endspiel wie in der Vorsaison noch ein langer Weg ist, ist dem französischen Serienmeister mit einem Mbappé in der gegenwärtigen Form eine Wiederholung jener Erfolgsgeschichte durchaus zuzutrauen - und vielleicht sogar mehr.
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