"Yeees!", rief Jürgen Klopp, als die Sache klar war, und drehte sich jubelnd zu seiner eigenen Bank um.
Mit dem 2:0 von Sadio Mané (74.) im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen RB Leipzig war der Deckel drauf: Der FC Liverpool hatte sicher das Viertelfinale erreicht - und damit nach blamablen Wochen in der Premier League das dringend benötigte Erfolgserlebnis eingefahren.
2:0 und 2:0 hieß es nach 180 Minuten in Budapest, in denen die Reds wenig anbrennen ließen – ganz anders als bei den sechs Heimniederlagen zuletzt in der Premier League. Eine Negativserie, die Liverpool in der Liga bis auf Rang acht abrutschen ließ.
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Spielbericht: Nichts zu holen für RB: Liverpool zu stark für Leipzig
Mit den zwei Erfolgen gegen Leipzig brachten die Reds das Kunststück fertig, in der Champions League seit Februar mehr Siege als in der heimischen Liga einzufahren – nämlich zwei.
"Die größte Leistung, die wir vollbracht haben, ist, dass man nicht wirklich gesehen hat, wie stark Leipzig sein kann. Man weiß ja, was das für ein Powerhouse sein kann", sagte Klopp bei "Sky" glücklich.

Liverpool: Kaum Schwächen in der Königsklasse

Anders als in der Premier League zeigt Liverpool in der Königsklasse bislang kaum Schwächen. In sechs der vergangenen acht Spiele blieben die Reds ohne Gegentor. Deutsche Gegner hat Liverpool dabei offenbar besonders gerne: Keines der letzten zwölf Spiele gegen Bundesliga-Klubs verlor der LFC.

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Durch den Viertelfinal-Einzug eröffnen sich für das Team von Jürgen Klopp nun neue Möglichkeiten. Die anvisierte Champions-League-Qualifikation für die kommende Spielzeit, in Coronazeiten aufgrund der hohen gesicherten Einnahmen besonders wichtig, könnten die Reds schließlich auch über einen Sieg in der Königsklasse perfekt machen. Fünf Spiele trennt die Klopp-Elf theoretisch nur noch von einer Wiederholung des Triumphs von 2019.
"Es geht so weit, wie's geht", sagte Klopp: "Das haben wir selbst schon festgestellt. Da gibt's für uns keine Limits, aber wir gehen auch nicht vollmundig aus dem Stadion und sagen: Jetzt hauen wir alle weg."
In der Premier League sind es derweil bei noch zehn ausstehenden Spielen aktuell sieben Zähler Rückstand auf den FC Chelsea auf Rang vier. "Wir wollen uns über die Liga für die Champions League qualifizieren, aber das wird sehr schwer", sagte Thiago.

Liverpool lässt gegen Leipzig wenig zu

Während Liverpool es zuletzt in der Liga an der nötigen Schärfe im Spiel gegen den Ball und vor allem an Kreativität im Offensivspiel vermissen ließ, waren Klopps Mannen gegen Leipzig richtig heiß, setzten Leipzig früh unter Druck und beraubten RB so dessen Stärken.
RB-Offensivspieler Emil Forsberg hatte nach 29 Minuten nur acht Ballkontakte, am Ende zwang Leipzig Reds-Keeper Alisson Becker gerade mal zu zwei Abwehraktionen.

Liverpool gegen Leipzig

Fotocredit: Getty Images

Am anderen Ende traf dagegen Mohamed Salah erstmals seit April 2018 wieder in drei Champions-League-Spielen in Folge und steht nun schon bei 25 Pflichtspieltoren. Seine nun fünf Saisontreffer in der Königsklasse toppte er nur 2017/18 (10), als der Ägypter den LFC erstmals mit seinen Toren ins Finale geführt hatte (dort verlor Liverpool 1:3 gegen Real Madrid, Salah verletzte sich früh).
"Liverpool 2021 ist halt auch, dass du in der ersten Halbzeit Riesendinger hast und keins davon nutzt. Aber heute haben wir einfach weitet gemacht und das Spiel kontrolliert, was nicht selbstverständlich ist", freute sich Klopp, konnte sich einen kleinen Seitenhieb auf die Liga-Form seiner Spieler aber auch nicht verkneifen: "Hätten wir immer so diszipliniert gespielt, hätten wir auch den ein oder anderen Punkt mehr."

Klopp: "Guten Impact gehabt"

Prinzipiell sei an der Leistung gegen Leipzig allerdings nur wenig auszusetzen gewesen. "Wir konnten Fabinho zum gefühlt ersten Mal in dieser Saison auf die Sechs stellen und die Innenverteidiger haben auch gut gespielt. Das Mittelfeld hat toll gespielt, die Jungs, die reingekommen sind, haben einen guten Impact gehabt. Mehr kannst du nicht erwarten. Die Jungs haben es einfach alle gut gemacht, da sind wir uns alle einig", bilanzierte der 53-Jährige, der vor der Partie bei "Sky" noch einmal präzisiert hatte, warum er aktuell nicht als Bundestrainer zur Verfügung stehen kann.
"Liverpool hat das gespielt, was man sich eigentlich von RB erwartet hat: Sie haben Körperkontakt gesucht und früh angegriffen", erkannte auch "Sky"-Experte Lothar Matthäus an: "Leipzig hat einfach die wichtigen Zweikämpfe nicht gewonnen." Sogar Ralf Rangnick, immerhin 2012 bis 2020 bei Red Bull angestellt, musste zugeben: "Liverpool hat heute wirklich mal wieder im Stile einer europäischen Spitzenmannschaft gespielt, da hat man schon einen Unterschied gesehen."
Besonders gut gefiel Klopp, wie man dem Gegner den Schneid abkaufte. "Wenn du sie machen lässt, sind sie richtig gut. Aber sie kriegen nicht oft den Druck, den sie von uns gekriegt haben. Das war wichtig, dass wir da ihre Möglichkeiten eingeschränkt haben", sagte Klopp.

Jürgen Klopp

Fotocredit: Getty Images

Man habe im eigenen Ballbesitz "richtig physisch sein" und "ein gewisses Risiko" eingehen müssen: "Da waren wir richtig stark." Wenn es sein müsste, hätten seine Spieler aber auch mal "einen Ball hinter die letzte Linie gekloppt".

Fünf Spiele bis zum Titel

"Wir wussten, dass wir Räume bekommen werden", sagte Ex-Bayer Thiago, der gerne den Titel in der Champions League verteidigen würde: "Es ist ein schwieriger Moment für uns, aber die Champions League kann uns jetzt richtig Mut geben. Sie ist etwas ganz Spezielles. Wir wollen mehr."
So sieht es auch Matthäus. "Das war ein wichtiger Erfolg für Klopp und für die Mannschaft, um wieder Selbstvertrauen für die nächsten Aufgaben zu tanken", meinte der deutsche Rekordnationalspieler: "Vielleicht ist es für sie in der Champions League einfacher als in der Premier League, wo man doch weit zurück liegt. Liverpool kann sich große Hoffnungen für diesen Wettbewerb machen."
Es sind ja nur noch fünf Spiele …
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