Jürgen Klopp hielt kurz inne, dann zuckte sein Kopf nach vorne. "Sieht so aus, ja", sagte der Trainer des FC Liverpool auf die Frage, ob seine Mannschaft im Jahr 2021 einfach zwei Gesichter habe.
Die Frage bezog sich freilich auf die unterschiedliche Bilanz in Premier League und Champions League: In der heimischen Liga war Liverpool durch sechs Heimniederlagen in Folge zuletzt bis auf Rang acht durchgereicht worden.
In der Königsklasse feierten die Reds dagegen am Mittwoch im Achtelfinal-Rückspiel in Budapest gegen den RB Leipzig einen wichtigen 2:0-"Heimsieg" und zogen nach dem 2:0 im Hinspiel an selber Stelle souverän ins Viertelfinale ein.
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"Wir haben gut gespielt, richtig gut verteidigt gegen einen richtig guten Gegner", freute sich Klopp bei "Sky" nach den Toren von Mohamed Salah (70.) und Sadio Mané (74.) und analysierte: "Die größte Leistung, die wir vollbracht haben, war, das man nicht wirklich gesehen hat, wie stark Leipzig sein kann. Man weiß ja, was das für ein Powerhouse sein kann."
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Liverpool lässt wenig zu gegen Leipzig

In der Tat ließ Liverpool RB auch im Rückspiel kaum zur Entfaltung kommen. Drei Chancen durch Dani Olmo (10.), Emil Forsberg (32.) und Alexander Sörloth (65.), der an die Latte köpfte, genehmigten die Reds den nominellen Gästen. Selbst hätte man dagegen schon in der ersten Halbzeit – zum Beispiel bei der Doppelchance durch Mané und Salah (24.) in Führung gehen müssen.
"Liverpool 2021 ist halt auch, dass du in der ersten Halbzeit Riesendinger hast und keins davon nutzt", meinte Klopp mit Galgenhumor: "Aber heute haben wir einfach weiter gemacht und das Spiel kontrolliert, was nicht selbstverständlich ist."
Eine Einstellung, die er sich auch in der Liga von seinen Spielern wünschen würde: "Hätten wir immer so diszipliniert gespielt, hätten wir auch den ein oder anderen Punkt mehr."

Klopp träumt insgeheim vom Titel

Besonders freute sich Klopp über die Art und Weise, wie seine Profis Leipzig am Fußballspielen gehindert hatte. "Wenn du sie machen lässt, sind sie richtig gut. Aber sie kriegen nicht oft den Druck, den sie von uns gekriegt haben. Das war wichtig, dass wir da ihre Möglichkeiten eingeschränkt haben", so der 53-Jährige, der vor der Partie nochmal präzisiert hatte, warum er aktuell nicht für den Bundestrainer-Posten zur Verfügung stehen kann.
"Wir mussten im eigenen Ballbesitz richtig physisch sein und sind ein gewisses Risiko eingegangen. Da waren wir richtig stark. Und wenn es sein musste, haben wir auch mal einen Ball hinter die letzte Linie gekloppt", meinte der Reds-Coach, der insgeheim natürlich von der Wiederholung des Titelgewinns von 2019 träumt - denn auch so könnte man die Qualifikation für die nächstjährige Champions-Leage-Saison erreichen:
"Es geht so weit, wie's geht. Das haben wir selbst schon festgestellt. Da gibt's für uns keine Limits. Aber wir gehen auch nicht vollmundig aus dem Stadion und sagen: Jetzt hauen wir alle weg."

Ernüchterung bei Nagelsmann

Zumal Liverpool die Situation personell angeschlagen zu Ende spielen muss. Vor Saisonende ist nicht mit der Rückkehr der Innenverteidiger Virgil van Dijk, Joe Gomez und Joel Matip zu rechnen. Kapitän Jordan Henderson wäre laut Klopp frühestens im Champions-League-Finale einsetzbar. "Bei uns kommt keiner mehr zurück. Das sind die Jungs, mit denen wir es jetzt durchziehen", sagte der Trainer.
Bei Leipzig herrschte derweil Ernüchterung. "Wir waren nicht gut genug, haben nicht den nötigen Punch entwickelt", musste Coach Julian Nagelsmann eingestehen: "Wir haben zu viel aus dem Stand gespielt und sind kaum in unsere emotionale Spielweise reingekommen. Wir haben am Anfang nicht den richtigen Mut entwickelt, vielleicht zu verkopft gespielt. So können wir nicht den richtigen Glauben entwickeln. Mit dem 2:0 war das Spiel gegessen."
Wie schon im Hinspiel hatte Leipzig zu viele Schnitzer bei der Konterabsicherung gemacht.

Nagelsmann gratuliert Klopp

"Sie schalten unglaublich gut um und haben uns ganz schnell mit zwei Toren bestraft", sagte Emil Forsberg. "Ihr Konterspiel ist wahrscheinlich eins der besten in ganz Europa", konstatierte Torwart Peter Gulasci.
So beglückwünschte Nagelsmann seinen Gegenüber auch bereitwillig. "Wenn der Gegner besser ist, dann gratuliere ich auch gerne", sagte der 33-Jährige über den Austausch mit Klopp nach dem Spiel. Um Szenen des Spiels sei es bei einem kurzen Gespräch nach Abpfiff schon gar nicht mehr gegangen, verriet der RB-Trainer.
Vielmehr habe man sich über die wilden Spielansetzungen der Premier League unterhalten. "Mich hat interessiert, wie die das mit der Belastungssteuerung machen", gab sich Nagelsmann wissbegierig.
Für Klopp bleibt indes zu hoffen, dass seine Mannschaft am kommenden Montag in der Liga gegen die Wolverhampton Wanderers nicht wieder ihr zweites Gesicht zeigt.
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