Nach 18 Minuten war die Sache erledigt.
Hatte sich Borussia Mönchengladbach nach dem 0:2 im Hinspiel des Achtelfinals tatsächlich noch ein Fünkchen Hoffnung aufs Weiterkommen gegen Manchester City gemacht, war sie nach nicht mal 20 Minuten dahin.
Am Ende stand die siebte Pflichtspielniederlage für die Fohlen in Folge fest und die Erkenntnis von Trainer Marco Rose schon ganz richtig da: "Man muss neidlos anerkennen, dass Manchester City eine Nummer zu groß war für uns."
Champions League
Hamann zählt Rose an: "Möchte sehen, was ihm Watzke erzählt, wenn …"
17/03/2021 AM 00:39
Mit 0:2 und 0:2 verabschiedet sich Gladbach sicher nicht indiskutabel debakulös aus der Champions League. Ein Klassenunterschied war dennoch klar erkennbar.
"Wir haben es absolut kontrolliert und hätten noch ein paar Tore mehr schießen können", meinte City-Trainer Pep Guardiola entsprechend unaufgeregt.
Was uns beim Rückspiel in Budapest auffiel.

1. Peps Pressingmaschinen drücken Gladbach die Luft ab

Das Achtelfinale der Champions League hat schon ein paar saftige Abreibungen mit deutscher Beteiligung erlebt: Schalke verlor 2019 mal 0:7 gegen Manchester City, Leverkusen 2012 mal 1:7 gegen den FC Barcelona. Der FC Bayern verteilte dagegen schon zweimal 7:0-Watschn an den FC Basel (2012) und Schachtjor Donezk (2015).
Selten war eine Mannschaft in einem Achtelfinale der Champions League jedoch buchstäblich so chancenlos wie Borussia Mönchengladbach, das in 180 Minuten gegen Manchester mit viel wohlwollen vielleicht eineinhalb Mal gefährlich vor dem Tor der Engländer auftauchten.
Im Rückspiel war daran vor allem Manchesters mörderisch gutes Positionsspiel verantwortlich, das in gnadenlos zuschnappenden Pressingfallen seine Erfüllung fand. "Es ist schwierig, gegen sie Fußball zu spielen, weil sie gut pressen", sagte Keeper Yann Sommer: "Sie schließen die Räume extrem gut. Da bleibt oft nur der Ball nach hinten offen.
So war ein mittig nach vorne geschlagener "Reinlasser" von Sommer auf Lars Stindl, der das Spielgerät mit dem Rücken zum Tor gegen einen deutlich größeren Gegenspieler nicht festmachen konnte, der Anfang vom Ende – Kevin De Bruyne besorgte kurz darauf das 1:0 (12.). Überhaupt Sommer: Der kam, weil oft aus Verlegenheit angespielt, auf Gladbacher Seite tatsächlich zu den drittmeisten Ballkontakten (56).
Beim 0:2 von Ilkay Gündogan (18.) standen dann Gladbachs Sechser Denis Zakaria und Florian Neuhaus nach einem Ballverlust zu weit auseinander, um Vorbereiter Phil Foden stellen zu können. "Wir waren sehr aggressiv, alle haben sehr einfach gespielt, die Bewegung ohne Ball war perfekt. Ich bin wirklich rundum zufrieden mit diesem Sieg", freute sich Guardiola.
Bei Gladbach herrschte dagegen Ernüchterung. "Wir haben immer wieder versucht, aufzuspielen, aber gegen eine solche Mannschaft spielerisch dagegenzuhalten, ist schwierig", sagte Lars Stindl: "Du hast nur ein ganz kurzes Zeitfenster, den Ball in die Tiefe zu spielen. Wenn wir da zu lange gebraucht haben, haben sie uns regelrecht aufgefressen."
In der Folge drückte das Team von Guardiola Gladbach derart die Luft ab, dass die Fohlen kaum mal zu Entlastungsangriffen kamen. "Sie haben uns gut angelockt, dann verlierst du irgendwann auch ein Stück die Überzeugung", meinte Rose.
Dass die Borussia bei nur 36 Prozent Ballbesitz am Ende lediglich 2,29 Kilometer mehr lief als die Engländer, darf Rose derweil ernsthaft besorgen. "Gladbach war einfach in allen Belangen unterlegen", bilanzierte Ex-Profi Mladen Petric entsprechend schonungslos im "Sky"-Studio. "Gegen diese Gegner musst du mental auf einem Top-Level sein", sagte Sommer. War Gladbach nicht. "Wir sind verdient ausgeschieden", so der Torwart.

Rose gibt nach Pleite zu: "City eine Nummer zu groß für uns"

2. Gündogan bewirbt sich für die EM

998 Ballberührungen hatten die Spieler von Manchester City am Dienstagabend, zwei führten zu mehr als ansehnlichen Toren.
Der stramme Schuss von Kevin De Bruyne zum 1:0 (12.) war dabei sicher das Highlight, für das der Belgier am Ende den kleinen Pokal für den "Player of the match" erhielt. Die stilisierte Nachbildung eines Balles hätte aber genauso gut auch an Phil Foden oder Ilkay Gündogan gehen können.
"Schlicht Weltklasse", fand Hamann bei "Sky" vor allem die Leistung des Deutschen, kulminierend in dessen überlegten Abschluss zum 2:0 (18.). Mit insgesamt 15 Pflichtspieltreffern ist der zuletzt zweifache "Player of the month" der Premier League nicht nur der Top-Torschütze der Citizens, sondern auch der treffsicherste Deutsche aller europäischen Topligen (vor Kevin Volland von der AS Monaco, 14) – kein schlechtes Zwischenzeugnis für einen Mittelfeldspieler.
Richtig rund wurde Gündogans Abend durch ein überschwängliches Lob seines Trainers. "Er ist unglaublich spielintelligent, einer der intelligentesten Spieler, die ich je gesehen, je erlebt habe", meinte Pep Guardiola, der wohlgemerkt schon mit nicht ganz unbedeutenden Spielern wie Lionel Messi, Xavi Hernández, Andrés Iniesta oder Xabi Alonso zusammengearbeitet hat: "Er ist ein unglaublich netter Typ und ich werde meine gemeinsame Zeit mit ihm sicher nie vergessen."
Gündogans Tore seien indes nichts Besonderes, meinte der Spanier. "Diesen Torinstinkt hatte er schon immer", erzählte er bei "Sky": "Diese Saison läuft es einfach bei ihm."
Fragt sich nur, ob Gündogans Sahneform auch Eindruck bei Nationaltrainer Joachim Löw hinterlässt. Einen der besten Spieler der Premier League und gleichzeitig den treffsichersten Deutschen aller Top-Klassen sollte man für eine tragende Rolle bei der EM durchaus auf den Zettel haben. Ob der scheidende Bundestrainer dafür allerdings einen wie Toni Kroos "opfert", bleibt abzuwarten.

Ilkay Gündogan jubelt gegen Gladbach

Fotocredit: Getty Images

3. Roses größtes Problem ist die Offensive

Roses Ansatz, alles von hinten heraus spielerisch lösen zu wollen, ist sicher aller Ehren wert – führte gegen Manchester City aber in 180 Minuten zu wenig bis gar nichts. Die Borussia schaffte es so gut wie nie, kontrolliert in Ballbesitz ins Angriffsdrittel zu kommen, geschweige denn doch auch mal den Ball zu erobern. 17 Tacklings glückten den Borussen im Rückspiel – alle in der eigenen Hälfte.
Rose hatte vor dem Spiel zwar angekündigt, dass seine Mannen "mutiger vertikaler" spielen wollen, davon war aber nichts zu sehen. Ein abgefälschter Schuss von Breel Embolo (8.), ein Fernschuss von Hannes Wolf (77.) – das war's im Grunde. "Sky"-Experte Hamann fand den Auftritt der Gladbacher "ein Stückweit naiv". Man habe "aus dem Hinspiel wenig gelernt". Das lief nämlich ganz ähnlich ab.
Gladbachs (Ergebnis-)Krise der vergangenen Wochen ist vor allem eine Offensivkrise. Vom Nachschub abgeschnitten, treffen die besten Angreifer der Borussia schlicht nicht mehr. Egal ob Stindl (ein Tor in den letzten zwölf Einsätzen), Alassane Pléa (2/18), Marcus Thuram (3/17) oder Jonas Hofmann (1/13) – Gladbach schafft es nicht, seine Offensiven torgefährlich einzusetzen.
Keine Frage: So ganz übel wie acht Niederlagen aus den letzten neun Spielen aussagen, spielt Gladbach in Summe sicherlich nicht. "Man muss schon differenzieren, das wäre gut, das wäre sachlich", forderte Rose am Dienstagabend auch für sich ein.
Nur ein Tor aus den letzten vier Pflichtspielen lässt aber auch nur wenig Raum für Fantasie. Und so sprach Hamann aus, was viele angesichts des Mitte Februar angekündigten Rose-Abgangs in Richtung Borussia Dortmund denken: "Man muss sich schon die Frage stellen, um durch Roses Verkündung mehr kaputt gegangen ist, als es die Gladbacher wahrhaben wollen. Du kannst doch die Saison jetzt nicht so ausplätschern lassen – das kann ja nicht der Anspruch der Gladbacher sein."
Am Samstag beim FC Schalke 04 ist ein Borussia-Sieg nun absolute Pflicht. "Sieben Pleiten in Folge – das kann man nicht wegdiskutieren", meinte dann auch Sommer selbstkritisch. Und: "Das wird ein sehr hartes Spiel am Samstag. Wir sind uns nach den letzten Wochen einiges schuldig. Wir müssen wütend sein und uns wehren gegen diese Situation."
Sonst dürfte es für Rose, allen Beteuerungen des treuen Sportdirektors Max Eberl zum Trotz, eng werden.
Das könnte Dich auch interessieren: Bundestrainer Matthäus: Kann er das?

Haaland für Werner? Chelsea bastelt an spektakulärem Tausch

Champions League
"Haben uns regelrecht aufgefressen": Stimmen zum Gladbach-Aus
16/03/2021 AM 22:54
Champions League
Keine Chance: Gladbach scheitert an Manchester City
16/03/2021 AM 21:50