Finale am Freitag: Wenn sich die Chefetage am letzten Werktag der Woche durch alle Fakten geackert hat, wird der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wahrscheinlich Bedarf an einer neuen Führungskraft haben. Ob der krisengeplagte Verband allerdings schon wieder einen Präsidenten oder doch eher einen Generalsekretär suchen muss, scheint im Vorfeld der Präsidiumssitzung völlig offen.

Beim erwarteten Showdown im eskalierten Machtkampf zwischen Fritz Keller und Friedrich Curtius gibt es keinen Favoriten - auch wenn sich die Deutsche Fußball Liga (DFL) mit einem bemerkenswerten Beschluss Partei für den Präsidenten ergreift.

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Beide Lager scheinen jedenfalls bestens vorbereitet zu sein. Dafür reicht ein Blick auf die gegenseitigen Anschuldigungen und diskreditierenden Informationen, die jede Fraktion in den vergangenen Wochen immer wieder geschickt durchsickern ließ. Wie erbittert der Kampf um die Meinungshoheit geführt wird, zeigt vor allem ein Detail: Jede Gruppe wirft der anderen vor, dass sie für die große Verunsicherung der DFB-Mitarbeiter verantwortlich sei.

Alle Vorwürfe, Behauptungen und Tatsachen sollen nun auf den Tisch kommen. Das ist jedenfalls der Wille von Präsident Keller, der sich laut der "Süddeutschen Zeitung" grünes Licht für einen internen Untersuchungsausschuss geben lassen will. Damit sich das Präsidium aber überhaupt offiziell mit dem beispiellosen Gerangel an der Spitze befasst, braucht der 63-Jährige zuvor einen Etappensieg. Denn nach Informationen des "Kicker" herrscht Uneinigkeit darüber, welches Gremium zuständig ist.

Fehlendes Vertrauen: DFL-Präsidium schließt Curtius aus

Sollte das Thema am Ende "nur" vom Präsidialausschuss behandelt werden, steht Keller wohl auf verlorenem Posten. Schließlich sind die Machtverhältnisse in dem fünfköpfigen Ausschuss ein offenes Geheimnis. Generalsekretär Curtius bildet mit Vizepräsident Rainer Koch und Schatzmeister Stephan Osnabrügge die Mehrheit. Keller hat nur seinen getreuen Vize Peter Peters an seiner Seite.

Doch selbst wenn die Thematik ins Präsidium gelangt, hat Keller noch lange nicht gewonnen. Denn auch zahlreiche Präsidiumsmitglieder sind offenbar gegen einen Untersuchungsausschuss. Sollte der Präsident mit seinem Vorhaben scheitern, wäre das eine weitere Niederlage für den vom Profifußball vorgeschlagenen und gestützten Keller.

Im Grunde müsste dann der dritte Verbandsboss in Folge vorzeitig das Handtuch werfen. Sollte Keller schon nach 16 Monaten seinen Platz an der Spitze räumen, wäre das allerdings der GAU für den DFB, der im 121. Jahr seiner Geschichte dann endgültig als unregierbar gelten würde.

Indiskretionen beschäftigen aber offenbar auch die DFL. Wie die "Bild"-Zeitung und "Sport Bild" berichten, soll das neunköpfige DFL-Präsidium um Christian Seifert einstimmig beschlossen haben, Curtius zukünftig von Sitzungen des Ligaverbandes auszuschließen. Grund dafür sei das fehlende Vertrauen in den 45-Jährigen. In mehreren Fällen sollen laut Bericht Indizien vorliegen, dass er Informationen an die Medien weitergegeben habe.

DFB-Präsidiumssitzung: Showdown im Machtkampf

Klar scheint jedenfalls, dass personelle Veränderungen in der DFB-Chefetage - die zum Teil auch durch die diversen juristischen Ermittlungen belastet ist - unumgänglich sind. So ist schwer vorstellbar, dass Koch (vorgesehen für das UEFA-Exekutivkomitee) und Peters (Anwärter auf einen Platz im FIFA-Council) den DFB zukünftig mit einer gemeinsamen Linie in den internationalen Gremien vertreten.

Die Ursachen des Konflikts der Lager sind mannigfaltig. Ein zentraler Streitpunkt soll der Umgang mit dem Wirken der externen Ermittler der Firma Esecon sein, die seit mehr als eineinhalb Jahren im Verband zugange sind. Ende Januar soll ihr Bericht zur sogenannten Generalinventur vorliegen, inklusive neuer Erkenntnisse zu den Ungereimtheiten rund um die Vergabe der WM-Endrunde 2006.

Laut "SZ" will Keller "vollumfänglich die Informationen bereitstellen, die mir vorliegen und die mich dazu gebracht haben, kein Vertrauen in die Zusammenarbeit mit Friedrich Curtius mehr zu haben". Der "Kicker" berichtet von sechs "Anklagepunkten", die gegen Curtius vorgebracht werden sollen. Sie könnten den Weg für den U-Ausschuss ebnen, dem nach den Vorstellungen Kellers drei bis vier Präsidiumsmitglieder und ein Wirtschaftsprüfer angehören sollen.

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(SID)

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