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Voss-Tecklenburg exklusiv: Diese Lehren haben die DFB-Frauen aus der WM gezogen

Voss-Tecklenburg exklusiv: Diese Lehren haben die DFB-Frauen aus der WM gezogen

08/11/2019 um 10:57Aktualisiert 09/11/2019 um 20:45

Am Samstag trifft die deutsche Nationalmannschaft der Frauen im Wembley-Stadion vor einer beeindruckenden Kulisse auf England. Vor dem Klassiker spricht Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg im Exklusiv-Interview mit Eurosport über das anstehende Top-Duell, welche Lehren sie aus dem WM-Viertelfinal-Aus gezogen hat und wie sich ihre Arbeit in den letzten Jahren verändert hat.

Das Interview führte Marian Kern

Frau Voss-Tecklenburg, Sie haben während Ihrer aktiven Laufbahn viele Erfolge feiern können. Gehört das Spiel im vollbesetzten Wembley-Stadion am Samstag (18:30 Uhr live auf Eurosport 1) ebenfalls zu Ihren absoluten Karrierehighlights?

Martina Voss-Tecklenburg: Fragen Sie mich nach dem Spiel nochmal (lacht). Aber im Ernst. Bereits als die Anfrage aus England kam, haben wir uns über die Möglichkeit gefreut, dieses Spiel zu bestreiten. Das Duell England gegen Deutschland ist im Fußball ein absoluter Klassiker und löst bei allen Beteiligten etwas aus. Es ist schön, ein Teil davon zu sein und daher werden wir voller Vorfreude und Ethusiasmus diese Aufgabe angehen.

Ist es für Sie vorstellbar, dass ein solches Spiel auch in Deutschland vor 75.000 oder 80.000 Zuschauern stattfinden wird?

Voss-Tecklenburg: Wir haben schon in der Vergangenheit bewiesen, dass wir größere Stadien füllen können. Und wir planen ab dem kommenden Jahr ebenfalls Highlightspiele und wollen diese dementsprechend promoten. Man muss sich allerdings immer vor Augen führen, wie solche Spiele zustande kommen. In Wembley wird das Ticket für unter 16-Jährige für ein Pfund verkauft. Für diesen Preis kommt sonst niemand in dieses Stadion. Darüber hinaus erfährt der Frauenfußball in England eine größere Popularität. Durch Unterstützung seitens der Regierung und dem Fußballverband – nicht zuletzt wegen der Ausrichtung der EM 2021 - stehen dortzulande mehr Möglichkeiten zur Verfügung.

Dennoch kann man von solchen Ereignissen auch im Hinblick auf die eigene Umsetzung lernen.

Voss-Tecklenburg: Eine deutsche Delegation wird in England vor Ort sein. Ich sehe den Austausch sehr positiv, um nachzuvollziehen welche Vorbereitungen für solch ein Event notwendig sind und wie die entsprechenden Prozesse im Frauenfußball dort angeschoben werden. Daraus wollen wir unsere Schlüsse ziehen und Verwertbares sowohl in die Liga als auch in die Nationalmannschaft transportieren. Dennoch bin ich mir sicher, dass wir im kommenden Jahr das ein oder andere Stadion füllen werden und das sollte auch unser Ziel sein.

Welche Erwartungen haben Sie diesbezüglich an den neuen DFB-Präsidenten Fritz Keller?

Voss-Tecklenburg: Erst einmal bin ich froh und stolz, dass Fritz Keller während unserer Vorbereitung zum Team stoßen wird. Generell sehe ich es sehr positiv, dass der Fokus des gesamten DFB-Präsidiums stärker auf dem Frauenfußball liegt. Uns ist allen bewusst, dass wir etwas tun müssen, um auf Weltniveau konkurrenzfähig zu bleiben. Hier ist der Austausch essenziell, um Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Uns ist bewusst, dass wir nicht plötzlich 10.000 Zuschauer in den Bundesligastadien begrüßen werden. Allerdings muss es ein Ziel sein, die Infrastruktur und damit auch die Zuschauerzahlen in den nächsten Jahren wieder auszubauen.

Martina Voss-Tecklenburg (r.) mit Nationalspielerin Giulia Gwinn (l.)

Martina Voss-Tecklenburg (r.) mit Nationalspielerin Giulia Gwinn (l.)Getty Images

Beim DFB spielt der Erfolg eine zentrale Rolle. Wie gehen Sie als Bundestrainerin damit um?

Voss-Tecklenburg: Ich versuche damit so entspannt wie möglich umzugehen. Mir ist bewusst, dass meine Arbeit in Deutschland stärker im Fokus steht als beispielsweise mein früheres Engagement in der Schweiz. Erfolge und Anspruch werden anders definiert. Die Aufgabe ist über die letzten Jahre auch herausfordernder geworden. Der Frauenfußball ist enger zusammengerückt. Es gibt viele Teams, die auf hohem Niveau arbeiten und konkurrenzfähig sind. Dennoch ist es ein Privileg, ein Teil davon zu sein.

Die Bewertung Ihrer Arbeit wird in dieser Hinsicht nicht einfacher.

Voss-Tecklenburg: Mir ist es wichtig, dass Personen meine Arbeit bewerten, die unmittelbar dabei sind. Personen, die unsere akribische und leidenschaftliche Arbeitsweise einschätzen können. Wenn es am Ende nicht zu dem Erfolg führt, den sich andere gerne wünschen, kann ich damit leben, sofern wir als Trainerteam und als Mannschaft alles auf den Platz bringen, was uns möglich ist.

Vor der WM in diesem Jahr hatten viele auch mit einem anderen Abschneiden der deutschen Mannschaft gerechnet. Wie haben Sie das Viertelfinal-Aus mit dem Team aufgearbeitet?

Voss-Tecklenburg: Das Team hat viele Dinge für sich analysiert. Daraus haben wir unsere Lehren gezogen. Wir arbeiten jetzt vermehrt mit Einzelanalysen der Spielerinnen. Wir versuchen Verantwortlichkeiten besser zu verteilen. Doch das benötigt Zeit und passiert nicht von heute auf morgen. Das Team muss in diese Verantwortung erst hineinwachsen.

Klingt nach einem kontinuierlichen Prozess.

Voss-Tecklenburg: Wir versuchen stetig uns in kleinen Dingen zu verbessern. Das ist eine besondere Stärke des Trainerteams sowie der Spielerinnen. Niemand ist der Meinung, alles richtig gemacht zu haben. Wir arbeiten akribisch daran, um im Kollektiv und persönlich bessere Leistungen in Zukunft erzielen zu können.

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