Als es zum vierten Mal hinter ihm eingeschlagen hatte, verlor Manuel Neuer in seinem denkwürdigen Rekordspiel die Contenance. Im Sitzen schlug der Nationaltorhüter mit der rechten Hand heftig gegen den Pfosten, sein vulgärer Kraftausdruck ("F.....") war bis in die deutschen Wohnzimmer zu hören. Und seine Vorderleute? Die ließen die Schultern hängen und schauten beschämt zu Boden.

Kein einziger Feldspieler stemmte sich erkennbar gegen die historische 0:6 (0:3)-Schmach in Sevilla gegen Spanien, weder sportlich noch emotional. Wer ist hier der Boss? Das fragte sich auch ein entsetzter Bastian Schweinsteiger.

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"Haben wir einen Spieler wie Sergio Ramos in den eigenen Reihen, der der Anführer ist?", sagte der "ARD"-Experte zur Halbzeit, als sich das Debakel schon abzeichnete: "Wer macht das jetzt für die deutsche Nationalmannschaft? Wer geht da voran?"

Niemand - so lautete die erschütternde Antwort nach 90 demütigenden Minuten. Am unscheinbaren Weltmeister Toni Kroos konnte sich niemand aufrichten, der als Abwehrchef auserkorene Niklas Süle war heillos überfordert, auch der zuletzt bärenstarke Leon Goretzka tauchte ab. Joshua Kimmich, der als emotionaler Leader das Team hätte aufrütteln können, konnte verletzt zu Hause nur den Fernseher anschreien.

IST JOACHIM LÖW NOCH DER RICHTIGE TRAINER FÜR DEUTSCHLAND?

Matthäus kritisiert Kroos: "Nichts zu sehen!"

"Toni Kroos, Anführer - nicht zu sehen! Hinten keiner, der die Mannschaft organisiert hat! Vorne keiner, der Kommandos gegeben hat!", sagte Rekordnationalspieler Lothar Matthäus bei "Sky". Die fehlende Organisation und Kommunikation seien "tödlich" gewesen, gab Joachim Löw zu. Da der Bundestrainer selbst mit seiner Körpersprache Ratlosigkeit und Resignation vorlebte, fehlte der Impuls von außen.

Die neue Chef-Debatte, die indirekt auch mit der heiß diskutierten Frage nach einer Rückkehr des Weltmeister-Trios Mats Hummels, Thomas Müller und Jerome Boateng zusammenhängt, heizte ausgerechnet Schweinsteiger als Allererster an. Der ehemalige DFB-Kapitän zeigte am "ARD"-Mikrofon deutlich mehr Feuer als so mancher Spieler auf dem Platz.

"Ich nehme die Spieler in die Pflicht, da muss mehr kommen. Gerade die, die schon länger dabei sind, müssen das Heft in die Hand nehmen", forderte der Weltmeister von 2014: "Bis zur Europameisterschaft ist nicht so viel Zeit. Vielleicht können wir bis dahin diese Werte irgendwie in die Spieler reinbringen, um dann solche Ergebnisse zu vermeiden."

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Schweinsteiger bemängelt fehlende Kommunikation

Spieler wie Kroos, Süle oder Goretzka müssten "ein bisschen böser" werden, meinte Schweinsteiger, der "Körperspannung und Aggressivität" komplett vermisste. "Am meisten hat mich gestört, dass man sich nicht gewehrt hat", sagte der 36-Jährige: "Man hat nur die Spanier sprechen gehört."

Und Neuer. Der Kapitän dirigierte, brüllte und stauchte seine Vordermänner zusammen - doch das 96. Länderspiel, mit dem er zum alleinigen Rekord-Keeper in der DFB-Geschichte aufstieg, konnte Neuer alleine nicht retten. "Für ihn ist es sehr schwer, das aus der Ferne zu organisieren", sagte Schweinsteiger: "Bestenfalls hat man in der Abwehr, im Mittelfeld und Sturm eine Achse."

Und schlimmstenfalls hat man eine Achse, die in schwierigen Situationen auseinander bricht.

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(SID)

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