Auch Pep Guardiola hatte ein gutes Werder Bremen gesehen. "Sie haben mit viel Musik gespielt", sagte der Trainer des FC Bayern München nach dem 2:0 über den doch krassen Außenseiter im Halbfinale des DFB-Pokals am Dienstagabend. Gute Musik – bis Arturo Vidal den Stecker zog.

Genauer: Durch den Strafraum segelte. Die Schwalbe des eingewechselten Chilenen und der folgende Elfmeterpfiff führte zum vorentscheidenden 2:0 durch Thomas Müller, vorbei war’s mit der Bremer Hoffnung.

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DFB: Keine Sperre für Vidal

Vidal muss aber nach seiner unfairen Aktion keine nachträgliche Sperre durch das DFB-Sportgericht fürchten. Schiedsrichter Stieler habe mit seinem Elfmeterpfiff nach der Schwalbe des Chilenen eine "nicht angreifbare Tatsachenentscheidung" getroffen, teilte der DFB mit. Deshalb sei die Einleitung eines sportgerichtlichen Verfahrens nicht möglich. "Der Schiedsrichter hat den Vorgang wahrgenommen und bewertet, so dass eine nachträgliche Verfahrenseinleitung durch den DFB-Kontrollausschuss aus Rechtsgründen ausgeschlossen ist", sagte ein DFB-Sprecher auf SID-Anfrage.

Zudem wies der DFB auf den Unterschied zur "Mutter aller Schwalben" von Andreas Möller vor 21 Jahren hin. Sternberg sei mit beiden Beinen voraus in Vidals Laufweg gegrätscht, sodass Vidal in der Laufbewegung "zurückziehen" musste. Bei Möller hingegen sei damals kein Gegenspieler in der Nähe gewesen.

Stieler entschuldigt sich

Schiedsrichter Tobias Stieler wusste hinterher, welch Fehler er da begangen hatte. "Es tut mir leid. Das geht so schnell und ich stehe so gut. Ich habe einen Kontakt gesehen, aber es war keiner", sagte der Hamburger Unparteiische, der zu seiner Ehrenrettung festhielt: "Die Szene hat das Spiel leider etwas überschattet, gleichwohl sie das Spiel nicht entschieden hat."

Stimmt schon, fürs Entscheiden war Müller mit seinen zwei Toren (30./71.) zuständig.

Dennoch drehte sich nach dem Spiel fast alles um den Flug des Chilenen, der den Kondor gemacht hatte, einfach an der Grätsche von Janek Sternberg vorbei gesegelt war. "Die klarste Schwalbe seit langem", ordnete "ARD"-Experte Mehmet Scholl ein.

Müller kreiert das Wort "Schutzhochspringen"

Ob er sie bereute? Vidal durfte und wollte dazu nichts sagen. Dafür sprachen andere Bayern. "Den Elfmeter muss man nicht geben, das stimmt", sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge.

Thomas Müller versuchte seinen Kollegen in Schutz zu nehmen. "Es war eher ein Schutzhochspringen von Arturo, entschuldigt aber nicht, dass er ohne Kontakt hinfällt", sagte er zunächst.

Dann: "Aus dem Spiel heraus hat es wie ein Foul ausgesehen. Es war auch nah dran an einem Foul, aber es war sicherlich keins – so ehrlich muss man sein."

Und eigentlich:

Reden wir nicht drumherum: Es war eine Schwalbe. Das sollte nicht sein. Wenn ein Elfmeter gegen uns so passiert, stehe ich hier und rede in einer anderen Tonart.

Blöd für Bremen, in der Konsequenz aber wohl richtig: "Verwandeln muss ich den Elfer trotzdem", schloss Müller.

Guardiola fügte noch an, dass es zwar "kein Elfmeter" gewesen sei, die Bayern aber letzte Saison das Finale verpasst hätten, weil vor dem Strafstoß-Drama gegen Borussia Dortmund (1:1, 0:2 i.E.) "zwei Elfmeter nicht gepfiffen wurden". Beschwert habe er sich darüber aber nicht.

Nachsichtige Bremer

Was die Bremer auch nicht im Sinn hatten. Zumindest nicht lauthals. "Das war eine Schwalbe. Kann passieren, aber der Schiedsrichter muss auf solche Sachen besser aufpassen", sagte Claudio Pizarro nur leicht sauer.

Geschäftsführer Thomas Eichin nervte eher, dass Stieler aus seiner Sicht die "fifty-fifty-Entscheidungen alle für Bayern" gepfiffen habe. Die Vidal-Szene sei dagegen "schwer zu sehen" gewesen.

Trainer Viktor Skripnik meinte abschließend:

Im Spiel, das schnell ist, sieht das nach Foul aus. Nach dem Spiel kann jeder schlau sein und sehen, dass das kein Foul ist. Der Schiedsrichter muss entscheiden, das hat er getan.

Tapfere Bremer.

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