Traditionsklub Jena, dreimaliger DDR-Meister und viermaliger Pokalsieger, ist bis in die vierte Liga abgestürzt. Die Erinnerungen an die goldenen Zeiten verblassen immer mehr, die Thüringer halten sich seit Jahren mehr schlecht als recht über Wasser. Mit dem Pokal-Coup gegen den Hamburger SV wurde allerdings eine neue Euphorie entfacht. 3:2 siegte die Mannschaft von Trainer Volkan Uluc im August nach Verlängerung, nun soll in der zweiten Runde die nächste Überraschung her.
"Da kommt ein Bundesligist, der hat viel Druck auf dem Kessel", sagte Uluc dem MDR: "Trainer und Spieler durchleben keine angenehme Phase. Und wir haben es ja bereits bewiesen. Gegen den Hamburger SV haben wir ein fantastisches Spiel gemacht."
DFB-Pokal
Zorniger erwartet "heißes Spiel" gegen Jena
27/10/2015 AM 10:49

Zorniger erwartet "hitzige Atmosphäre"

Natürlich sei Stuttgart der haushohe Favorit, ist aber eben zweifellos auch angeschlagen. Nach dem bitteren 3:4 bei Bayer Leverkusen liegen die Schwaben nur auf Bundesligarang 16. Trainer Alexander Zorniger muss beim krassen Außenseiter unbedingt gewinnen, ansonsten wird es früh in der Saison richtig ungemütlich. Zorniger ist sich sicher, dass es gegen den Tabellen-Dritten der Regionalliga Nordost "ganz, ganz heiß hergehen" wird und erwartet eine "hitzige Atmosphäre" vor 18.000 Zuschauern im ausverkauften Ernst-Abbe-Sportfeld. Es werden so viele Fans wie noch nie seit der Wiedervereinigung unterhalb der Kernberge dabei sein.
Auch zwei Zusatztribünen und eine für rund 100.000 Euro eigens errichtete mobile Flutlichtanlage sorgen dafür, dass Stimmung wie in alten Tagen aufkommt. So wie im Oktober 1980 beim legendären 4:0 im Europapokal der Pokalsieger gegen den AS Rom zum Beispiel, oder den Siegen gegen Benfica Lissabon und den FC Valencia. Später stand Jena 1981 unter Trainer Hans Meyer im Finale, unterlag in Düsseldorf aber mit 1:2 gegen Dynamo Tiflis.

Rasanter Absturz in die Regionalliga

Seitdem ist in Jena viel passiert. Aus dem Nachwuchs gingen Nationalspieler wie Bernd Schneider und Robert Enke hervor, doch mit dem Abstieg aus der 2. Bundesliga im Jahr 2008 folgte der Absturz. Zwar schaffte es Jena im gleichen Jahr ins Pokal-Halbfinale, scheiterte dort jedoch bei Borussia Dortmund. Die Leistungsträger wanderten ab, und es brachen unruhige Zeiten an.
Trainer, Sportdirektoren und Präsidenten kamen und gingen, Machtkämpfe wurde öffentlich ausgetragen. Erst seit kurzer Zeit ist es ruhiger, daran hat auch der besonnene Uluc großen Anteil. "Eigentlich gehört Jena in die 3. Liga", sagt Präsident Lutz Lindemann. Der Aufstieg ist das große Ziel, die Rückkehr in den Profifußball für den Klub dringend nötig.
Für 22 Millionen Euro wird 2017 ein modernes Stadion gebaut und so der Grundstein für eine bessere Zukunft gelegt. Kurzfristig träumen beim Ersten der ewigen DDR-Oberliga-Tabelle derweil viele von einer weiteren Sensation gegen den VfB Stuttgart. "Wir haben als krasser Außenseiter nichts zu verlieren", sagte Uluc. Ein bisschen Glück gehöre natürlich auch dazu: "Ich hoffe, dass sich die Jungs das erarbeiten."

Die voraussichtlichen Aufstellungen

Carl Zeiss Jena: Koczor - S. Eismann, Klingbeil, J. Gerlach, Krstic - Bär, Krauße, Erlbeck, Schlegel - V. Jovanovic, Starke
VfB Stuttgart: Tyton - Klein, Sunjic, Baumgartl, Insua - Schwaab, Ferati - Didavi, Maxim - Harnik, Ti. Werner
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