Aus der Allianz Arena berichtet Florian Bogner

1.) Müllered

Einst erfunden von der Londoner Presse nach einem Bayern-Sieg bei Arsenal, beschrieb es auch ganz gut, was Werder Bremen in Halbzeit eins widerfuhr: Müllered. Der SVW spielte weiß Gott nicht schlecht, hatte seine offensiven Momente, ließ nicht viele Chancen zu – und wurde doch gemüllert. Nach einer Ecke. Keine Pointe.
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Weil Clemens Fritz in der Mitte ausrutschte, hatte Müller wieder seinen Müller-Moment, köpfte freistehend (30.) zum 1:0 ein. Alles an diesem Kopfballtor war schulbuchmäßig: Der Körper ein Klappmesser, der Ball als Aufsetzer beinahe unhaltbar – Kopfballpendelfetischist Hermann Gerland war stolz auf der Bayern-Bank. Und beim Elfmeter blieb Müller auch eiskalt (71.).
Für den 26-Jährigen war es der 150. und 151. Pflichtspieltreffer für Bayern, er steht nun bei 13. Pokaltoren in den letzten 14 Einsätzen, hat schon 31 Saisontreffer und erzielte gegen Werder zum zehnten Mal das erste Bayern-Tor in einem Spiel. Dass er in der 57. Minute schlampig auf Robert Lewandowski abspielte: geschenkt. Bayern ist im Finale. Dank Müller.
Was Pep Guardiola dazu einfiel? "Thomas Müller ist ein Talent", sagte der Bayern-Coach. "Ich habe von Anfang an daran gearbeitet, ihm mehr Optionen zu geben."

2.) Mutiges Werder

Am 12. März spielte Bremen in der Liga mit Fünferkette in München und kassierte ein 0:5. Gut, dachte sich Viktor Skripnik, machen wir das diesmal anders – und stellte ein klassisches 4-2-3-1 den Bayern entgegen, fast schon mutig offensiv.
Die Werder-Defensive machte das sogar richtig gut, weil Fin Bartels (rechts) und Sambou Yatabaré gegen die Bayern-Außen halfen, Fritz und Theodor Gebre Selassie die Turbo-Dribbler Franck Ribéry und Mario Götze quasi in Manndeckung nahmen. Dass die Bayern zu ein paar recht luftigen Offensivaktionen kamen: egal, weil dann die Innenverteidiger gut standen.
Nach vorne ging bei Bremen auch mehr als viele andere in der Allianz Arena zeigen: So ging’s vor allem über Zlatko Junuzovic, der als Zehner nicht allzu viel verteidigen musste, oft schnell nach vorne. Einzig Claudio Pizarro, der Ex-Bayer, der im Bundesliga-Spiel noch fehlte, hatte einen schwachen Tag erwischt und tappte mehrfach in die Abseitsfalle der Bayern.

3.) Schiedsrichter will man nicht sein

Tobias Stieler hatte als Schiedsrichter einen schweren Stand, weil er früh viel und kleinlich pfiff und dann irgendwie bei seiner Linie bleiben wollte. Das tat dem Spiel nicht wirklich gut und zog vor allem den Ärger der Gäste auf sich, die nicht nur liefen, wie die Bayern, sondern wirklich um ihr Leben rannten, um das Wunder möglich zu machen.
Werder spielte körperlich am Limit, aber nicht wirklich unfair; dennoch schnitten immer wieder Stieler-Pfiffe durch die Arena, wo man gemeinhin auch hätte weiterlaufen lassen können. Bitter wurde es dann für Werder, als der 34 Jahre alte Hamburger den vermeintlichen Ausgleich zurückpfiff: David Alaba hatte ein groteskes Eigentor fabriziert, war dabei aber von Fin Bartels leicht gerempelt und gezogen worden (62.).
Vorm 2:0 der Bayern fiel Stieler dann auf eine astreine Schwalbe des eingewechselten Arturo Vidal rein, zeigte zu Unrecht auf den Punkt. "Das war nichts. Ganz klar. Da muss der Schiri ein bisschen mehr aufpassen", sagte Pizarro. Gäste-Kapitän Fritz sah es ähnlich: "Das ist ärgerlich, das war gerade eine Phase, in der wir gut drin waren. Die Bayern waren unsicher. Man hatte das Gefühl, hier könnte noch was gehen."
Sogar Guardiola gab zu: "Der Elfmeter zum 2:0 war kein Elfmeter."
Nicht der beste Tag des Schiedsrichters.
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