Getty Images

Rückkehr zum "Krisen-System": So geht Kovac sein zweites Bayern-Jahr an

Rückkehr zum "Krisen-System": So geht Kovac sein zweites Bayern-Jahr an

11/08/2019 um 12:44

Mit dem DFB-Pokalspiel gegen Energie Cottbus geht Niko Kovac beim FC Bayern München in seine zweite Saison. Der Double-Gewinn hat dem Trainer sichtbar Selbstüberzeugung gegeben. Trotz Transferstau und Supercup-Pleite gegen Borussia Dortmund ist Kovac dabei, sich zu profilieren - und glaubt, wetterfest genug zu sein, um bei Bayern bestehen zu können. Das spiegelt sich in seinen Aussagen wieder.

    Niko Kovac erschien mit Drei-Tage-Bart zum Pressetermin an der Säbener Straße. Das ist eine wichtige Information, weil der Trainer des FC Bayern gefragt wurde, ob er Lehren gezogen habe aus dem anstrengenden Vorjahr. Zwischendrin, das gab Kovac ja selbst zu, hatte er doch sehr abgekämpft gewirkt im Gesicht, mager und müde.

    "Ich habe letztes Jahr nicht allzu viel an mich rangelassen", sagte er rückblickend. "Ich sah eine Zeitlang sehr mitgenommen aus, weil ich mich nicht rasiert habe. Das hätte ich mal machen sollen, dann hätte ich einen anderen Eindruck erweckt bei Ihnen."

    FC Bayern gibt unglückliches Bild ab

    Den Pflichtspielauftakt 2019/20 vermasselte der Double-Sieger (0:2 im Supercup gegen Borussia Dortmund), schon schaukelten sich erste - sportliche - Turbulenzen hoch; auf dem Transfermarkt gibt Bayern in diesem Sommer ohnehin ein unglückliches Bild ab.

    "Wir haben neue Aufgaben und müssen uns neu beweisen, jeder Einzelne, der Trainer, die Mannschaft, der Verein", sagte Kovac. "Wir haben am Montag die erste Möglichkeit."

    Dann wurde Kovac ernst. "Wir haben zwei Titel zu verteidigen", sagte er. Und weiter:

    "Ich bin Sportler und weiß, dass das alles relativ einfach ist auf dem Papier. Ich will meinen Jungs aufzeigen, dass es ein hartes Stück Arbeit wird. Es gibt kein einfaches Spiel, egal gegen wen. Nichts wird im Vorbeigehen geschafft. Deshalb lieber vorher den Finger heben als nachher. "

    Ab Cottbus zählt's.

    Rückkehr zum Krisen-System? Kovac widerspricht

    Auch wenn Kovac in der Leroy-Sané-Causa von seinem Boss Karl-Heinz Rummenigge gerügt wurde und kleinlaut zu Kreuze kroch (sprich: kriechen musste), hat er aus dem Gewinn von Meisterschaft und DFB-Pokal sichtbar Selbstüberzeugung geschöpft. Kovac ist dabei, sich zu profilieren.

    Als er mit der These konfrontiert wurde, dass sein 4-3-3-System nicht immer "so dolle geklappt" habe, gab's den prompten Einwand: "Stimmt nicht. Ich werde es belegen." Also referierte Kovac, dass er bereits seit dem 5:0-Triumph über den BVB von Anfang April wieder im 4-3-3 habe spielen lassen. Mit Erfolg.

    Video - FC Bayern: Wird Coutinho die Sané-Alternative?

    01:10

    "Nur: Systeme sind austauschbar, es geht letztlich darum, was man umsetzt", sagte der Kroate. "Man fängt ein Spiel an, und während des Spiels sieht man ja sowieso verschiedene Systeme, wenn man richtig hinschaut. Es ist schon sehr variabel, deswegen sehe ich kein Problem. Wir haben in der Vorbereitung gute Spiele im 4-3-3 gemacht. Das ist ja das, was der FC Bayern über Jahre gespielt hat."

    FC Bayern: So kommen Transfers zustande

    Und als Kovac erklären sollte, warum jeder seiner Vorgänger einen Wunschspieler einfordern durfte (Javi Martínez bei Jupp Heynckes 2012, Thiago bei Pep Guardiola 2013, James Rodríguez bei Carlo Ancelotti 2017), sprach er vom "gemeinsamen Nenner" beim FC Bayern:

    "Wenn ich jemanden verpflichte, geht’s nicht um einen Einzelnen. Der komplette Klub muss eine Entscheidung treffen, von der es heißt: Da stehen alle dahinter. Das ist einstimmig. Dann wird so etwas durchgebracht, und dann gibt's überhaupt keinen Diskussionsbedarf. "

    Nun denn, Cottbus ruft. Kovac glaubt, beim FC Bayern wetterfest (geworden) zu sein:

    "Wer hier arbeitet, weiß, was von ihm erwartet wird. Wenn er gewinnt, ist alles gut. Wenn er mal verliert, dann ist plötzlich alles schlecht. Ich gehe vom Guten aus. Ich bin ein positiv denkender Mensch, optimistisch, aber auch Realist. "

    Und rasiert. Fast.