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Ein Jahr danach: Deutschland macht wieder Spaß

Ein Jahr danach: Deutschland macht wieder Spaß

12/06/2019 um 08:51Aktualisiert 12/06/2019 um 09:11

Deutschland setzt mit dem 8:0 (5:0)-Kantersieg gegen Estland rund ein Jahr nach dem WM-Desaster ein Ausrufezeichen auf dem Weg zu alter Stärke und bleibt in der EM-Qualifikation weiter ohne Makel. Die junge DFB-Elf begeistert das Publikum. Alle Beteiligten betonen aber auch, dass der angestrebte Umbruch noch längst nicht abgeschlossen ist.

Neuer, Kimmich, Boateng, Hummels, Plattenhardt im Defensivverbund. Khedira, Kroos, Müller, Özil und Draxler davor. In der Sturmspitze Timo Werner. So spielte die deutsche Nationalmannschaft vor genau 359 Tagen in Moskau. Es war das erste Spiel der Weltmeisterschaft. Und damit - so weiß man heute - der Anfang vom Ende.

Oder eben der Anfang vom Neuanfang. Was für ein Unterschied doch so ein (fast ganzes) Jahr macht.

Mittlerweile hat Deutschland wieder Gefallen gefunden an seiner ersten Fußballmannschaft. Die DFB-Elf hat einen neuen, frischen Anstrich bekommen - auch wenn der Trainer weiterhin Joachim Löw heißt.

Umbruch noch lange nicht abgeschlossen

Der Umbruch scheint - trotz des Abstiegs aus der Nations League - formidabel zu laufen. Abgeschlossen ist er aber noch lange nicht.

"Wir haben uns gesteigert", sagte Kapitän Neuer mit Blick auf die zurückliegenden Qualifikations-Spiele gegen die Niederlande (3:2) und Weißrussland (2:0). "Wir haben ein tolles Spiel gegen Holland gemacht. Nun haben wir diese beiden letzten Spiele solide und seriös runtergespielt, verdient gewonnen." Und:

"So kann es natürlich weitergehen. Wir hoffen, dass wir weiter an uns arbeiten, viel lernen und im Sommer eine super Mannschaft aufgebaut haben."

Der kommende Sommer wirft bereits seine Schatten voraus. Dann - zum Beginn der Europameisterschaft 2020 - will Deutschland wieder ganz oben angreifen. So lautet jedenfalls der intern ausgegebene Plan.

Die "jungen Wilden", wie etwa Bayerns Leon Goretzka, sind voller Tatendrang. Übergangs-Bundestrainer Marcus Sorg, der den verletzten Löw erneut ohne Probleme vertrat, lobte explizit die Arbeitsmoral des Teams mehr als drei Wochen nach Ende der Bundesliga-Saison.

Goretzka sieht noch Luft nach oben

"Der Umbruch ist noch lange nicht abgeschlossen. Es ist noch viel zu früh, da sind noch immer Dinge, die verbessert werden müssen", sagte Goretzka, nachdem er selbst ein Tor gegen bemitleidenswerte Esten beigesteuert hatte. "Gerade solche Spiele sind aber gut, um das entstandene Videomaterial zu analysieren, Dinge zu trainieren und zu optimieren. Es kommen noch andere Aufgaben und bis dahin müssen wir noch einiges verbessern."

Goretzka (Deutschland) im Spiel gegen Estland

Goretzka (Deutschland) im Spiel gegen EstlandGetty Images

Julian Draxler, der schon vor einem Jahr bei der WM eine große Rolle spielte, erinnerte bei aller Freude über den neuen Schwung daran, dass es auch eine Zeit vor der Bauchlandung in Russland gab. "Wir haben ganz frischen Wind jetzt in der Mannschaft. Jetzt sieht man, dass die Jungs hungrig sind. Die wollen sich zeigen, die wollen mit aller Macht in die Mannschaft, deswegen haben wir so ein Spiel abgeliefert", sagte der PSG-Star. Und weiter:

"Vorher war aber auch nicht alles schlecht, wir hatten viele schöne Jahre, deswegen geht mir das manchmal ein bisschen zu schnell."

Der ehemalige Schalker wird den Umbruch nicht aufhalten können. Draxler gehört mit seinen 25 Jahren längst zu den erfahreneren Spielern. Er wird sich der Geschwindigkeit anpassen müssen. Bei seiner Qualität dürfte dies allerdings keine Probleme verursachen.

"Man sieht, dass wir eine sehr gute Qualität haben, besonders in der Breite", bilanzierte Kimmich. Deshalb sei es "ganz egal, wer von der Bank kommt. Da ist sehr viel Qualität".

Gute Aussichten also für den deutschen Fußball. Die Nationalmannschaft versprüht wieder Lust und Leidenschaft. Der Fußball ist wieder offensiv, frisch und zielstrebig - und das bleibt auch den Fans nicht verborgen. In Mainz fegte zeitweise die La Ola durch die Zuschauerränge.

Nun geht es in die für Spieler wie Fans verdiente Sommerpause. Danach geht der Neuaufbau des Teams für die EM 2020 weiter.

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