Ein Kommentar von Alice Jo Tietje

Was für eine rauschende Fußball-Nacht in Dortmund. Nicht Lionel Messi, nicht Antoine Griezmann, nicht Luis Suárez haben dem FC Barcelona beim Gastspiel im Ruhrgebiet zum Auftakt der Champions League in der Todesgruppe F einen wichtigen Punkt gerettet - der Held des Abends hieß Ter Stegen.

EM-Qualifikation
Mit Video | Ter Stegen heizt Zoff weiter an: So reagiert er auf Neuer
17/09/2019 AM 06:44

Toni Schumacher gegen Uli Stein, Andreas Köpke gegen Oliver Kahn, Oliver Kahn gegen Jens Lehmann - der Kampf um die heißbegehrte Stammposition im Tor der DFB-Elf ist nahezu so alt wie der Fußball selbst. Nur selten herrscht Freundschaft im Duell um die Position zwischen den Pfosten.

Nun hat Deutschland ein neues, hitziges Duell auf der Torlinie: Manuel Neuer gegen Marc-André ter Stegen. Doch während sich die beiden verbal einen Schlagabtausch liefern wird klar: Nicht Mitstreiter Neuer ist das Problem von ter Stegen, sondern die Philosophie von Bundestrainer Joachim Löw.

Löw: Sicherheitsvariante statt Leistungsprinzip

"Es war ein Schlag für mich", hatte ter Stegen jüngst nach seiner Nichtberücksichtigung für die EM-Qualifikationsspiele gegen die Niederlande und Nordirland zu Protokoll gegeben. Aus seiner Sicht völlig verständlich. Schließlich hatte ihm Löw zumindest für die Partie im Windsor Park zu Belfast eine Einsatzzeit zugesagt. Im Tor stand aber wieder der Bayern-Keeper.

Hier liegt der Fehler: Löw agierte unglücklich in seiner Kommunikation, ließ seinen Worten keine Taten folgen. Obwohl beide Keeper in ihren Klubs auf absolutem Top-Level spielen, lässt der ranghöchste Coach des Landes das Vertrauen in Barca-Torwart ter Stegen vermissen. Sicherheitsvariante statt Leistungsprinzip - in Löws 13-jähriger Karriere als Bundestrainer ein altbewährtes Muster.

WM 2014 gibt Löws Richtung vor

Schon bei der Weltmeisterschaft 2018 in Russland musste ter Stegen in den sauren Apfel beißen, obwohl er zuvor sowohl beim FC Barcelona als auch in der WM-Qualifikation groß aufspielte. Neuer hingegen fehlte aufgrund eines Mittelfußbruches knapp ein Jahr und hatte nur 60 Trainingstage, um sich auf den Höhepunkt des Jahres vorzubereiten.

Im Anschluss hütete jedoch ein anderer das DFB-Gehäuse: Manuel Neuer. Schon damals ließ Löw kein offenes Duell der beiden besten Torhüter der Nation zu, es herrschte keine Gleichberechtigung. Im Gegenteil: Löw positionierte sich klar pro Neuer.

WER IST DER BESSERE TORWART?

Ter Stegen hat seine Chance verdient!

Keine Frage, Manuel Neuer war jahrelang ohne Wenn und Aber der beste Torwart - nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt. Als Kapitän der Nationalmannschaft und des FC Bayern holte der Gelsenkirchner nahezu alle Titel im Klubfußball und obendrauf krönte er seine Laufbahn mit dem WM-Triumph 2014.

Stellt man das Leistungsprinzip in den Vordergrund, steht ter Stegen dem viermaligen Welttorhüter in nichts nach. Dies hat er als Retter des 0:0 zwischen dem BVB und Barca eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Seine Weltklasse-Leistung an einem denkwürdigen Champions-League-Abend im Signal Iduna Park hat aufgezeigt, warum ter Stegen nicht umsonst zur Wahl zum FIFA-Welttorhüter 2019 nominiert wurde. Während sich Neuer mit 33 Jahren am Scheitelpunkt seiner Karriere befindet, steht der 27-jährige ter Stegen in der Blüte seines Schaffens. Es ist an der Zeit, dem Herausforderer eine Perspektive zu geben. Ter Stegen hat sich eine Chance verdient.

Wenn nicht jetzt, wann dann, Herr Löw?

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