Cristiano Ronaldo ist ein schöner Mann. Sagen solche, die von sich behaupten, so etwas einschätzen zu können. Der dreimalige Weltfußballer zählt zu denen, die sich durchaus viel auf sich und ihr Äußeres einbilden, geschniegelt tritt er auf, und natürlich potenziert Eitelkeit neben einem gewissen Ego ein gewisses Echo.
Es war also nicht allzu gewagt, die Netzgemeinde zu durchforsten und auf Ronaldo-Reaktionen zu spekulieren. Der 31-Jährige ist nämlich nicht nur ein schöner Mann, er kann auch entzückend schön leiden. Etwa bei einer vergebenen Torchance. Oder zwei. Oder drei. Oder hundert.
EM 2016
Tragischer Ronaldo-Abend: Portugal auch gegen Österreich sieglos
18/06/2016 UM 20:52
In der 85. Minute des EM-Gruppenspiels zwischen Portugal und Österreich war's soweit: Ronaldo kämpfte mit der Tränendrüse. Wirkte zumindest so. Es mutierte zur symptomatischen Pointe eines Arbeitstags, den Kommentatoren geflissentlich als "gebrauchten Abend" bezeichnen. Ronaldo verlängerte eine Flanke per Kopf ins Tor, endlich, 1:0, raus die Freude - und dann, so unbarmherzig wie korrekt: Abseits.

Cristiano Ronaldo verschießt Elfmeter - und bangt jetzt

Ein paar Zeigerumdrehungen später legte CR7 seinen Arm um einen bemitleidenswert ungeschickten, aber immerhin angezogenen "Flitzer", der sich nach Abpfiff auf den Rasen geschlichen hatte, um ein Foto mit seinem Idol zu knipsen. Das dauerte. Die Aufregung, klar. Ordner eilten schon herbei, pflichtschuldigst und strengen Blickes, doch Ronaldo zeigte Größe: Er schickte die Rechtepolizei weg und ließ sich ablichten. Der Flitzer war glücklich. Ronaldo war es nicht.
Es ging ungefähr alles daneben in diesem vermasselten Spiel, das die These widerlegte, dass man irgendwann belohnt wird, wenn man sich redlich genug anstrengt. Sechs Minuten vor dem Abseitstor stand Ronaldo am Elfmeterpunkt, verlud Österreichs famosen Keeper Robert Almer, sah den Schuss aufs linke Eck zischen und an den Pfosten klatschen.
So mussten sich die dominanten Portugiesen mit einem Remis begnügen, ein Witz eigentlich, und kritisch obendrein. Nach dem Auftakt-1:1 gegen Island zittern die Südeuropäer nun ums Weiterkommen. Zum sicheren Achtelfinale braucht's gegen Ungarn (vier Punkte) einen Sieg; Island (zwei) und Österreich (einer) haben ebenfalls Chancen.

Cristiano Ronaldo von Österreich-Fans geneckt

Hätte Ronaldo die gewohnte Abschlusssouveränität bewiesen, sähe es anders aus. Dabei war der Rahmen wie hergerichtet für den zur Selbstinszenierung neigenden Angreifer. Erst trug er Strumpfhose auf dem Weg zum Stadion, dort überholte er mit seinem 128. Länderspiel die Legende Luis Figo. Dieser beobachtete von der Tribüne des Pariser Prinzenparks, wie sein Nachfolger mit der Nummer sieben in fast abstruser Regelmäßigkeit am 59. Länderspieltreffer scheiterte.
Am Anfang verfehlten noch die Kollegen, Almer parierte gegen Nani (12.) und Vieirinha (13.), der Pfosten rettete Austria gegen Nani (29.). Es folgte Ronaldos Solo-Show, eine Seifenoper mit der vollen Klaviatur an Emotionen. Bei der Nationalhymne schleuderte er energetisch die Faust in die Luft, anschließend wanderten Stoßgebete gen Himmel. Linksschuss vom Elfmeterpunkt, vorbei (22.), Freistoß in die Mauer (49.), Linksschuss aus 20 Metern, toll gehalten von Almer (55.), Kopfball nach Ecke, erneut Almer (56.), Freistoß über die Latte (65.).
Elfmeter. Abseitstor. Flitzer-Foto.
Das war's. Nach zehn Schüssen, drei aufs Tor, vier geblockt, sechs von außerhalb und vier innerhalb des Strafraums, 52 Ballaktionen und 83 Prozent Passquote.
Ach so, nicht ganz. Schöne und erfolgreiche Männer besitzen ja viele Neider, Cristiano Ronaldo hat sich mit bemerkenswerter Ausdauer zu einer Figur erhoben, die gerne geneckt wird. Und so trällerten Österreichs Fans zwischendurch einen Dauer-Singsang. Er ging so: "Meeeeeessi, Meeeeeessi, Meeeeeessi."
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