"Diesmal," sagt der ehemalige Nationaltorhüter Jean-Marie Pfaff, "tippe ich: Wir kommen wie 1980 ins Endspiel gegen Deutschland - und dann gewinnt Belgien." Denn vor 35 Jahren siegte die DFB-Elf im EM-Finale in Rom 2:1, Pfaff stand damals im Tor der Belgier.
Optimismus und Selbstbewusstsein der Belgier sind nicht zuletzt seit dem Einzug ins Viertelfinale der WM in Brasilien immens gestiegen - unter anderem dank Wilmots. Der einstige Torjäger wird als Architekt einer neuen erfolgreichen Nationalmannschaft gefeiert. Belgien geht als Weltranglistenerster ins EM-Jahr.

Souveräne Qualifikation

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Wilmots' Arbeit weckte auch Begehrlichkeiten. Zeitweise schien fraglich, ob er in Frankreich auf der belgischen Bank sitzen wird. Denn Schalke 04 wollte sein ehemaliges "Kampfschwein" als Nachfolger des gescheiterten Roberto Di Matteo verpflichten. Schließlich entschied sich Königsblau für André Breitenreiter - zum Glück für die Belgier.
Zuversicht mit Blick auf das Turnier im Nachbarland machte unter anderem die Qualifikationsrunde, die Belgien souverän mit nur einer Niederlage in zehn Spielen als Gruppenerster abschloss. "Welch ein Luxus", schwärmte Pfaff schon bei der WM im vergangenen Jahr, "wir haben auf jeder Position vier gute Spieler. Und wenn man sieht, wo die überall spielen! In Spanien, in England, Italien. Es läuft in Belgien super. Wir sind auf dem Weg zu Erfolgen wie in den 80er Jahren."

Marc Wilmots und Kevin De Bruyne

Fotocredit: AFP

Galionsfigur des Teams ist Kevin De Bruyne. Der ehemalige Wolfsburger, einer der besten Fußballer des Kontinents, wechselte im August für sage und schreibe 75 Millionen Euro vom Pokalsieger und Vize-Meister VfL Wolfsburg zum englischen Titelträger Manchester City. Beim Lokalrivalen Manchester United spielt Marouane Fellani (32 Mio. Ablöse), beim FC Chelsea Eden Hazard (45 Mio.), und für Axel Witsel hat Zenit St. Petersburg 40 Millionen Euro ausgegeben.

Ein Team aus Stars

Simon Mignolet ist ein überragender Stammtorhüter beim FC Liverpool, Klub von Jürgen Klopp. Aber im Nationalteam ist Thibaut Courtois vom FC Chelsea die Nummer eins. Hinzu kommen das Sturm-Supertalent Romelu Lukaku (FC Everton, ausgeliehen vom FC Chelsea), Vincent Kompany, Abwehrchef und Kapitän von Manchester City, und auch Liverpools Christian Benteke.
"Wahrlich eine goldene Generation - Marc Wilmots hat großes Glück", sagte Pfaff. Wilmots, einst einer der Schalker "Eurofighter", ist in einer beneidenswerten Lage. Wo frühere Nationaltrainer verzweifelt nach fähigen Spielern suchten, muss Wilmots eine Fülle von Stars bei Laune halten.
Doch Wilmots sieht seine Mission über den Fußball hinaus. "Ich verteidige unsere belgische Flagge. Wir tragen die Farben eines Landes mit drei Amtssprachen, das kulturell interessant ist. All die Spieler, die im Ausland leben, kommen hier nicht des Geldes wegen zusammen, sondern weil sie Werte leben: Solidarität, Ehrlichkeit und Respekt."
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