Irgendwie haben die Spanier diesen Schock nach drei Turnier-Triumphen in Folge als Ausrutscher abgehakt und del Bosque tut größtenteils so, als sei er einfach gar nicht geschehen. Pep Guardiola glaubt jedenfalls weiter an seinen Kollegen. "Es gibt keinen besseren Trainer als Vicente Del Bosque für die Nationalmannschaft", sagte der Trainer von Bayern München: "Mit Vicente wird Spanien weiter auf hohem Niveau spielen."
Die Zeit seit der WM lieferte darüber kaum Aufschlüsse. Die Spanier qualifizierten sich mit neun Siegen in zehn Spielen locker für die EURO, allerdings auch in einer relativ leichten Gruppe, mit einer 1:2-Niederlage in der Slowakei und verloren zudem Länderspiele in den Niederlanden (0:2) und Frankreich (0:1) sowie gegen Deutschland (0:1). Die letzten sieben Spiele 2015 wurden wiederum alle gewonnen. In der FIFA-Weltrangliste waren die Iberer zeitweise bis auf Rang zwölf abgerutscht, aktuell sind sie wieder Dritter.

Stimmung in Spanien negativ

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Alles in allem ist Spanien trotz des Gewinns der letzten beiden Endrunden bei der nächsten in Frankreich nicht der große Favorit (als den hat del Bosque Gastgeber Frankreich auserkoren), sondern allenfalls die große Unbekannte. Die Stimmung in der Heimat ist allerdings eher negativ. Die Zeitung El Pais spottete gar, aus der Furia Roja, der roten Furie, sei die Furia Rota geworden, die kaputte Furie. Worauf del Bosque schimpfte: "Manche Medien stiften Hass. Das nervt mich und macht mich sauer."

Spanien besiegte die Slowakei, Andrés Iniesta traf

Fotocredit: AFP

Der Ex-Nationalspieler und Trainer-Routinier, dem 2011 von König Juan Carlos I. der Adelstitel Marqués verliehen wurde, setzt auf das Motto: Aus Erfahrung gut. Und so steht im Tor meist immer noch Iker Casillas (34), in der Abwehr Sergio Ramos (29) und Piqué (28), im Mittelfeld Cesc Fábregas (28) und Andres Iniesta (31).
Viele von ihnen befinden sich zwar im besten Fußballer-Alter und sind Helden der Generation "Europa-Welt-Europameister", doch viele Fans und Experten wünschen sich frischeres Blut. Auch von zwei Spielern von Bayern München. Doch Thiago konnte sich wegen zahlreicher Verletzungen noch nicht ins Team spielen, Juan Bernat ist derzeit außen vor.

Die jungen Wilden warten

Zurückgetreten sind nach der WM nur der inzwischen beim al-Sadd Sport Club spielende Xavi (35) und der für Melbourne FC in Australien stürmende David Villa (34). Letzterer fehlt jedoch sehr, weil der gebürtige Brasilianer Diego Costa (Chelsea) bisher allenfalls durch Undiszipliniertheiten auffiel und Fernando Torres - bei der letzten EM 2012 aufgrund von weniger Spielminuten Torschützenkönig vor Mario Gomez - bei Atlético Madrid nur Teilzeitarbeiter ist und von del Bosque seit der EM nicht mehr eingesetzt wurde.
So oder so beschwichtigt der Nationaltrainer. "Wir haben gute, junge Spieler, deshalb müssen wir für die Zukunft keine Sorgen machen", sagte er. Die Frage ist nur, wann er die jungen Wilden von der Leine lässt.
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