Aus Evian berichtet Dirk Adam
Dieser Manager steht über den Dingen. Als Oliver Bierhoff den Raum bei der DFB-Pressekonferenz betritt, hat man den Eindruck, dass er fast herein schwebt. Er strotzt vor Selbstbewusstsein. Spätestens nach dem Gewinn des Weltmeistertitels hat es Bierhoff allen Kritikern gezeigt.
Bierhoff war der Mann, der das Campo Bahia organisierte. Mit seiner Auswahl der Unterkunft versammelte er zu Beginn nicht nur Befürworter hinter sich. Aber das Campo war perfekter Rückzugsort und Brutstätte des Erfolgs - hier wurden die Spieler zu Weltmeistern geformt.
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Im Moment steht WM-Held Götze im Mittelpunkt: Nach dem Polen-Spiel (0:0) prasselte massive Kritik auf ihn ein. Nach einer mäßigen Vorstellung im ersten Gruppenspiel gegen die Ukraine überzeugte Götze gegen Polen nicht. Der Bayern-Star hatte gegen die baumlangen Verteidiger einen schweren Stand.
Aber Bierhoff verteidigt den 24-Jährigen:
Was Mario angeht, finde ich die Kritik nicht differenziert genug. Er übt eine Rolle, die nicht auf ihn zugeschneidert ist, sehr gut aus. Er versucht, seinen Körper einzusetzen und die Räume freizumachen.
Ob die Rückendeckung ausreicht, um Götze aus der Schusslinie zu nehmen, ist fraglich. Zu schlecht waren seine statistischen Werte. Ein Schuss aufs Tor, 39 Ballaktionen und 23 Pässe waren viel zu wenig. Selbst für Löw, der ihn in der 66. Minute für André Schürrle aus dem Spiel nahm.
Götze fand gegen Polen nicht statt. Dennoch sind seine Chancen gut, auch beim dritten Vorrundenspiel gegen Nordirland (Dienstag ab 18:00 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) erneut in der Startelf zu stehen. Denn Löw vertraut seiner Stammelf bei großen Turnieren. Überraschende Personal-Rochaden sind nicht das Ding des Bundestrainers.
Bierhoff erklärte:
Wenn wir insgesamt besser spielen, wird Götze auch wieder mehr glänzen können. Mir macht die Offensive nicht viele Sorgen, weil wir gute Alternativen haben.
Eine Option wäre Mario Gomez. Der Stürmer schoss in der türkischen Süper Lig 22 Tore und wurde mit Besiktas Meister. Bei dieser EM wechselte ihn Löw gegen Polen in der 72. Minute für den enttäuschenden Julian Draxler ein. Viel ausrichten konnte Gomez in der Offensive nicht mehr.
Bierhoff selbst kennt die Schwierigkeiten als Angreifer, wenn man im gegnerischen Strafraum keine Bälle zum Verwerten bekommt. Der 48-Jährige weiß aber auch, wie es sich anfühlt, wenn man trifft - wie beim EM-Finale 1996 gegen Tschechien, als Bierhoff (95.) das "Golden Goal" erzielte.
Deshalb fordert Bierhoff:
Wir wissen, dass wir uns nicht nur auf unsere technischen Qualitäten verlassen können. Wir brauchen mannschaftliche Geschlossenheit - und die haben wir.
Götze tun die Worte von Bierhoff gut, denn der Angreifer stand bereits beim FC Bayern unter Pep Guardiola unter Druck. Götze hatte beim Katalanen keine realistische Einsatzchance. Angeblich hat ihm Karl-Heinz Rummenigge sogar nahegelegt, den Rekordmeister im Sommer zu verlassen.
Um gute Karten bei Löw und Bayern zu haben, muss sich Götze steigern. Neben der Rückendeckung von Bierhoff könnte auch ein Buch helfen, das Götze gerade liest. Bei Snapchat veröffentlichte er ein Foto mit dem Cover: "Der Weg zum Glück". Das Buch wurde vom Dalai Lama geschrieben.
Der bislang noch torlose Angreifer kann sich an Bierhoff ein Beispiel nehmen. Während der WM-Qualifikation 1997 gegen Nordirland gelang Bierhoff der schnellste DFB-Hattrick, als er beim Stand von 0:1 in der 69. Minute eingewechselt wurde und binnen sechs Minuten drei Tore zum 3:1-Endstand erzielte.
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