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EM 2016

Müller im Interview: "Mit der Wahrheit kommt man nicht weit"

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Thomas Müller trägt gegen Italien die Kapitänsbinde

Fotocredit: Imago

VonDirk Adam
30/03/2016 Am 10:15 | Update 30/03/2016 Am 10:40
@dirk_adam

Premiere für den 70-maligen Nationalspieler gegen Italien. Zum ersten Mal trug Thomas Müller im DFB-Team die Kapitänsbinde. Nach dem 4:1-Sieg spricht der Mittelfeldspieler über diese Ehre und den gemeinsamen Torjubel mit Mario Götze, dem er nach seinem Treffer zum 2:0 ein paar lieb gemeinte Schellen verpasste. Außerdem äußert sich Müller über die weitere Zukunft seines Bayern-Kollegen.

Wie hat sich die Kapitänsbinde zum ersten Mal in der Nationalmannschaft angefühlt?

Thomas Müller: Gut, aber eigentlich war es nicht viel anders als sonst. Es ist natürlich schön, zum ersten Mal als Kapitän im eigenen Stadion aufzulaufen und das Spiel zu gewinnen. Aber der Sieg war eigentlich das Wichtigere gegen Italien. Ansonsten denke ich, dass ich mit den Jungs nicht viel anders gemacht habe.

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Aber es wirkte von außen, als ob Sie mit ihren Mitspielern noch mehr kommunizieren würden.

Müller: Nein, das glaube ich nicht. Wenn man sich das England-Spiel anschaut, dann sieht man, dass ich auch viel mit den Händen und mit dem Mund gearbeitet habe. Auch da habe ich versucht, viel auf meine Mitspieler einzuwirken. Das ist aus meiner Sicht nichts Neues.

Wie wichtig war dieser Sieg gerade nach der Niederlage gegen England?

Müller: Natürlich wollten wir nicht verlieren. Dementsprechend haben wir gegen Italien gezeigt, was wir können. Aber als es 2:0 stand, hatte man schon den Gedanken ans Spiel am Samstag gegen England. Wir wollten gewinnen, gerade wenn man 2:0 führt. Das ist einfach schön, dass sich die Mannschaft für den Aufwand belohnt hat. Jetzt können wir ohne viel Druck von außen in Richtung EM-Trainingslager gehen und uns das erarbeiten, was wir in Frankreich brauchen.

Wenn das Spiel am Samstag gegen England "Testspiel-Modus" war, was war das Spiel gegen Italien?

Müller: Dazu wollte ich sowieso noch was sagen. Ich habe nach meinen Aussagen gemerkt, dass man mit der Wahrheit in Deutschland nicht weit kommt. Deshalb werde ich mich in Zukunft wieder etwas zurückhalten, was solche Aussagen betrifft. Ich werde mir eine kleine Notlüge ausdenken, vielleicht läuft es dann besser für mich.

Thomas Müller und Mario Götze beim 4:1-Sieg gegen Italien

Fotocredit: Imago

Was war die wichtigste Erkenntnis aus dem Spiel gegen Italien?

Müller: Wie gesagt, wir wollten gewinnen. Man hat gesehen, dass wir gierig waren. Wir haben seit September gesehen, dass noch nicht alles 100 Prozent geklappt hat. Aber gegen die Italiener, gegen die wir gefühlt seit 40 Jahren nicht gewonnen hatten, haben wir ganz ordentlich gespielt.

Können Sie uns noch verraten, was es mit dem gemeinsamen Torjubel mit Mario Götze auf sich hat?

Müller: Er lag da und dann habe ich ihn mir einfach geschnappt.

Welche Last ist Götze von den Schultern gefallen, nachdem er endlich getroffen hat?

Müller: Na klar fällt da eine Menge ab, denn er hat in den letzten Wochen genug zu lesen bekommen. Wenn Du dann ein Tor machst, kann ich mir schon vorstellen, dass dann ein paar Emotionen freigesetzt werden.

Hat sein Treffer eine Bedeutung im Hinblick auf den FC Bayern?

Müller: Die Nationalmannschaft und Bayern sind zwei unterschiedliche Paar Stiefel, aber Mario tut's gut. Er ist ein guter Spieler, das ist überhaupt keine Frage. Aber wie's bei Bayern weitergeht, das werden wir sehen. In München haben wir sehr viel Konkurrenz auf den vorderen Positionen. Das heißt aber nicht, dass es mit Mario Götze nicht funktioniert. Er wird bei Bayern sicherlich noch viele Minuten spielen in den nächsten Wochen. Aber der Trainer muss die Entscheidung treffen und es gibt immer Diskussionen, egal wer draußen sitzt.

Haben Sie mit Götze über seine Zukunft beim FC Bayern gesprochen?

Müller: Natürlich. Er ist positiv und lässt sich nicht unterkriegen. Wir wissen, was wir an ihm haben. Er ist ein guter Junge.

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