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Deutschlands EM-Gruppe ist gar nicht mal so tödlich - und hat einen großen Vorteil

Deutschlands EM-Gruppe ist gar nicht mal so tödlich - und hat einen großen Vorteil

02/12/2019 um 11:29Aktualisiert 02/12/2019 um 12:09

Deutschland trifft in der Gruppenphase der EM 2020 auf Frankreich und Portugal - die großen Titelgewinner der letzten Jahre sind also unter sich. Joshua Kimmich kritisiert das undurchsichtige Auslosungsprozedere, das zur "Todesgruppe" führte. Ganz so tödlich ist die Gruppe F der EURO 2020 bei genauerem Hinsehen aber gar nicht - und birgt auch einen großen Vorteil für das Team von Joachim Löw.

"Todesgruppe" nennt man eine solche Konstellation hierzulande gerne. Bundestrainer Joachim Löw gefroren bei der Auslosung in Bukarest auch sichtlich die Gesichtszüge, ehe er doch auch ein bisschen lachen musste. Später drohte er Philipp Lahm, der Portugal zu Deutschland gelost hatte, scherzend die Entlassung an.

Video - Löw foppt Lahm wegen Hammergruppe: "Man müsste ihn eigentlich entlassen..."

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Deutschland hat den Heimvorteil

Ganz so verheerend, wie man zunächst denken konnte, ist die Gruppenkonstellation für die Deutschen aber nicht. Selbst wenn mit Island noch ein potenter Playoff-Sieger dazukäme.

Denn denkt man das Turnier mal von der anderen Seite her, kann sich das DFB-Team in der Gruppenphase eine hervorragende Ausgangsposition für die K.o.-Phase erarbeiten - und damit den Grundstein für eine erfolgreiche EM legen.

Den eins darf man nicht außer Acht lassen: den Heimvorteil. Deutschland spielt schließlich in München gegen alle drei Gegner, hat zudem keinen Reisestress. Portugal spielt beispielsweise im Drei-Tages-Rhythmus Budapest-München-Budapest.

Gruppensieg = leichter K.o.-Weg?

Das DFB-Team sollte also, trotz der starken Gegner, ganz selbstbewusst den Gruppensieg anpeilen - was der Löw-Mannschaft eine glänzende Ausgangsposition für den weiteren Turnierverlauf verschaffen würde.

Im Achtelfinale trifft der Sieger der Gruppe F nämlich in Bukarest auf einen der vier besten Gruppendritten und zwar auf einen aus der Gruppe A, B oder C. Türkei, Wales, Russland oder Österreich wäre diese Gruppen-Platzierung zuzutrauen - alles machbare Aufgaben.

Im unangenehmsten Fall droht ein "Auswärtsspiel" gegen Rumänien - dafür müssten sich die Rumänen aber erstmal in den Playoffs A in zwei Auswärtsspielen (zunächst in Island) durchsetzen und dann in C auch wirklich Gruppendritter werden.

Deutschland könnte England lange aus dem Weg gehen

In der Folge ließe es sich auch optimistisch aufs Viertelfinale blicken. Dort träfe man in Sankt Petersburg auf den Sieger des Duells zweier Gruppenzweiter (D/E).

Geht man davon aus, dass sich England und Spanien in diesen Gruppen als Erster durchsetzen, sind Kroatien oder Polen mögliche DFB-Gegner in der Runde der letzten Acht - ebenfalls machbar.

Fürs Halbfinale, dann wie das Endspiel in London ausgetragen, wäre man so ebenfalls England aus dem Weg gegangen. Wahrscheinlichste Gegner wären hier: Italien oder Belgien. Und das Finale nicht mehr weit.

Sicherheitsnetz Gruppendritter

Doch selbst wenn Deutschland die Gruppe F nicht als Sieger abschließen könnte, gibt der EM-Modus mit 24 Mannschaften ein Sicherheitsnetz her.

So kommen nach der Vorrunde bekanntlich auch die vier besten der sechs Gruppendritten ins Achtelfinale. 2016, bei der EM-Premiere mit 24 Mannschaften, reichten dazu drei Punkte - also ein einziger Sieg - mit einem insgesamt ausgeglichenem Torverhältnis.

Bei der WM 1990, der letzten Weltmeisterschaft mit 24 Teams, hatten umgerechnet vier Punkte und ein Torverhältnis von minus eins zum Achtelfinale genügt.

Kimmich und Goretzka optimistisch

Dann allerdings hätte Deutschland in der K.o.-Phase höchstwahrscheinlich auch einen härteren Weg vor sich. Das Achtelfinale ist aber sowohl für Deutschland, als auch für Frankreich und Portugal zu erreichen.

"Ich gehe davon aus, dass wir auch in dieser Gruppe sehr, sehr gute Chancen haben, weiterzukommen", schloss Kimmich entsprechend am Samstagabend.

"Wir werden das schon irgendwie schaukeln. Wenn du große Ziele hast, musst du im Endeffekt früher oder später die großen Nationen schlagen", sagte Goretzka optimistisch und ergänzte im Rückblick auf die WM 2018:

"In der Gruppe ist das jetzt natürlich eine spezielle Situation, aber wir werden dadurch nicht das Problem haben, dass wir den Gegner unterschätzen werden."

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