Roberto Mancini lachte herzhaft. Die Frage nach der Favoritenrolle bei dieser EM hatte der italienische Trainer nach dieser "magischen Nacht" offensichtlich erwartet. Aber Mancini ließ sich trotz eines historischen Erfolges und eines Traumstarts seiner beeindruckenden Squadra Azzurra nicht aus der Reserve locken.
"Wir haben noch sechs Spiele vor uns. Es ist ein langer Weg, es gibt andere starke Mannschaften", sagte der 56-Jährige nach dem furiosen 3:0 (0:0) zum EM-Auftakt gegen die Türkei betont locker. Aber natürlich: "Wir haben einen sehr guten Start hingelegt. Wir sind stolz und froh, dass wir allen Italienern ein Lächeln geschenkt haben. Es war ein wundervoller Abend."
Ein Abend im Stadio Olimpico, der drei Jahre nach der "Apokalypse" der Azzurri die grenzenlose Euphorie und den unbedingten Glauben an den ersten EM-Titel seit 1968 endgültig zurück brachte. "Was für eine Show! So wollen wir Italien sehen: schön und erfolgreich", titelte "Tuttosport".
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Es sei "die magische Nacht" gewesen, "auf die wir seit einem ganzen Leben gehofft hatten", schrieb die "Gazzetta dello Sport" nach einem "prunkvollen" EM-Start voller Pathos. Das Eigentor zur Führung durch Merih Demiral (53.) sei, so der "Corriere della Sera", "der Funke" gewesen, "der den Orkan der Azzurri in Bewegung setzte" - und der die völlig überforderten Türken schließlich aus dem Stadion fegte: "Die Party kann beginnen."

Bonucci warnt: War nur "die erste Etappe einer langen Reise"

Sie hat bereits begonnen. Dennoch warnte auch Routinier Leonardo Bonucci im kollektiven Jubel vor allzu viel Übermut. Dies sei nur "die erste Etappe einer langen Reise" gewesen. "Wir müssen mit Bodenständigkeit und großer Demut weitermachen."
Doch Träume sind durchaus erlaubt. "Wir sind uns bewusst, dass wir mit dem, was wir gezeigt haben, mit jeder Mannschaft konkurrieren können", sagte der Juve-Verteidiger selbstbewusst und forderte vor den Spielen am Mittwoch gegen die Schweiz und zum Abschluss gegen Wales "ein Herz voller Leidenschaft". Dies scheint garantiert. Für den Ex-Dortmunder Ciro Immobile sind die Gruppenspiele in Rom "Adrenalin pur".
Die Türkei musste das leidvoll erfahren. Immobile (66.) und Lorenzo Insigne (79.) sorgten schließlich dafür, dass Italien im 39. EM-Spiel erstmals mehr als zwei Tore erzielte.

Italien seit September 2018 ungeschlagen

Doch damit nicht genug: Die Squadra Azzurra setzte auch ihre Monster-Serie unter Mancini fort. Seit September 2018 ist Italien in 28 Spielen unbesiegt, zudem gelang nun bereits der neunte Sieg in Folge ohne Gegentor. Dabei hatten die Azzurri die WM 2018 noch sensationell verpasst.
Endgültig vergessen. Mancini wird schon jetzt auf eine Stufe mit den Trainer-Legenden Vittorio Pozzo (1934 und 1938), Enzo Bearzot (1982) und Marcello Lippi (2006) gehoben, die Italien jeweils zum WM-Triumph geführt hatten. "Er hat unseren Fußball revolutioniert, jeder Ball zählt", würdigte "La Repubblica" die Arbeit des "Maestro". Niemand, so das Blatt weiter, "spielt wie Italien. Eine Mannschaft, die einfach immer angreift. Der Weg nach Wembley hat genau so begonnen, wie wir es uns erhofft hatten."
Auch für Leonardo Spinazzola, von der UEFA zum Spieler der Partie gekürt, wäre der Trip der Italiener zum (Halb-)Finale in London längst keine Überraschung mehr. "Wir haben eine unglaubliche Mischung aus Qualität, Technik und Kraft und wir haben eine große Vielfalt", betonte er. Und was sagt Mancini? "Wir können uns noch weiter verbessern, wir haben ein junges Team." Es klang wie eine Drohung.

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(SID)

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