So lief das Spiel:

Nach bereits zwei Minuten wurde das Team von Luís Castro seiner Favoritenrolle gerecht. Donezk-Torjäger Moraes, der in allen Wettbewerben zusammen in dieser Spielzeit schon 24 Treffer erzielen konnte, hielt nach einer Ecke von Marlos den Kopf rein und traf zum frühzeitigen 1:0. FCB-Schlussmann Nikolic sah beim Treffer alles andere als gut aus, da Moraes seinem Klärungsversuch zuvor kam.

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26/08/2020 AM 19:23

Basel suchte daraufhin die prompte Antwort, jedoch verfehlte erst Torjäger Cabral mit einem Flugkopfball knapp das Tor und zehn Minuten später vergab Flügelspieler Pululu dann aus spitzem Winkel.

Donezk hatte zu diesem Zeitpunkt zwar mehr vom Spiel, wirkte aber dennoch verwundbar. Je länger das Spiel allerdings dauerte, desto sicherer wurde auch das mit Brasilianern gespickte Team aus der Ukraine.

So war es natürlich erneut eine südamerikanische Co-Produktion über Marlos und Taison, die zum 2:0 führte. Basel-Akteur Fabian Frei hatte den Distanzschuss von Taison zu allem Überfluss auch noch unhaltbar für Keeper Nikolic abgefälscht. Donezk domininierte die Partie von da an nach Belieben und hätte - nicht nur aufgrund des Alu-Treffers von Marcos Antonio - noch vor der Pause erhöhen können bzw. müssen.

Umso verwunderlicher war es, dass Basel-Coach Marcel Koller keine Wechsel in der Pause vornahm. Trotz des identischen Personals steigerten sich die Schweizer im zweiten Durchgang und wären nach einer strittigen Szene im Strafraum fast zu einem Strafstoß gekommen. Schiedsrichter Michael Oliver entschied nach dem Kontakt von Dodo und Pululu jedoch auf Ecke statt Elfmeter - dabei blieb es auch nach Eingreifen des Video-Assistenten.

Aufgrund der fehlenden Tore griff Koller nach 73 Minuten zur Maßnahme eines Dreier-Wechsels. Statt frischem Wind für Basel fiel jedoch das 3:0 für Donezk. Nachdem Marchand Taison im Strafraum zu Fall gebracht hatte, verwandelte Alan Patrick den fälligen Strafstoß und machte damit den Sack zu. In den Schlussminuten traf Dodo zum 4:0, kurz darauf erzielte Ricky van Wolfswinkel den Ehrentreffer für die unterlegenen Eidgenossen. Zu diesem Zeitpunkt war das Spiel allerdings schon längst entschieden.

Die Stimmen:

Silvan Widmer (FC Basel): "Das frühe Gegentor war natürlich sehr hart für uns. Schachtjor hat tolle Spieler, die besonders gut sind, wenn sie Platz haben. Nach dem Treffer mussten wir offensiver werden und je länger das Spiel wurde, desto müder wurden wir. Ein Team wie Basel hat gegen größere Mannschaften nur eine Chance, wenn jeder über sich hinaus wächst. Dies war heute leider nicht der Fall."

Luis Castro (Trainer Schachtjor Donezk): "Wir haben heute gegen einen unangenehmen Gegner gespielt und haben es fantastisch gemacht. Wir haben uns gut vorbereitet, da unser Ziel das Halbfinale war. Wir hatten ein paar echt gute Momente und verdient gewonnen."

Der Tweet zum Spiel:

Das Team aus der Ukraine zeigte sich angetan vom Austragungsort Gelsenkirchen. Na logo, schließlich ist Donezk wie auch Gelsenkirchen eine Stadt, die vom Bergbau geprägt ist. Der Schalker "Schacht“, so nennt sich der Einlauftunnel der Veltins-Arena, dürfte daher fast Heimatgefühle bei den Osteuropäern geweckt haben.

Das fiel auf: Brasilianische Ballkünstler lassen Ball und Gegner laufen

Wie schon gegen den VfL Wolfsburg zogen die Ukrainer ihr gefürchtetes, schnelles Passspiel auf und wurden mit zunehmender Spieldauer immer sicherer in ihren Kombinationen. Dies hatte zur Folge, dass Basel ab der 15. Minute eigentlich nur noch hinterherlief. Neben den sehenswerten Ballstafetten sorgten Tempo-Läufe von Taison, Marlos und Außenverteidiger Dodo - der kurz vor Schluss noch als Torschütze in Erscheinung trat - immer wieder für Unruhe auf den Flügeln.

Spielmacher Alan Patrick verteilte die Bälle immer wieder gut aus dem Zentrum heraus und wurde auf den Sechser-Positionen von Marcos Antonio, der u.a. das Torgestänge traf, und Stepanenko abgesichert. Diese Ausgeglichenheit und die damit verbundenen Unberechenbarkeit machen Schachtjor Donezk zu einem ernstzunehmenden Anwärter auf den Europa-League-Sieg.

Die Statistik: 4

Ganze vier Gegentreffer hatte der FC Basel bis zum heutigen Viertelfinale gegen Donezk in den zehn vorhergegangenen Europa-League-Partien kassiert. Junior Moraes knackte das Schweizer Bollwerk heute bereits nach zwei Spielminuten. Taison, Alan Patrick und Dodo ließen drei weitere Treffer folgen. Somit schied der FC Basel nicht nur im Viertelfinale aus, sondern musste in 90 Minuten gegen Donezk so viele Gegentore hinnehmen, wie zuvor in knapp 900 Spielminuten zusammen.

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