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Warum Rummenigge Kovac permanent Druck macht - das sagen Experten

Warum Rummenigge Kovac permanent Druck macht - das sagen Experten

07/08/2019 um 19:02Aktualisiert 08/08/2019 um 09:22

Niko Kovac hat es beim FC Bayern nicht leicht unter Karl-Heinz Rummenigge. Im Kampf um Leroy Sané kassierte Kovac neulich erneut einen verbalen Seitenhieb. Warum stellt der Boss seinen Trainer nur immer wieder bloß? Eurosport.de hat mit Experten über das Verhältnis zwischen Vorstandsboss und Trainer gesprochen, die erklären, welchen Antrieb Rummenigge wirklich hat und welche Ziele er verfolgt.

Die neue Saison hat noch nicht mal angefangen, schon hat sich beim FC Bayern München wieder ein klubinternes Spannungsfeld aufgetan.

Rummenigge gegen Kovac. Der Vorstandsvorsitzende gegen den unerfahrenen Trainer, seinen wohl wichtigsten leitenden Angestellten: Es ist die Geschichte von maximalem Erfolgsstreben, permanentem Druck und der Gefahr, daran zu zerbröseln. Karl-Heinz Rummenigge ist offenbar gewillt, sie bis zum letzten Kapitel durchzudiktieren.

Rummenigges Masterplan ist der Champions-League-Sieg

Der Vorstandsboss scheidet Ende 2021 aus seinem Amt aus. Es soll ein ruhmreicher Abgang werden zum Ende einer 30-jährigen Managementkarriere. Zu diesem Zweck hat er seine Führungsstruktur auf ein ganz bestimmtes Ziel aufgerichtet - meinen zumindest Experten, die Rummenigges Führungsstil auch aus der Ferne beurteilen können.

"Um Spitzenleistungen erbringen zu können, brauchen Sie eine außergewöhnliche Spannung und außergewöhnlichen Antrieb", sagt Boris Grundl, Experte für Leadership, Management-Trainer, Speaker und Führungsexperte.

"Menschen, die Verantwortung tragen, zeichnen sich dadurch aus, dass sie in dieser Hinsicht ungnädiger und unbequemer sind", weiß Grundl, der europaweit Vorträge zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung, Selbstverantwortung und Mitarbeiterführung hält.

Rummenigge weist Kovac öffentlich zurecht

Attribute, die zu Rummenigges Auftreten in letzter Zeit passen. Erst neulich kam sie wieder zum Vorschein, bei der Sache mit Sané. Ihm habe Kovac' Aussage zu diesem Thema "nicht gefallen. Daraus mache ich keinen Hehl", tadelte der Bayern-Boss im "ZDF". Es war ein öffentliches Zurechtstutzen.

Kovac hatte zuvor bekundet, er gehe davon aus, "dass wir ihn (Sané; d. Red.) bekommen können".

Aussagen, die offenbar einem großen Ziel untergeordnet sind. "Ich nehme Rummenigge so wahr, dass er von einer Krönungsfantasie getrieben ist", sagt Christian Ernst, Professor für Personalmanagement an der Technischen Hochschule Köln:

"Er will unbedingt noch einmal die Champions League gewinnen."

Soll heißen: Das ist der Masterplan, dem sich alle anzuschließen haben, die beim FC Bayern in der Verantwortung stehen. Allen voran: Niko Kovac. Er ist derjenige, der die sportlichen Voraussetzungen schaffen soll, damit Rummenigge auf dem Höhepunkt abtreten kann. Die Medizin, die der Trainer dafür verabreicht bekommt, nennt sich Dauerdruck.

Will Rummenigge Kovac formen?

Rummenigge war dabei nicht der einzige Bayern-Verantwortliche, nach dessen Empfinden sich Kovac an dieser Stelle zu sehr ins operative Geschäft eingemischt und dabei zu allem Überfluss auch noch Verhandlungspartner Manchester City verärgert hatte.

Sportdirektor Hasan Salihamidzic empfand "einige Aussagen" von Kovac als "nicht gut". Zur Räson brachte den Trainer aber Rummenigges Auftritt vor laufender Kamera.

Die Reaktion des Klubbosses, davon geht Führungsfachmann Grundl aus, war pures Kalkül. Die Botschaft dahinter: Besinne dich auf deinen Job. "Man kann jemanden in der Öffentlichkeit total zerlegen und trotzdem hinter ihm stehen", sagt Grundl. "Bei allen Äußerungen Rummenigges geht es nur um die Personalie Kovac. Er will ihn am oberen Limit haben. Er will, dass er den Sprung macht. Schauen Sie sich an, welche Spannung Guardiola und Klopp haben. Dieses Feuer, diesen Spirit, da ist Kovac noch nicht."

Der professionelle Fußball lebt vom Vergleich mit den Besten. Das gilt erst recht für Trainer. Seitdem Kovac den FC Bayern übernommen hat, wird er an namhaften Branchenkollegen gemessen - nicht nur an Vor-Vor-Vorgänger Guardiola oder Champions-League-Sieger Klopp, auch an Thomas Tuchel, den Rummenigge wohl viel lieber als Kovac verpflichtet hätte.

Kovac benötigt Titel

Rummenigge trage einfach "eine starke Erfolgsemotionalität in sich. Kovac bekommt deshalb unheimlichen Druck von ihm", sagt Professor Ernst. Nicht ohne Risiken. "Die Gefahr ist, dass er an der permanenten Drucksituation auch scheitern könnte."

Genau das mache die Beziehung der beiden so konfliktträchtig: Im Streben nach maximalem Erfolg nehmen Macher wie Rummenigge bewusst in Kauf, dass ihre Untergebenen dabei auf der Strecke bleiben.

"Bei Bayern ist es so: Wenn die Verantwortlichen nicht mehr glauben, dass Erfolg kommt, müssen Leute gehen. Das ist völlig normal in einer solchen Organisation", sagt Grundl. Denn: "Bei Erfolgsmenschen steht immer eine Sense nebenan."

Niko Kovac ist also gut beraten, dem Double weitere Titel folgen zu lassen. Denn das wird der einzige Weg sein, Rummenigge milde zu stimmen.

Video - Sané-Dementi und Rummenigge-Rüffel: So reagieren die Bayern

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