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Leroy Sané nicht zur WM 2018: 5 Gründe für Löws Entscheidung

5 Gründe: Darum fährt Sané nicht zur WM

05/06/2018 um 07:52Aktualisiert 05/06/2018 um 16:03

Bundestrainer Joachim Löw streicht Leroy Sané aus dem endgültigen WM-Kader, obwohl er in der Premier League unter Pep Guardiola eine bärenstarke Saison bei Manchester City spielte. Viele Experten kritisieren Löws Entscheidung, den Tempodribbler zuhause zu lassen. Eurosport erklärt, warum Löw auf das womöglich größte Talent in seinem Kader verzichtet.

Leroy Sané dürfte aus allen himmelblauen Wolken gefallen sein. Am Montagvormittag erklärte der Bundestrainer ihm und drei weiteren Spielern im Teamhotel in Eppan, dass sie nicht bei der WM in Russland dabei sein werden. "Die Enttäuschung bei den Betroffenen war sehr, sehr groß. Die Entscheidung war wahnsinnig knapp", erklärte Joachim Löw.

Sané schien seinen Platz im WM-Kader sicher zu haben, nachdem er unter Pep Guardiola eine Fabel-Saison in der Premier League hingelegt hatte. Europaweit bereitete lediglich ManCity-Teamkollege Kevin De Bruyne mehr Tore vor als der ehemalige Schalker.

Eurosport.de erklärt, warum Löw dennoch auf Sané verzichtet:

1) Schwache Leistungen im DFB-Trikot

Wichtigster Punkt zuerst. Leroy Sané hat zwar eine überragende Saison als Stammspieler bei Manchester City (10 Tore, 15 Assists) gespielt und wurde sogar zum besten jungen Spieler (PFA Young Player of the Year) in der englischen Liga gewählt. Im Team des Weltmeisters konnte der 22-Jährige aber bislang nicht überzeugen.

In elf Länderspielen erzielte er keinen einzigen Treffer. Nur eine Torvorlage beim 5:1-Sieg in der WM-Qualifikation gegen Aserbaidschan steht zu Buche. Zu wenig, wenn man seine Leistungen in der Premier League denen in der Nationalmannschaft gegenüberstellt. Die Chance, Löw beim letzten Test gegen Österreich zu überzeugen, nutzte Sané nicht.

War er sich zu sicher, dass er ohnehin zum WM-Aufgebot zählt?

Leroy Sané (Deutschland)

Leroy Sané (Deutschland)Getty Images

2) Confed-Cup-Absage

Hinter den Kulissen wird gemunkelt, dass die Confed-Cup-Absage Sanés einen Teil zur Entscheidung von Löw beigetragen hat.

Der Flügelspieler entschied sich im vergangenen Jahr für eine Nasen-Operation, und damit in Löws Augen gegen die Nationalmannschaft, obwohl der Eingriff nicht zeitkritisch war.

Damals sagte Sané:

"Ich wäre gern in Russland dabei gewesen. Nun habe ich mich in Rücksprache mit den Ärzten entschieden, die Sommerpause für diesen Eingriff zu nutzen, um danach beschwerdefrei in die neue Saison zu starten."

Für Sané war es offenbar wichtiger, dass er seinem Trainer Guardiola wieder 100 Prozent zur Verfügung steht, anstatt dem Ruf des Bundestrainers zu folgen.

Löw hat diese Absage sicherlich nicht vergessen - und vielleicht in seine Entscheidung mit einbezogen.

3) Brandt punktet beim Bundestrainer

Während Sanés Stimmung am Boden sein dürfte, wird Julian Brandt erleichtert aufatmen. Nachdem er vor der EM 2016 noch in letzter Minute gestrichen worden war, überstand der Leverkusener nun den Cut.

Aufgrund der großen Konkurrenz im Mittelfeld galt der 22-Jährige als einer der ersten Streichkandidaten. Doch Brandt konnte Löw überzeugen.

Julian Brandt

Julian Brandt Getty Images

Nach der Nominierung stellte Löw klar:

"Es war eine sehr knappe Entscheidung zwischen Leroy Sané und Julian Brandt, beide haben große Qualitäten, beide sind dribbelstark. Julian Brandt war beim Confed Cup dabei, hatte da gute Einsätze, hat auch hier im Trainingslager gut gearbeitet. "

Offenbar besser als ein Kontrahent Sané.

4) Löw will jede Position doppelt besetzen

Warum hat's Sané erwischt - und keine anderen Spieler wie Sebastian Rudy oder Marvin Plattenhardt? Einfache Erklärung: Löw will alle Positionen doppelt besetzt haben. Plattenhardt ist der Backup für Jonas Hector auf der linken Abwehrseite, Sebastian Rudy kann auf mehreren Positionen spielen.

Bereits nach dem Länderspiel im März gegen Spanien (1:1) ließ sich Löw tief in die Karten blicken:

"Links haben wir mit Jonas Hector und Marvin Plattenhardt zwei Spieler. Mit Hectors Entwicklung bin ich sehr zufrieden und auch Plattenhardt hat gute Spiele gemacht. Und wenn ich mir jetzt überlegen muss, dass ich jede Position doppelt besetzen muss, sind das die ersten Kandidaten."

Aus Löws Sicht führte an einer Nominierung von Rudy und Plattenhardt kein Weg vorbei. Genauso wenig wie bei Matthias Ginter, der hinten flexibel einsetzbar ist.

Offenbar ist die Sorge bei Löw zu groß, dass sich einer seiner Defensivspieler bei der WM verletzt. Zumal Jérôme Boateng nach seiner Adduktorenverletzung weiter um sein Comeback kämpft.

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5) Denkzettel vom Bundestrainer?

Womöglich will Löw Sané mit seiner konsequenten Entscheidung einen Denkzettel verpassen. Der Youngster mit den herausragenden Anlagen soll weiter an seiner Einstellung und seinem Auftreten im Kreis der Nationalmannschaft arbeiten.

Nach dem Spiel gegen Brasilien (0:1) im März hatte es bereits einen Warnschuss des Bundestrainers gegeben:

"Das ist ein junger Spieler, der vielleicht nicht ganz so schnell in die Höhe schießt, wie das manche denken."

Im Herbst wird Sané ins Team zurückkehren, das hat Löw bereits angekündigt. Der Bundestrainer erwartet dann sicherlich eine Reaktion.

Man darf gespannt sein, wie diese ausfallen wird.

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