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Auftrag erfüllt: Präsident Putin bedankt sich bei Tschertschessow

Tschertschessow erfüllt ersten Auftrag: Telefon, Putin ist dran!
Von Eurosport

14/06/2018 um 22:23Aktualisiert 14/06/2018 um 23:20

Gastgeber Russland legt bei der WM einen Traumstart hin. Nationaltrainer Stanislaw Tschertschessow zeigt sich überrascht über die Höhe des Erfolgs gegen Saudi-Arabien (5:0), den höchsten bei einem offiziellen WM-Eröffnungsspiel. Zur Belohnung gab's einen Anruf von Präsident Wladimir Putin, der das Spiel genüsslich im Luschniki-Stadion verfolgte. Nur der Zeitpunkt des Anrufs war etwas ungewöhnlich.

Von wegen Kanonenfutter bei der WM. Dem zuvor stark kritisierten Gastgeber Russland ist ein perfekter Start in die WM gelungen. Das 5:0 gegen überforderte Saudis freute auch Wladimir Putin.

Als Stanislaw Tschertschessow gerade auf der Pressekonferenz mit strahlenden Augen über den Auftaktsieg dozierte, vibrierte sein Handy auf dem Tisch vor ihm. Er schaute kurz auf die Nummer und bat die anwesenden Journalisten um eine kleine Unterbrechung, denn am anderen Ende der Leitung war kein Geringerer als Russlands Staatspräsident.

Anruf von Präsident Putin

Putin wollte Tschertschessow persönlich gratulieren, der mit Russlands erstem Sieg bei dieser WM ein ganzes Land in Euphorie versetzte.

Der russische Coach erklärte:

"Das war der Präsident."

Kurz danach ging es weiter. Tschertschessow führte seine Erklärungen fort, wobei er etwas überrascht über die Höhe des Sieges wirkte.

"Ein 5:0 habe ich mir nicht erträumt. Es ist ein bisschen hoch vielleicht. Aber ich weiß, was die Mannschaft kann. Wir haben uns sehr gut vorbereitet. Wichtig ist, dass die Begeisterung im ersten Spiel im Land da ist."

Mit dem triumphalen Auftaktsieg kippt die lange miserable Stimmung in Russland schlagartig und lässt die Fans in der lösbaren Gruppe A mit Ägypten und Uruguay auf einen Achtelfinal-Einzug hoffen. Das 5:0 (2:0) der zuvor so arg gescholtenen Gastgeber gegen Saudi-Arabien war der höchste Sieg in einem offiziellen WM-Eröffnungsspiel.

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Tschertschessow, der die Mannschaft 2016 übernommen hatte, gelang zum richtigen Zeitpunkt ein Befreiungsschlag, nachdem er das Team in den vergangenen beiden Jahren verjüngt hatte. Mit Erfolg, denn seine Spieler zahlen ihm die harte Arbeit in der WM-Vorbereitung und die schrittweise Neuausrichtung zurück.

Zwar war Russland der Druck zunächst deutlich anzumerken, doch Juri Gasinski (12.) sorgte schon früh für die Befreiung. Die Joker Denis Tscheryschew (43./90.+1) und Artem Dschjuba (71.) sowie Alexander Golowin (90.+4) bescherten der Nummer 70 der FIFA-Weltrangliste den ersten Erfolg bei einer Endrunde seit dem 2:0 gegen Tunesien 2002.

Tschertschessow warnt aber vor zu viel Euphorie:

"Wenn ich aber jetzt anfange zu träumen, dann vergesse ich, meinen Job zu machen. Es ist ein Turnier. Es endet nicht mit diesem Spiel."

Ex-Bundesligatorwart Tschertschessow, einst absoluter Publikumsliebling bei Dynamo Dresden (1993 bis 1995), war nach dem Abpfiff beim Jubeln völlig aus sich herausgegangen. Die fünf Tore seiner Mannschaft ließen nicht nur bei ihm alle Dämme brechen. Zuvor schwappte bereits eine Laola-Welle durchs Luschniki-Stadion.

Tschertschessow: "Ägypten ein anderes Kaliber"

Wie Tschertschessow bereits vor dem Spiel verriet, zählt Joachim Löw zu seinen großen Vorbildern, mit dem er als Torwart im Jahr 2002 österreichischer Meister beim FC Tirol Innsbruck wurde. Selbst heute, wenn sich beide treffen, siezt Tschertschessow den Bundestrainer noch. Zu groß ist der Respekt gegenüber seinem ehemaligen Coach.

In einem Interview mit der "Berliner Morgenpost" sagte der Russe vor dem Spiel:

"Ich hatte immer ziemlich viel Respekt vor Herrn Löw. Zwar sind wir heute Kollegen, aber wissen Sie: Wenn jemand einmal mein Trainer war, dann bleibt er das für mich irgendwie immer. Er war fachlich und sozial damals schon herausragend. Er konnte Menschen unheimlich gut führen."

Durch die Gruppenkonstellation könnte Russland frühestens im Halbfinale auf Deutschland treffen. Jetzt heißt der nächste Gegner erst einmal Ägypten (19. Juni/21:00 Uhr) - ein anderes Kaliber als Saudi-Arabien.

Das weiß auch Tschertschessow:

"Ägypten wird ein anderes Spiel, in einer anderen Stadt, in einem anderen Stadion. Wir müssen uns akribisch vorbereiten."

Wenn Russland die nächste Überraschung gelingen sollte, dürfte Tschertschessows Handy bald wieder klingeln.

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