Imago

Die Fußball-WM als Propagandamaschine - läuft!

Die WM als Propagandamaschine - läuft!

14/06/2018 um 18:02Aktualisiert 14/06/2018 um 21:41

Die WM in Russland, das ist nicht nur die große Show der besten Fußballer der Welt, sondern auch das Schaulaufen der Politik. Allen voran von Russlands Präsident Wladimir Putin, der die Macht des Sports geschickt einzusetzen weiß. In seinem Kommentar sieht Sigi Heinrich in der WM eine riesige willfährige Propagandamaschine, die sich die Politiker nur allzu leicht zu Eigen machen können.

Es läuft wie geschmiert. In den nächsten vier Wochen kann sich Russland über geballte Aufmerksamkeit freuen. Putins Plan geht wieder einmal auf. Universiade, Olympische Spiele, Formel 1 und jetzt, als wahrer Höhepunkt einer gigantischen Veranstaltungsoffensive, die Weltmeisterschaft im Fußball.

Vier Wochen lang geht es, so die Hoffnung im Kreml, nicht um politische Systeme, sondern um Spielsysteme. Um Dreierketten und Sturmvarianten.

Sollen die verhafteten Oppositionellen doch derweil in ihren Gefängnissen schmoren. War schon so bei der Weltmeisterschaft in Argentinien - damals, 1978 - als sich die kickende Fußballwelt vor den Karren einer brutalen, menschenverachtenden Militärjunta spannen ließ. Und natürlich Argentinien Weltmeister wurde.

Argentinien feiert den WM-Titel 1978

Argentinien feiert den WM-Titel 1978Imago

Fragwürdig, wenn ich nur an das letzte Vorrundenspiel gegen Peru denke, das die Gastgeber damals mit vier Toren Unterschied gewinnen mussten. Am Ende stand es 6:0. Es funktionierte dank wohl heißer Drähte auf politischer Ebene. Der Plan ging auch damals auf.

Die ausrichtende FIFA scherte das damals nicht. Und auch nicht heute. Sie erlaubt, dass Grosny, die einst von Russen zerstörte und mittlerweile wieder aufgebaute Hauptstadt Tschetscheniens, als WM-Basis-Standort offiziell anerkannt ist.

Absicht oder Einfalt?

Es ist jene Republik, die von einem Schergen Putins geführt wird, von Ramsan Kadyrow. Recht und Gesetz sind in Tschetschenien außer Kraft gesetzt - mit Putins Einverständnis. Und die Nationalmannschaft aus Ägypten hat Grosny als Standort für die WM ausgewählt, mehr als 2000 Kilometer von den jeweiligen Spielorten entfernt. Allein das wirft schon tausend Fragen auf, weil es schlicht unverständlich ist.

Aber auch dieser Plan funktioniert perfekt. Mohamed Salah, der ägyptische Stürmerstar des FC Liverpool, posiert im Stadion von Grosny mit Kadyrow. Gedankenlos oder bewusst? Diese Frage stellen wir uns längst auch im Fall des Besuches von Mesut Özil und Ilkay Gündogan beim türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, der die Menschenrechte bekanntermaßen auch mit Füßen tritt.

Ägyptens Starstürmer Mohamed Salah und Ramsan Kadyrow

Ägyptens Starstürmer Mohamed Salah und Ramsan KadyrowGetty Images

Schon immer schmückten sich Politiker aller Couleur mit Sportlern oder Größen aus dem Show-Business. Sind sich alle, die sich dank ihrer Popularität von Politikern zu willfährigen Handlangern degradieren lassen, ihres Tuns wirklich nicht bewusst? Lesen sie keine Zeitungen? Hören sie keine Nachrichten? Geht das richtige, das normale Leben tatsächlich gänzlich an ihnen vorbei?

Bekanntheit wird von der Politik genutzt

Es scheint so zu sein. Sie alle, Politiker und Sportler, leben wohl in einer eigenen Welt. Viele bekannte Fußballspieler wohl noch mehr in der ihren, als die Politiker, die ja clever die kickende Elite nutzen, um von eigenen Missständen abzulenken, ja um sie für ihre Zwecke einzuspannen. Auch das ist Propaganda.

Ruud Gullit, Lothar Matthäus, Diego Maradona, Luis Figo oder Carlos Dunga spielten schon in - nein - für Ramsam Kadyrow. Eine Schande. Und bei der Eröffnung eines Geschäftszentrums scharte das Oberhaupt der Tschetschenen, wie er sich gerne nennt, Vanessa Mae, Kevin Costner, Jean-Claude van Damme und sogar Oscar-Preisträgerin Hilary Swank um sich.

Dagegen wirkt das Treffen von Özil und Gündogan tatsächlich so, als hätten sie sich verirrt.

Gündogan und Özil treffen türkischen Staatspräsidenten Erdogan

Gündogan und Özil treffen türkischen Staatspräsidenten Erdogantwitter

Alle spielen mit

Jetzt scheren sich 32 Verbände, die allmächtige FIFA, viele Sponsoren und leider auch viele Medien wieder nicht um die politische Situation im Land des Veranstalters der Fußball-WM. Die große Show soll sich wie ein watteweicher Teppich über ein Land legen, das nach wie vor aggressiv gegen seine Nachbarn Krieg führt (Ukraine) gegen Völkerrecht verstößt (Krim-Annektion) und nicht einmal im Ansatz demokratische Strukturen zulässt.

Die Spieler auf dem Platz, sie spielen das Spiel mit. Politische Äußerungen sind nicht erwünscht, vielfach gar untersagt.

Der Plan geht auf. Die Propagandamaschine Russlands läuft auf Hochtouren. Wieder einmal.

Video - "Reisegruppe Titelverteidigung" in Russland angekommen

00:25
0
0