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Marokko - Iran: Eigentor schockt hochgelobte Nordafrikaner in Minute 95

Marokko-Schock in Minute 95: "Das Schlimmste, was passieren konnte"

15/06/2018 um 18:23Aktualisiert 15/06/2018 um 22:34

Marokko gilt als der vielleicht stärkste WM-Teilnehmer Afrikas, wird dieser Rolle im ersten Spiel der Gruppe B aber nicht gerecht und verliert schließlich durch ein Eigentor in der fünften Minute der Nachspielzeit mit 0:1 (0:0) gegen den Iran. Der Unglücksrabe: St.-Pauli-Stürmer Aziz Bouhaddouz, der einen Freistoß am kurzen Pfosten ins eigene Netz köpft.

So lief das Spiel:

In den ersten 20 Minuten sprühte Marokko vor Spielfreude, setzte den Iran ständig unter Druck und erspielte sich zahlreiche Chancen.

Ayoub El Kaabi schoss links am Tor vorbei (8. Minute), später hatten sogar zwei Marokkaner in einer Szene die Chance zur Führung: Nach einer Flanke wurde aber Hakim Ziyechs Schuss geblockt, den Nachschuss von Mehdi Benatia parierte Irans Torhüter Alireza Beiranvand (19.).

Danach kämpfte sich der Iran in die Partie, bei Marokko klappte die schnelle Seitenverlagerung nicht mehr so, wie zu Beginn.

Dadurch kamen auch die Iraner zu Chancen, mit dem Höhepunkt kurz vor Seitenwechsel, als erst Sardar Azmoun frei vor Munir scheiterte und im Nachschuss auch Alireza Jahanbakhsh am iranischen Schlussmann verzweifelte.

Umso durchwachsener der zweite Durchgang: Viele Fouls und Verletzungsunterbrechungen ließen keinen richtigen Spielfluss aufkommen. Nordin Amrabat (Gehirnerschütterung) wird verletzt ausgewechselt, Jahanbakhsh muss sogar mit der Trage vom Platz.

Auf marokkanischer Seite prüfte nur Ziyech in der 80. Minute erneut Beiranvand, der allerdings keine Probleme mit dem Schuss hatte.

Erst in der fünften Minute der Nachspielzeit fällt das Goldene Tor: Nach einem Freistoß von Ehsan Hajsafi von der linken Seite wuchtet der eingewechselte Aziz Bouhaddouz (FC St. Pauli) den Ball ins eigene Tor.

Für Iran ist es überhaupt erst der zweite WM-Sieg, Marokko steht angesichts der kommenden Gegner Portugal und Spanien vor dem Vorrunden-Aus.

Die Stimmen:

Hervé Renard (Trainer Marokko): "Natürlich bin ich sehr traurig. Ich glaube wenn ich mit einem Sieg hierher gekommen wäre, wäre ich auch traurig gewesen, weil wir nicht gut gespielt haben. Ich denke, dass das Gegentor in der Nachspielzeit das Schlimmste ist, was uns passieren konnte. Wir müssen uns jetzt auf das zweite Spiel konzentrieren. Wir haben uns selbst gekreuzigt."

Carlos Queiroz (Trainer Iran): "Es wurde wunderbar, ein großartiges Fußballspiel. Wir wussten, dass der Gegner sehr stark beginnen würde. Unsere Taktik war, sie zu frustrieren, die Spielmacher auszuschalten."

Amine Harit (Marokko): "Ich wäre gerne nicht 'Man of the Match' geworden und hätte dafür gewonnen. Wir hatten unsere Chance und haben diese dann aber nicht gemacht. Besonders im ersten Durchgang hätten wir treffen müssen, jetzt haben wir zwei sehr schwierige Spiele vor uns."

Aziz Bouhaddouz (Marokko): "Am Ende war's für mich ein Alptraum. Der Ball ist mir über den Kopf gerutscht. Ich hatte nicht damit gerechnet. Leider bin ich heute der Pechvogel. Ich kann mich nur bei den marokkanischen Fans entschuldigen für das heutige Spiel."

Der Tweet des Spiels:

Rückkehr der Vuvuzelas? Während des Spiels zwischen Marokko und dem Iran war über die gesamte Spielzeit ein brummender Grundton zu vernehmen. Im Netz kam es daher immer wieder zu Erinnerungen an Vuvuzelas. Die Tröten gehörten bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika zum Standard-Fanutensil, sind aber eigentlich verboten.

Das fiel auf: Youngster fallen auf, dann ab

Amine Harit (20 Jahre) und Achraf Hakimi (19) sind zusammen gerade mal 39 Jahre alt, wirbelten auf der linken Seite zumindest im ersten Durchgang wie zwei ganz Große. In den zweiten 45 Minuten ging Harit dann aber immer wieder ins Dribbling, hielt den Ball viel zu lange und verlor die Kugel dadurch oft.

Die Statistik: 1

Harit ist der erste Bundesliga-Spieler, der in die Weltmeisterschaft eingriff. Insgesamt fuhren 67 Spieler der Bundesliga und 2. Bundesliga nach Russland. Mit Aziz Bouhaddouz kam der zweite Deutschland-Legionär als Joker in die Partie: Er ist der erste WM-Fahrer des FC St. Pauli seit 1999 - und wurde gleich zum Unglücksraben.

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