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Sandro Wagner tritt aus DFB-Team zurück: Wie ein beleidigtes Kind

Wie ein beleidigtes Kind: Wagner bestätigt Löw in seiner Wahl

17/05/2018 um 12:46Aktualisiert 18/05/2018 um 10:22

Bayern-Stürmer Sandro Wagner tritt aus der deutschen Nationalmannschaft zurück, weil ihn Joachim Löw nicht für den WM-Kader berücksichtigt. Enttäuschung über eine (unerwartete) Ausbootung ist menschlich nachvollziehbar, allerdings wirkt seine Reaktion trotzig - und jede Begründung überheblich. Wer Löws Wahl "natürlich nicht ernst nehmen" kann, bestätigt den Bundestrainer ungewollt.

Ein Kommentar von Johannes Mittermeier

Sandro Wagner erinnert etwas an Zlatan Ibrahimovic, nicht nur aufgrund von Beruf (Fußballprofi), Stellenprofil (Stürmer) und Statur (1,95 m Zlatan / 1,94 m Wagner). Auch ihr Typus ist vergleichbar.

Wie Ibrahimovic vermittelt Wagner ein an Machogehabe grenzendes Selbstverständnis, das es ihm nicht leicht machte in seiner Karriere. Dass er durchaus ironisch ist, gerade in Bezug auf seine Person, haben die meisten Leute selten erkannt oder erkennen wollen.

Wagners Reaktion auf Löw ist überheblich

Wagner geriert sich als Nonkonformist, ehrlich, markig, manchmal schroff. Einer mit Charakter - sagen solche, die ihn mögen. Und davon scheint es immer mehr zu geben.

Kurz: selbstgefällig.

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Zwar beweist Wagner den bekannten Weitblick ("Es gibt weitaus wichtigere Dinge als Fußball"), zugleich ist es ziemlich überheblich, die Entscheidung von Bundestrainer Joachim Löw "natürlich nicht ernst nehmen" zu können.

Bei aller menschlich nachvollziehbaren Enttäuschung bestätigt er Löw damit ungewollt in dessen Wahl. Der Teamgeist beim WM-Triumph 2014 hat bewiesen, wie ausschlaggebend ein stimmiges Binnenklima sein kann.

Petersen: 15 Tore so viel wert wie 30 bei Bayern

Überhaupt erweckt Wagner den Eindruck, als hätte der Beschluss pro Mario Gomez und Nils Petersen rein außersportliche Gründe. Dem ist mitnichten so. Wie lange bewegt sich Gomez auf Topniveau - und wie lange Wagner? Indes sind Petersens 15 Saisontore für Freiburg so viel wert wie 30 in München.

Argumente für Sandro Wagner hätten sich trotzdem gefunden, logisch. Falsch verhielt sich aber nicht Bundestrainer Löw, sondern Bayerns (Ersatzspieler) Wagner. In der Nationalmannschaft ist sein Fehlen kein Verlust.

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