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WM 2018 - Deutschland gegen Mexiko: Die Gefahr des Fehlstarts

Deutschland und die Gefahr des Fehlstarts

17/06/2018 um 14:16Aktualisiert 17/06/2018 um 17:23

Deutschland startet in die WM, und Mexiko ist mutmaßlich gleich der stärkste Vorrundengegner. Wo das DFB-Team tatsächlich rangiert im Armdrücken der Großkaliber? Schon irgendwie unklar. Zuletzt wurden Störmanöver zum Start stets nivelliert, auch diesmal ist es ein Auftakt mit Fragezeichen. Bundestrainer Joachim Löw wirkt angespannt - aber nicht deshalb, weil er den Druck der Erwartung spürt.

Wer es wagt, Widerworte an Zlatan Ibrahimovic zu richten, fordert das Fußballschicksal heraus. Und natürlich ist Ibrahimovic-Widerspruch mit der Gefahr verbunden, dann leider zlataniert werden zu müssen.

"Wir wissen, dass sie es gut machen werden. Sie machen es immer gut. Deutschland ist die 'deutsche Maschine'. "

Den Teil mit "deutsche Maschine" sprach er übrigens auf Deutsch aus.

Deutschland bei Turnieren immer auf Touren - bisher

Das DFB-Team hat sich über Jahrzehnte einen historisch wertvollen Nimbus erarbeitet, die Prinzipien sehen vor, dass Testspiele und Verletzungssorgen oder Verletzungssorgen in Testspielen immer dann nivelliert werden, sobald ein Turnier endlich läuft.

So war es 2014, als sich Marco Reus dienstunfähig meldete und Manuel Neuer, Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira eher halbfit waren. Die Republik diskutierte Philipp Lahms Grundüberzeugung, dass Philipp Lahm wirklich ein besserer Mittelfeldmann als Rechtsverteidiger ist, und Mario Götze war bis zum Finale mehr Markenbotschafter denn Spielentscheider.

Dann pfiff der Schiedsrichter an. Deutschland demoralisierte Portugal mit 4:0.

Das Muster ist übertragbar in diesem Jahrtausend, ob beim 8:0 gegen Saudi-Arabien 2002, beim 4:2 gegen Costa Rica 2006 (was wurden zur Heim-WM nicht für Horrorszenarien skizziert!), beim 4:0 gegen Australien 2010 und zuletzt gegen Portugal, als Thomas Müller halt drei Tore schoss, wodurch sich Philipp Lahm nicht länger an Philipp-Lahm-Diskussionen stören brauchte. Wenigstens temporär.

Aber diesmal?

DFB-Team: Beim Confed Cup "war Mexiko besser"

"Spielerisch waren die Mexikaner besser, da haben wir sehr von ihren Fehlern profitiert", sagt Joshua Kimmich im Rückblick. Damals spielte Mexikos 1B gegen Deutschlands 1C, ein Jahr später sind Kimmich, Julian Draxler und Timo Werner wohl die einzig Verbliebenen (Jonas Hector fällt kurzfristig aus). "Unsere Mannschaft hat sich extrem verändert, Mexiko hat noch einige Spieler vom Confed Cup dabei", sagt Bayerns Kimmich.

Wo Deutschland tatsächlich rangiert im Armdrücken der Großkaliber? Schon irgendwie unklar, obwohl sich der Weltmeister beeilt, die Bedeutung schwacher Tests kleinzureden. "Wir müssen von Beginn an da sein", sagt Teammanager Oliver Bierhoff. "Wenn man zu den Mitfavoriten zählt, muss man Schritt für Schritt gehen. Wir müssen den Hunger haben, weiter zu überraschen."

Bundestrainer Löw wirkt angespannt

Für Joachim Löw wird es der 163. verantwortliche Einsatz fürs Vaterland, und Beobachter aus dem WM-Quartier vermitteln das Bild eines angespannten Bundestrainers. Nicht deshalb, weil er den Druck der Erwartung spürt - das war schließlich nie anders. Es ist einfach zu viel los im Umfeld, wie ein latentes Wummern.

Löw stört, dass in der Vorbereitungsphase mehr auf der Agenda stand als Sport, weil Gesellschaftspolitik mitschwang, besonders bei Mesut Özil und Ilkay Gündogan. Deren Erdogan-Affäre wird sich kaum beenden lassen, indem Özil gar nichts und Gündogan wenig sagt. Aber sowas will der DFB ja nicht hören.

Jetzt also Mexiko, ein Start mit Fragezeichen. Gewinnt Deutschland nicht, liefe es bereits auf ein Tordifferenz-Fernduell um den Gruppensieg hinaus, und das wäre durchaus problematisch: Dem Zweiten droht im Achtelfinale sehr wahrscheinlich Brasilien.

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