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WM 2018: Hintergründe, Nachfolger, Rolle von Real - Antworten zum Spanien-Beben

Hintergründe, Nachfolger, Rolle von Real: Antworten zum Lopetegui-Rauswurf

13/06/2018 um 19:10

Spanien entlässt Trainer Julen Lopetegui einen Tag vor WM-Start, nachdem Real Madrid ihn als neuen Coach vorgestellt hat - ein beispielloser Schritt in der Geschichte der Weltmeisterschaftsturniere. Warum muss Lopetegui gehen, was sagen die Spieler zur Entscheidung und wer wird neuer Trainer des WM-Mitfavoriten? Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Chaos bei den Spaniern.

Warum musste Lopetegui gehen?

Aus Sicht des spanischen Verbandes kam es zu einem klaren Vertrauensbruch. Erst fünf Minuten bevor Real Madrid die Verpflichtung des Nationaltrainers zur kommenden Saison bekannt gab, informierte Lopetegui Verbandspräsident Luis Rubiales.

Zudem hatte Lopetegui erst Ende Mai bis 2020 beim spanischen Verband verlängert und betont, sich voll und ganz auf die "Seleccion" konzentrieren zu wollen.

"Wir als Verband des spanischen Fußballs müssen eine Botschaft senden an alle Mitarbeiter. Und zwar, dass es gewisse Verhaltensweisen gibt, an die man sich halten muss", sagte Rubiales:

"Der spanische Fußballverband kann nicht bei Verhandlungen, die seine Angestellten betrifft, Außen vor bleiben. Ich nenne keine Schuldigen, aber wir sahen uns deswegen gezwungen, zu handeln."

Wer wird Nachfolger?

Präsident Rubiales konnte oder wollte auf der Pressekonferenz zunächst keinen Nachfolger präsentieren.

"Das wissen wir noch nicht. Wir wissen nur, dass wir so wenig wie möglich verändern wollen. Sobald es etwas Neues gibt, werden wir die Öffentlichkeit darüber informieren", sagte der 40-Jährige.

Knapp zwei Stunden später war es soweit: Real-Legende Fernando Hierro übernimmt bis zum Ende des Turniers. Der 50-Jährige absolvierte 439 Spiele für die Königlichen und hat aktuell auch das Amt des Sportdirektors beim spanischen Verband inne.

Welche Rolle spielt Real Madrid?

Spaniens Präsident hat Real als Urheber der Eskalation ausgemacht. Ähnlich wie damals bei Niko Kovac und dem FC Bayern machten die Königlichen von einer Ausstiegsklausel, die rund zwei Millionen Euro betragen kann, Gebrauch.

"Ich glaube, Real Madrid suchte einen Trainer, und zwar den Besten. Das dürfte klar sein. Da mische ich mich nicht ein. Aber der Verband hat die Pflicht gegenüber allen Spaniern. Ich denke nicht, dass die Initiative vom Trainer ausging, dann wäre es anders gelaufen", erklärte Rubiales.

Nachdem er vom Interesse Reals erfahren habe, habe er den Klub darum gebeten, nichts zu unternehmen. Aus dem WM-Quartier wollte er unmittelbar in Spaniens Hauptstadt reisen. Dass Real fünf Minuten später mit der Meldung an die Öffentlichkeit ging, habe ihn zum Handeln gezwungen:

"Uns interessiert nicht, wie einzelne Vereine sich verhalten, aber wenn es um den Verband geht, dann müssen wir handeln und entscheiden."

Was sagen die Spieler?

Wie die "Marca" berichtet, hätten einige Akteure um Sergio Ramos noch versucht, den Präsidenten umzustimmen - ohne Erfolg.

"Ich habe mit allen Spielern geredet", erklärte Rubiales: "Sie haben mir gut zugehört und werden alles Mögliche tun, um mit dem neuen Trainerstab erfolgreich zu sein. Es ist natürlich ein harter Moment."

Lopetegui gilt als besonnener Coach, der ein gutes Verhältnis zu seinen Spielern pflegt. Mit Spielern wie Isco, Dani Carvajal oder Nacho Fernández wurde er 2013 Europameister mit der U21, Ramos gilt als einer seiner großen Befürworter.

Spaniens Kapitän äußerte sich auch als erster der Spieler via Twitter. "Wir sind die Selección, wir repräsentieren das spanische Wappen, die Farben, die Fans, das Land. Die Verantwortung und die Verpflichtung sind mit euch und für euch. Gestern, heute und morgen, gemeinsam. #VamosEspaña, twitterte der 32-Jährige Abwehrspieler.

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