1.) Ronaldo, der Führungsspieler

Mal weg vom unglaublichen Spiel und hin zur blanken Statistik: Cristiano Ronaldo traf gegen Spanien in den Minuten 4 und 44 (und 88) im vierten Spiel bei vier WM-Turnieren - und das als vierter Spieler ever nach Pelé, Uwe Seeler und Miroslav Klose. Wir denken uns das nicht aus.

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01/07/2019 AM 16:59

Kurz vor dem Spiel kam ja auch noch raus: Ronaldo wird sich mit dem spanischen Fiskus in Sachen Steuervergehen einigen, angeblich stimmt der 33-Jährige einer zweijährigen Bewährungsstrafe zu und zahlt 18,8 Millionen Euro (inkl. Zinsen) nach.

Davon gänzlich unbeeindruckt lieferte der portugiesische Angreifer gegen sein Wohnsitz-Land die wohl beste Leistung im 150. Länderspiel ab. Bemerkenswert vor allem deshalb, weil er sich nicht ausschließlich als egozentrischer Individualist zeigte, sondern vor allem als Führungsfigur.

Cristiano Ronaldo (Portugal)

Fotocredit: Imago

Gerade im ersten Durchgang holte sich Ronaldo auffällig oft tief die Bälle, dirigierte teilweise aus dem Mittelfeld heraus seine Mitspieler, bevor er sich wieder in den Angriff einschaltete. In der Szene, in der Gonçalo Guedes letztlich das 2:0 verstolperte (22.), war Ronaldo mit gemessenen 39 km/h aus der Tiefe des Raumes herbei gesprintet, um Guedes den Ball aufzulegen.

Zwar sah man ihn auch - vor allem im zweiten Durchgang - seine Kunstpausen nehmen oder gewohnt gestenreich auf die Mitspieler schimpfen. Im Grunde lieferte der 33-Jährige aber eine sehr mannschaftsdienliche Leistung ab. Mit dem finalen Freistoß zum 3:3-Ausgleich als Bonbon.

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"Wir lagen zweimal vorne, kassieren zweimal den Ausgleich, aber haben nie aufgegeben", sagte der Superstar. Und zu seiner eigenen Leistung:

Es ist unglaublich. Auf einen solchen Moment habe ich viele Jahre hingearbeitet. Ich habe immer an mich geglaubt.

Sagt wohl gemerkt einer, der schon fünfmal die Champions League und einmal die Europameisterschaft gewonnen hat.

2.) Pures Kryptonit

War Ronaldo der Superman des Spiels, dann war Diego Costa pures Kryptonit.

Portugal legte mit der frühen 1:0-Führung einen Bilderbuchstart hin und war drauf und dran, die durch den Trainerrausschmiss von Julen Lopetegui sicher nicht bestärkten Spanier weiter leiden zu lassen - und dann kam Diego Costa und sorgte im Alleingang für die erste harte Wendung.

Vom Ansatz her total unspanisch hetzte Costa in der 24. Minute einem langen Ball hinterher, räumte dabei Pepe (theoretisch ahndungswürdig) mit Körper und Ellenbogen aus dem Weg, um dann im Strafraum gegen zwei Verteidiger ein sehenswertes Tänzchen hinzulegen und trocken links unten einzunetzen.

Diego Costa

Fotocredit: Getty Images

Damit noch nicht genug: Als Spanien nach David de Geas Patzer kurz vor der Pause erneut hinten lag, drückte Costa den Ball nach 55 Minuten in Mittelstürmermanier nach toller Standard-Finte und Kopfballablage von Sergio Busquets abermals humorlos über die Linie.

Die bei den letzten zwei großen Turnieren gerne viel zu verschnörkelt spielenden Spanier kamen so sehr einfach zu zwei Toren und damit zurück ins Spiel - eine Qualität, die Kraftmonster Costa eben mit sich bringt. Und Spanien trotz des Lopetegui-Desasters weiter vom WM-Titel träumen lässt.

"Ich bin sehr glücklich über meine Tore", sagte Costa, allerdings mit Einschränkungen: "Es war kein leichtes Spiel mit einem schlechten Ende für uns. Wir hätten es verdient gehabt zu gewinnen, weil wir mehr Chancen und viel mehr Ballbesitz hatten."

3.) Ein Spiel mit vier Haarnadelkurven

Liefen alle bisherigen WM-Partien ziemlich linear (5:0 Russland) oder nach eher langweiligem Gebolze mit einem Tusch am Ende ab (1:0 Uruguay, 1:0 Iran), hatte diese Partie gleich vier formidalbe Wendungen parat.

Da war Portugal nach Ronaldos Führung zunächst drauf und dran, Spanien mit überfallartigen Kontern richtiggehend nass zu machen, ehe Costa mit seinem wuchtigen Ausgleich den Spielverlauf auf den Kopf stellte und seinerseits eine spanische Drangphase einläutete, in der Portugal für fast 20 Minuten keine Schnitte mehr sah - bis Ronaldo zum 2:1 traf.

De Gea mit einem folgenschweren Patzer

Fotocredit: Getty Images

Mit dem Patzer von de Gea war der Spielverlauf also ein weiteres Mal umgekehrt worden; doch in der zweiten Halbzeit folgten zwei weitere hollywoodreife Halsen.

Wer jedenfalls nach dem 2:1 gedacht hatte, Portugal würde die Führung in der zweiten Halbzeit ein bisschen verteidigen können, irrte fatal: Binnen drei Minuten drehten Costa (55.) und Nacho (58.) das Spiel zur erstmaligen spanischen Führung.

Nacho Fernández

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Dass dabei ausgerechnet Nacho sehenswert per Volleyabnahme mithilfe des Innenpfostens traf - der Nacho, der den Elfmeter an Ronaldo verschuldet hatte; der Nacho, der ohnehin nur in der Elf stand, weil Dani Carvajal nach seiner im Champions-League-Finale erlittenen Muskelverletzung noch nicht wieder ganz fit ist; der Nacho, der vor dieser Saison überhaupt erst fünf Pflichtspieltreffer vorzuweisen hatte und noch nie für die Nationalelf traf - war fast schon kitschig.

Aber dann kam ja noch Ronaldo.

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