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WM 2018 - Systemfrage im DFB-Team: So plant Joachim Löw gegen Schweden

Spannende Systemfrage: Diese Optionen hat Löw

22/06/2018 um 15:50Aktualisiert 22/06/2018 um 17:14

Bundestrainer Joachim Löw muss sich gegen Schweden etwas einfallen lassen, um den Abwehrriegel der Skandinavier zu knacken. Nach der schwachen Leistung im Auftaktspiel gegen Mexiko ist es Zeit für Veränderungen. Löws Mannschaft muss die Balance zwischen Mittelfeld und Abwehr finden, trotzdem aber Druck nach vorne entfachen. Denn gegen Schweden geht's um alles. Eurosport.de macht den Systemcheck.

Die deutsche Nationalmannschaft muss sich bei der Fußball-WM nach dem enttäuschenden Auftakt wieder auf das Wesentliche konzentrieren: gewinnen.

Die Skandinavier spielen seit Jahren in einem perfekt organisierten 4-4-2-System. Es wird schwer, das Team in Bedrängnis zu bringen und diesen Abwehrriegel zu knacken. Die Defensive ist Schwedens absolute Stärke.

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Hinter Frankreich sicherte sich die Mannschaft von Trainer Janne Andersson in der WM-Qualifikation den zweiten Platz in ihrer Gruppe und schickte die Niederlande nach Hause. In den Playoffs wurde Italien geschlagen.

Aber Joachim Löw ist erfahren genug, um diese Aufgabe zu meistern. Der Bundestrainer wird sich gegen Schweden etwas einfallen lassen, um das erste K.o.-Spiel zu gewinnen.

Eurosport.de macht den Check, welches taktische System am besten passt.

4-2-3-1-System

Löws favorisierte Variante ist das 4-2-3-1. Diese Taktik ist das Standard-System des Weltmeisters. Es bietet mit der Doppelsechs eine gute Absicherung nach hinten.

In dieser Formation startete Deutschland bei der WM auch gegen Mexiko (0:1). Aber der Schuss ging nach hinten los, weil Toni Kroos in Manndeckung genommen und somit erfolgreich am Spielaufbau gehindert wurde.

"Egal wo Toni Kroos hinging, war schon ein Mexikaner da. Sie haben ihn gut zugestellt", lobte der Bundestrainer den ersten Gegner.

Die Balance zwischen Mittelfeld und Abwehr ging komplett verloren. Wenn die Mexikaner konterten, boten sich ihnen riesige Räume - auch weil die beiden Außenverteidiger Joshua Kimmich und Marvin Plattenhardt extrem hoch standen.

Zwar kennen alle Nationalspieler dieses System seit Jahren, dennoch gelang es Mexiko mit beherztem Anlaufen, die Taktik der Deutschen regelrecht zu zerstören. Der WM-Fehlstart war perfekt.

Gegen Schweden wird es neben der Absicherung nach hinten noch mehr auf die Offensive ankommen. Möglich ist, dass Sami Khedira durch Ilkay Gündogan und Julian Draxler durch Marco Reus ersetzt werden.

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Ansonsten bleibt alles beim Alten, außer dass Jonas Hector - der wieder fit ist - die Position von Plattenhardt in der Startelf auf der linken Außenverteidigerposition übernehmen wird.

Mit Reus und Gündogan würde Löw für mehr Druck in der Offensive sorgen, um Schweden ins eigene Drittel zurückzudrängen. Ziel muss es sein, den massiven Abwehrblock zu destabilisieren.

Gündogan ist technisch stärker als Khedira. Auf der Doppelsechs kann er neben Kroos nach hinten absichern, die Bälle aber auch als eine Art zweiter Taktgeber nach vorne verteilen.

Mit "Rakete" Reus hat Löw eine zusätzliche Waffe. Der formstarke BVB-Spieler, gegen Mexiko 60 Minuten lang auf der Bank, gilt als Hoffnungsträger. Mit seinen Dribblings und vertikalen Bällen könnte er eine Schlüsselrolle übernehmen.

Im Abwehrverbund muss Deutschland sauberer gegen den Ball arbeiten, um Schweden am eigenen Spielaufbau und an langen Bällen zu hindern. Hinzu kommt die Absicherung bei Kontern, um die Skandinavier beim Umschaltspiel zu stören.

Schweden wird versuchen, immer wieder auf die zweiten Bälle zu gehen, um eigene Angriffe einzuleiten und Chancen zu kreieren. Setzt das DFB-Team die taktischen Vorgaben um, gewinnt man.

Wahrscheinlichkeit: 70 Prozent

4-2-3-1-System DFB

4-1-4-1-System

Eine Alternative zum bewährten 4-2-3-1 wäre die Variante im 4-1-4-1. Bei dieser Taktik würde Kroos als eine Art Zwischenspieler agieren.

Das 4-1-4-1-System ist eine Option gegen äußerst defensive Gegner, die ohnehin nur mit drei oder vier Spielern angreifen. Mit Kroos würde sich ein weiterer Akteur nach vorne schieben und zwischen den Linien agieren.

Durch diese Variante schafft man die Möglichkeit, mit einem Spieler mehr anzugreifen. Problem ist die Anfälligkeit in der Verteidigung, wenn bei schnellen Gegenangriffen keine Überzahl im Mittelfeld hergestellt werden kann.

"Mexiko hat verdient gewonnen, weil wir es ihnen viel zu leicht gemacht haben", sagte Mats Hummels im Anschluss an die Partie und kam zu dem Schluss:

"Wenn sieben oder acht Mann offensiv spielen, dann ist klar, dass ein Ungleichgewicht herrscht zwischen offensiver Wucht und defensiver Stabilität."

Mit Sebastian Rudy hätte man auf der Sechs einen handlungsschnellen Spieler, der nach hinten absichern kann. Vorne könnte Mario Gomez mit seiner körperlichen Präsenz und Größe für Torgefahr sorgen.

Mario Gomez (Deutschland)

Mario Gomez (Deutschland)Imago

Für Timo Werner dürfte es schwer werden, nötige Räume zwischen den dicht gestaffelten Abwehrketten zu finden. Deshalb wäre Gomez die bessere Alternative.

In diesem System benötigt man natürlich auch ballsichere Verteidiger, die das Spiel von hinten aufbauen können. Mats Hummels und Jérôme Boateng sind dafür wie geschaffen, obwohl Boateng genau damit gegen Mexiko Probleme hatte.

Ziel ist es, eine Überzahlsituation im Mittelfeld zu schaffen, um den Angriff danach schnell aufzubauen. Kroos dient dafür als zusätzliche Anspielstation.

Interessant wäre, diese taktische Variante gegen Schweden zu sehen. Aber Löw wird sich wahrscheinlich nicht dafür entscheiden.

Wahrscheinlichkeit: 10 Prozent

4-1-4-1-System

3-4-3-System

Eine weitere taktische Möglichkeit gegen tiefstehende Gegner ist das 3-4-3-System. Zuletzt nutzte Deutschland diese Variante im vergangenen November gegen England (0:0).

Damals setzte Löw auf Hummels, Matthias Ginter und Antonio Rüdiger. Eine ähnliche Formation wäre gegen Schweden denkbar, wenn Hummels, Boateng und Rüdiger die Dreierkette bilden.

Wie "Bild" berichtet, soll der Bundestrainer in Sotschi bereits mit einer Dreierkette trainiert haben. So ließ Löw Khedira, Kroos und Gündogan in einem Team spielen. Dahinter eine Dreier-Abwehr.

Anstatt Rüdiger wäre auch Ginter eine Alternative, um die rechte Position in der Abwehrkette zu besetzten. Davor würden Kroos, Özil, Hector und Kimmich agieren.

Antonio Rüdiger (Deutschland)

Antonio Rüdiger (Deutschland)Imago

Vorteil dieses Systems ist, dass die Dreiecksbildung besser funktioniert, was für ein schnelles Passspiel entscheidend ist, um die Abwehr der Schweden effektiv auszuhebeln.

Aber auf Hector und Kimmich, die weiter vorne positioniert sind und sich beim Angriff des Gegners nach hinten fallen lassen müssen, kommen extrem lange Laufwege hinzu.

Dass diese taktische Variante zum Einsatz kommt, ist nicht ausgeschlossen - wenn auch eher unwahrscheinlich.

Wahrscheinlichkeit: 20 Prozent

3-4-3-System

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