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WM-Kader: Mesut Özil und Ilkay Gündoğan mit Denkzettel nach Russland

Mit Denkzettel zur WM: Özil und Gündoğan im Zentrum des Sturms
Von SID

15/05/2018 um 16:04Aktualisiert 15/05/2018 um 16:07

Joachim Löw wischte die Frage energisch beiseite. "Zu keiner Sekunde" habe er auch nur daran gedacht, Mesut Özil und Ilkay Gündoğan zu sanktionieren oder sie gar aus seinem WM-Kader zu werfen, betonte der Bundestrainer mit fester Stimme. Dennoch: Die beiden Mittelfeldstars bekommen nach ihrem Treffen mit dem türkischen Autokraten Recep Tayyip Erdogan eine klare Ansage vom DFB.

Quer durch die politische Landschaft wurde die mindestens unbedachte Wahlkampfhilfe der türkischstämmigen Nationalspieler für Erdogan verurteilt - wie es auch DFB-Präsident Reinhard Grindel bereits am Montag getan hatte.

Bundestagsvizepräsident Hans-Peter Friedrich (CSU) sagte der "Bild-Zeitung", es sei befremdlich, sich "vor den Wahlkampfkarren eines ausländischen Politikers spannen zu lassen, der sich vor Kurzem noch abfällig über Deutschland geäußert hat". Wolfgang Bosbach (CDU) ergänzte, er finde es "mehr als nur befremdlich, dass beide auf diese Weise einem antidemokratischen, autoritären Herrscher huldigen." Die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel nutzte Özils und Gündoğans Vorlage gar zur Forderung, die beiden Stars "zu Hause zu lassen".

Grindel: "Menschen können Fehler machen"

Dies ließ sich Löw erwartungsgemäß nicht einreden. Doch auch der Bundestrainer war alles andere als erfreut. Allerdings zeigte er angesichts seiner Türkei-Erfahrung auch ein "bisschen Verständnis" für die Spieler, weil er wisse, dass bei jenen "mit Migrationshintergrund" zwei Herzen in der Brust schlagen.

Auch Grindel warb um einen fairen Umgang. "Menschen können Fehler machen. Wir müssen das Maß wahren", sagte er im Dienstag im Dortmunder Fußball-Museum, viele Kritiker hätten über das Ziel hinausgeschossen.

"Wir haben den beiden klargemacht, dass es keine glückliche Aktion war, "

sagte Löw, der ein intensives Gespräch mit den Spielern für das Trainingslager der Nationalmannschaft in Südtirol ankündigte. Er betonte allerdings auch: "Beide haben für die Integration in Deutschland sehr viel getan", der Vorfall werde ihnen "eine Lehre sein".

Frank Überall übt harsche Kritik

Die DFB-Führung wird alle WM-Fahrer "auf die Brisanz gewisser Fragen hinweisen, auch im Zusammenhang mit dem Gastgeber Russland". Dies sei jedoch ohnehin geplant gewesen.

Özil und Gündoğan hatten Erdogan in einem Hotel in London getroffen und signierte Trikots ihrer Vereine überreicht. Gündogan erklärte dies mit einer Geste der Höflichkeit.

Frank Überall, Vorsitzender des Deutschen Journalistenverbandes (DJV), übte dennoch harsche Kritik. "Deutsche Fußballer nutzen ihre Prominenz, um einem Feind der Pressefreiheit Wahlkampfhilfe zu leisten", sagte er der Heilbronner Stimme: "Ich finde diesen Auftritt geschmacklos - ein peinliches Eigentor."

Allerdings keines, dass Özil oder Gündoğan den Weg nach Russland versperren wird.

Video - Mit diesem Kader will Löw den Titel verteidigen

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