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Nationalspielerin Elsig: "Frauenfußball müsste auf Social Media noch mehr gefördert werden"

Nationalspielerin Elsig: "Frauenfußball müsste auf Social Media noch mehr gefördert werden"

13/09/2019 um 08:41

Johanna Elsig sammelte mit der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2019 in Frankreich wertvolle Erfahrungen, die sie nun beim 1. FFC Turbine Potsdam in der Frauen-Bundesliga einbringen will. Im Interview spricht die 26-Jährige vor dem Spiel beim 1. FC Köln (Freitag ab 19:15 Uhr live bei Eurosport) über Ziele, Erwartungen und Potenziale im Frauen-Fußball.

  • 1. FC Köln gegen Turbine Potsdam live bei Eurosport 1 HD und im Eurosport Player (Freitag, 19:15 Uhr)

Das Interview führte Marian Kern

Frau Elsig, Turbine Potsdam ist mit einem 2:3 gegen Frankfurt und einem 6:2 gegen Jena in die Frauen-Bundesliga gestartet. Wie zufrieden sind Sie mit dem Saisonstart?

Johanna Elsig: Wir hätten auch schon sechs Punkte haben können. Gegen den 1. FFC Frankfurt war es ein Auf und Ab. Für die Zuschauer war es sicher aufregend, da viele Tore gefallen sind. Wir hätten das Spiel allerdings kontrollierter gestalten müssen. So war Frankfurt am Ende die glücklichere Mannschaft.

Video - Clevere Frankfurterinnen gewinnen munteres Auftaktmatch gegen Potsdam

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Sie sind Nationalspielerin, haben im Sommer bei der WM Ihr erstes großes Turnier gespielt. Welche Erfahrungen haben Sie aus Frankreich mit nach Potsdam genommen?

Elsig: Diese Euphorie in Frankreich zu spüren, hat einfach großen Spaß gemacht. Generell ist so ein Turnier eine unfassbare Erfahrung, auch wenn ich eher auf der Bank gesessen habe. Aber allein das hat mir geholfen, die Spielerinnen besser zu verstehen, die generell nicht viel spielen und sich mit der Situation auf der Bank arrangieren müssen. Da habe ich wertvolle Erfahrungen gemacht, wie man damit besser umgehen sollte.

Während internationalen Turnieren rückt der Frauenfußball auch medial ins Rampenlicht. Die heimische Liga findet jedoch noch nicht das große Ansehen. Eurosport überträgt ab dieser Saison kontinuierlich das Freitagsspiel im deutschen Free-TV. Was muss darüber hinaus noch passieren, dass der Frauenfußball neben Welt- und Europameisterschaften mehr Beachtung findet?

Elsig: Ich finde, der Frauenfußball müsste auf den Social-Media-Plattformen noch mehr gefördert werden. Besonders Vereine wie Hoffenheim, Köln, Freiburg und München, die im Männer-Bereich bereits gut aufgestellt sind, müssten sich bemühen, den Frauenfußball medial mehr zu pushen. Auf diesem Weg könnte man bestimmt auch mehr Einnahmen generieren. Und außerdem entstünde so ein größeres mediales Interesse am Frauenfußball.

Während und auch nach der WM sorgte die US-Nationalspielerin Megan Rapinoe für großes Aufsehen. Fehlt dem deutschen Frauenfußball eventuell eine Art Rapinoe, die den Finger öffentlich gezielt in die Wunde legt?

Elsig: Von der Kultur und vom Verhalten gibt es grundsätzliche Unterschiede zwischen Amerikanern und uns Deutschen. Der Frauenfußball ist dort auch viel geschätzter als hierzulande. Da fällt es leichter, auf Probleme hinzuweisen. Um die Bedeutung für den Frauenfußball zu steigern, muss das öffentliche Interesse in Deutschland erst einmal hergestellt werden. Daher wäre es glaube ich erstmal nicht ratsam, wenn sich jemand hier wie Rapinoe positionieren würde.

Johanna Elsig - Deutsche Nationalmannschaft

Johanna Elsig - Deutsche NationalmannschaftGetty Images

In der Nationalmannschaft sind einige Ihrer Mitspielerinnen mittlerweile im Ausland aktiv. Gibt es in den dortigen Ligen signifikante Unterschiede zur Bundesliga?

Elsig: Man bekommt schon mit, dass der Frauenfußball gerade in England eine viel größere Popularität genießt. Es wird viel getan und es kommen mehr Zuschauer ins Stadion. Das Eröffnungsspiel von Manchester City war beispielsweise dieses Jahr im Etihad Stadium. Ich glaube nicht, dass Bayern München ein Eröffnungsspiel in der Allianz Arena bestreiten würde...

Sie haben im Februar diesen Jahres Ihren Vertrag in Potsdam verlängert. Bestand die Überlegung, auch mal den Schritt ins Ausland zu wagen?

Elsig: Die Überlegung bestand, denn es war nicht zu hundert Prozent klar, dass ich in Potsdam bleibe. Letztlich habe ich mich für Potsdam entschieden, weil ich mich hier sehr wohl fühle und mir das private Umfeld auch sehr wichtig ist. Ich weiß, was ich an diesem Verein habe und bekomme das volle Vertrauen der Trainer. Außerdem sind kontinuierliche Einsätze im Verein auch die Grundlage, um in der Nationalmannschaft zu spielen. Das ist in Potsdam auf jeden Fall gegeben.

Im letzten Jahr sind Sie mit Potsdam auf dem dritten Tabellenplatz gelandet, mussten sich nur der namhaften Konkurrenz aus Wolfsburg und Bayern geschlagen geben. Sind Sie zufrieden mit dem Resultat oder strebt die Mannschaft diese Saison nach mehr?

Elsig: Der dritte Tabellenplatz in der letzten Saison war in Ordnung. Wir hatten es selbst in der Hand, haben es aber nicht geschafft, unsere Leistung auf den Punkt zu bringen. In dieser Saison müssen wir erst einmal abwarten, wie sich das Ganze entwickelt. Wir sind eine junge Mannschaft und haben das Potenzial, oben mitzuspielen. Es kann aber auch gut sein, dass es noch etwas dauert.

Johanna Elsig - 1. FFC Turbine Potsdam

Johanna Elsig - 1. FFC Turbine PotsdamImago

In der Bundesliga sind in den letzten Jahren verstärkt der VfL Wolfsburg und der FC Bayern das Maß aller Dinge. Was muss passieren, dass der Meisterschaftskampf in Zukunft wieder spannender wird?

Elsig: Ich denke nicht, dass die anderen abgehängt sind. Bei Aufsteigern sieht man es vielleicht noch hin und wieder, dass sie Probleme haben mitzuhalten. Sonst finde ich die Unterschiede zwischen den einzelnen Mannschaften nicht mehr ganz so gravierend. Generell müssten aber mehr finanzielle Mittel bereitgestellt werden, damit sich Vereine auch im Ausland nach Spielerinnen umschauen können. Dass die deutschen Nationalspielerinnen zumeist nur bei Bayern und Wolfsburg spielen, stellt ebenfalls ein Problem in Sachen Chancengleichheit dar.

Mit dem 1. FC Köln wartet jetzt bereits der zweite Aufsteiger auf Turbine. Auf was muss sich Ihre Mannschaft einstellen?

Elsig: Köln hat sich gut verstärkt und auch mehr dafür getan, Leistungsträgerinnen zu halten, als die Jahre zuvor. Ich gehe davon aus, dass sie gegen uns tief stehen werden. Sie werden versuchen ihre Konterstärker auszuspielen, da sie vorne über gute und schnelle Spielerinnen verfügen. Da müssen wir definitiv aufpassen. Unser Passspiel muss sich verbessern und wir dürfen uns keine einfachen Ballverluste erlauben.

Über Johanna Elsig (1. FFC Turbine Potsdam):

Die 26 Jahre alte Abwehrspielerin spielt seit 2012 für den 1. FFC Turbine Potsdam in der Bundesliga und seit 2017 für die deutsche Nationalmannschaft. 2011 hatte sie als beste Nachwuchsspielerin Deutschlands die Fritz-Walter-Medaille in Gold erhalten. Elsig musste sich bereits zweimal nach Kreuzbandrissen (2012, 2015) wieder zurückkämpfen - mit Erfolg.

Die FLYERALARM Frauen-Bundesliga bei Eurosport:

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und Eurosport haben eine Kooperation zur Ausstrahlung der FLYERALARM Frauen-Bundesliga für die nächsten drei Spielzeiten geschlossen. Eurosport wird stets am Freitagabend das Topspiel der Bundesliga live und im Free-TV exklusiv auf dem Sender Eurosport 1 HD übertragen.

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