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"Stechen im Ligavergleich heraus": Ehrmann will Wolfsburg ärgern

"Stechen im Ligavergleich heraus": Ehrmann will Wolfsburg ärgern
Von Eurosport

14/02/2020 um 12:02Aktualisiert 20/02/2020 um 11:18

Seit 2008 ist Jürgen Ehrmann Trainer bei der TSG 1899 Hoffenheim. Der heute 58-Jährige führte die TSG innerhalb von fünf Jahren von der Oberliga bis in die Bundesliga. Im siebten Bundesliga-Jahr spielen die Sinsheimer erstmals um den Titel mit. Nach 13 Spieltagen liegen sie nur drei Punkte hinter Spitzenreiter VfL Wolfsburg. Ehrmann spricht im exklusiven Eurosport-Interview über die TSG-Saison.

Das Interview führte Susanna Strauß

Herr Ehrmann, Sie befinden sich mit Ihrer Mannschaft im siebten Bundesliga-Jahr. In Beziehungskreisen gilt das "verflixte siebte Jahr“ als besonders kritisch. Bei Ihnen verläuft die Beziehung zur Frauen-Bundesliga in dieser Saison aber sehr gut. Warum ist die TSG diese Saison so erfolgreich?

Jürgen Ehrmann: "Dafür gibt es verschiedene Gründe. Wir haben mit unserem zweiten Trainer Gabor Gallai, Athletiktrainer Alvaro Molinos, Torwarttrainer Markus Bittner und Birgit Prinz ein gut aufgestelltes Trainerteam, das mit der jetzigen Mannschaft gut zusammenarbeitet. Die Spielerinnen gehen auf unsere Inhalte ein. Unsere Spielphilosophie greift jetzt, weil die Spielerinnen schon länger zusammenspielen. Aus diesem Grund trägt unsere Art, Fußball zu spielen, einen wesentlichen Teil zum Erfolg bei.“

Welche Rolle spielt dabei ein finanzkräftiger Verein im Hintergrund, der auch bei den Männern erfolgreich ist?

Ehrmann: "Wir profitieren hier sicherlich von den hervorragenden Rahmenbedingungen, die im gesamten Verein zu finden sind. Es gibt beispielsweise hauptamtliche Mitarbeiter, die sich um die Bereiche Schule, Studium und Beruf kümmern. Auch mit unseren Trainingsmöglichkeiten stechen wir im Ligavergleich heraus und können mit den großen Vereinen mithalten. Dennoch sind wir mit unseren finanziellen Möglichkeiten deutlich hinter dem VfL Wolfsburg oder dem FC Bayern München. Wir gehören bei den Gehältern definitiv nicht zu den Spitzenklubs. Wir leben von der Infrastruktur und führen Spielerinnen aus der eigenen Jugend bis an die Bundesliga heran. Wir haben in den vergangenen zwei Jahren nur eine Spielerin extern dazu geholt und die Spielerinnen ansonsten weitgehend aus dem eigenen Nachwuchs rekrutiert.“

Mit 34 Punkten nach 13 Spieltagen hat Ihr Team einen neuen Vereinsrekord aufgestellt. Ist der Erwartungsdruck - auch innerhalb der Mannschaft - nun gestiegen?

Ehrmann: "Das kann man natürlich nicht vermeiden - das ist ganz normal. Durch die guten Ergebnissen und Spiele wurde die Latte nun sehr hoch gelegt. Das hat man bereits vor der Winterpause gemerkt und die Spiele wie gegen Jena oder Köln nicht mehr mit 6:1 und 4:0 wie in der Vorrunde gewonnen wurden, sondern nur mit 2:0 und 1:0. Da melden sich Stimmen von außen, die fragen was los sei. Das ist natürlich ein total falscher Ansatz. Die gegnerischen Teams spielen nun anders gegen uns und nehmen uns anders wahr. Das macht es uns schwerer und wir sind noch nicht so gefestigt, um dann jedes Spiel deutlich zu gewinnen. Aber es war wichtig, dass wir die letzten Spiele dennoch gewonnen haben. Wir müssen nun schauen, dass es auch mental weiterhin gut für uns läuft und der Druck nicht zu hoch wird.“

Hat sich durch den Erfolg das Saisonziel geändert?

Ehrmann: "Vor der Saison haben wir uns mit dem Erreichen von 40 Punkten ein hohes Ziel gesetzt. Davon sind wir noch sechs Punkte entfernt. Wenn wir das geschafft haben, schauen wir wie viele Spieltage noch zu spielen sind und was noch für uns möglich ist. Natürlich weckt dieser zweite Tabellenplatz Begehrlichkeiten, auch in unserem Umfeld.“

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Dann werden Ihre Abwehrspielerinnen einiges verhindern müssen...

Ehrmann: "Das werden wir sehen, wenn das Spiel beginnt. Wir dürfen uns nicht zu sehr vom Gegner abhängig machen. Sondern wir müssen selbst unser Spiel auf dem Platz durchziehen. Wenn das Wetter gut wird, werden viele Zuschauer kommen. Daher wäre es natürlich schön, wenn wir unabhängig vom Ergebnis ein gutes Spiel machen. Wolfsburg hat eine sehr hohe Qualität und es wird Phasen im Spiel geben, in denen wir Probleme bekommen werden. Diese Situationen müssen wir dann lösen.“

Durch einen Sieg gegen Wolfsburg wären Sie dann punktgleich und das Meisterrennen weiter offen. Spielt das in den Köpfen der Spielerinnen eine Rolle?

Ehrmann: "Natürlich gibt das die derzeitige Tabellensituation theoretisch her. Wir dürfen die Ziele aber nicht zu hoch hängen, damit keine große Enttäuschung eintritt. Wir spielen eine gute Saison und wollen in der Rückrunde so viele Spiele wie möglich gewinnen. Wir haben mit Wolfsburg, Essen, Freiburg und München ein hartes Startprogramm und der FC Bayern wird alles daran setzen, uns einzuholen. Wir lassen die Kirche im Dorf und am Ende wird sich zeigen, für welchen Platz es reicht. Dennoch ist es schön für die Liga, dass es eine weitere Mannschaft gibt, die vorne mitspielt. Die letzten Jahre waren immer langweilig, weil es Wolfsburg oder Bayern unter sich ausgemacht haben.“

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Lena Lattwein verlängerte ihren Vertrag bei der TSG bis 2021. Wie wichtig ist die Vertragsverlängerung von der deutschen Nationalspielerin auch mit Blick auf die anderen Vereine in der Bundesliga für die TSG?

Ehrmann: "Sie ist eine junge Spielerin, die noch viel Potential hat. Bei uns hat sie gute Möglichkeiten sich persönlich und sportlich weiterzuentwickeln und zusätzlich ihr Studium voranzutreiben. Meiner Meinung nach hat sie einen sehr vernünftigen Spielerberater, der die Dinge gut analysiert. Es ist sehr schön, dass Lena und auch weitere Spielerinnen Teil der Mannschaft bleiben, auch wenn sie bei anderen Vereinen deutlich mehr verdienen könnten. Das Vertrauen ist eine schöne Auszeichnung für uns.“

Lena Lattwein von der TSG 1899 Hoffenheim

Lena Lattwein von der TSG 1899 HoffenheimEurosport

Neben Lattwein (19 Jahre alt) besteht ihre Mannschaft aus vielen jungen Talenten. Wie sieht die Nachwuchsförderung bei der TSG aus?

Ehrmann: "Die Förderung beginnt bereits im jungen Alter. Wir haben verschiedene Modelle – beispielsweise spielt eine Spielerin bei der U15 Jungenmannschaft von Hoffenheim. Dann gibt es Spielerinnen, die nur bei uns trainieren oder zwischen Mädchen- und Jungenmannschaften wechseln. Man muss das immer individuell sehen. Wir versuchen in allen Bereichen und für alle Teams gute Trainer zu stellen. Das hat sich in den letzten Jahren wiederholt ausgezahlt und gute Spielerinnen haben den Sprung von der U20-Mannschaft in die erste Mannschaft geschafft. Ausbildung und Förderung bedeuten Zeit und Geduld.“

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