Das Interview führte Marian Kern
Frau Knaak, wie läuft es mit Ihrer Doktorarbeit?
Turid Knaak: Derzeit läuft es ganz gut. Auch wenn ich durch den Fußball in einigen Phasen arg eingespannt bin, arbeite ich kontinuierlich an der Fertigstellung und werde es in einem Jahr hoffentlich geschafft haben.
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Zeitlich ist es für Sie doch gerade während einer Saison eine große Herausforderung, da Sie neben dem Fußball ebenfalls an der Universität Köln als Wissenschaftliche Mitarbeiterin beschäftigt sind.
Knaak: Das Ganze hat sich mittlerweile eingespielt, sodass ich Zeit für Beides finde. Ich kann den Arbeitsaufwand für Seminare und alltägliche Arbeiten an der Uni gut überblicken und einordnen. Die vorlesungsfreien Zeiten gestalten sich natürlich entspannter. Hier habe ich auch deutlich mehr Zeit an der Dissertation zu arbeiten.
Am Freitag wartet ein echtes Verfolgerduell. Sie treffen mit Ihrer SGS Essen auf den 1. FFC Frankfurt. Wie sieht Ihre Zielsetzung für die Partie aus?
Knaak: Wir erwarten ein Duell auf Augenhöhe, hier trifft der Vierte auf den Fünften. Unser Ziel ist es Frankfurt in der Tabelle weiter hinter uns zu halten. Daher wollen wir das Spiel auf jeden Fall gewinnen.
  • Tipp | Frauen-Bundesliga: 1. FFC Frankfurt - SGS Essen am 1. November ab 19:15 Uhr live im TV bei Eurosport und im Eurosport Player!
Nach dem Umbruch im Sommer müssten Sie mit der aktuellen Tabellensituation doch auch recht zufrieden sein oder?
Knaak: In einigen Partien haben wir sicherlich Punkte verschenkt. Besonders die Niederlagen gegen Sand und Hoffenheim haben uns weh getan. Dennoch sind wir nach den zahlreichen personellen Veränderungen mit dem bisherigen Verlauf sehr zufrieden.

Turid Knaak

Fotocredit: Eurosport

Mit einem Sieg könnten Sie bis Sonntag zu den Bayern aufschließen. Ist ein Platz unter den ersten Drei ein Thema im Verein?
Knaak: Die Zielsetzung im Verein ist immer so weit oben zu stehen wie möglich. Davon abgesehen wissen wir allerdings auch, dass uns gerade die Bayern über den gesamten Saisonverlauf hinweg um einiges voraus sind. Trotzdem versuchen wir natürlich jeden Punkt mitzunehmen.
Der dritte Platz scheint allerdings kein unrealistisches Ziel. In der letzten Saison fehlte der SGS lediglich ein Zähler.
Knaak: Im letzten Jahr war es wirklich denkbar knapp. Dieses Ergebnis versuchen wir auch in dieser Saison zu bestätigen. Sollte letztendlich der dritte Tabellenplatz dabei herrausspringen, wäre das natürlich eine tolle Sache. Was das internationale Geschäft angeht, kann man sich im Frauenfußball dafür allerdings noch nichts kaufen.
Als ehemalige England-Legionärin müssten Sie auch dem 9. November entgegenfiebern. Dann spielt die deutsche Nationalmannschaft im ausverkauften Wembley-Stadion gegen England.
Knaak: Man muss kein ehemaliger England-Legionär sein, um sich auf dieses Spiel zu freuen. 90.000 Zuschauer werden an diesem Tag im Stadion sein. Das ist eine enorme Dimension und kann sich auch schnell zu einem persönlichen Karrierehighlight entwickeln. Persönlich freue ich mich alte bekannte Gesichter wiederzusehen, mit denen ich während meiner Zeit bei Arsenal zusammengespielt habe.
Steht denn ein weiteres Auslandsabenteuer noch auf Ihrer Bucket List?
Knaak: Vor dem Hintergrund, dass sich die ausländischen Ligen immer mehr professionalisieren, ist es sicherlich eine reizvolle Herausforderung. Grundsätzlich ist es aber nicht mein primäres Ziel. Sofern die Umstände allerdings passen und auch der richtige Verein an mich herantritt, könnte ich es mir durchaus noch einmal vorstellen.
In Sachen Professionalisierung tut sich ja gerade in England einiges. In welchem Maße haben Sie die derzeitige Ligaentwicklung schon damals wahrgenommen?
Knaak: Ich habe die Liga damals als sehr stark empfunden und das enorme Potenzial registriert. Bei Arsenal wurde über Jahre hinweg bereits der Frauenfußball gefördert und in die gesamten Strukturen investiert. Es gab keine großen Unterschiede zwischen Frauen- und Männerfußball. Dieser hohe Stellenwert hat sich durch die anhaltende Professionalisierung auch bei den anderen Vereinen sicherlich weiter erhöht.
Der neue DFB-Präsident Fritz Keller hat bereits ein stärkeres Engagement der Bundesliga-Vereine im Frauenfußball gefordert. Wie sehen Sie die aktuelle Ausrichtung des deutschen Frauenfußballs?
Knaak: Ich würde eine größere Professionalisierung im deutschen Frauenfußball durchaus begrüßen. Gerade für Spielerinnen von kleineren Vereinen gestaltet sich die jetzige Situation als schwierig. Ich trainiere und spiele unter professionellen Bedingungen, muss dennoch Vollzeit arbeiten, um mein Leben zu finanzieren. Sofern sich Spielerinnen in höherem Maße auf das Sportliche fokussieren können, kommt dies sicherlich auch der fußballerischen Qualität in Deutschland zugute. Da erhoffe ich mir auch von den Bundesligavereinen der Männer zukünftig eine größere Unterstützung.
In dieser Hinsicht kann sich Keller ebenfalls vorstellen, eine Unterstützung von Frauenvereinen mit Lizensierungsbedingungen zu verknüpfen.
Knaak: Generell sollten Männervereine eine eigene Frauenfußballabteilung aus Überzeugung implementieren wollen. Das wäre ein weiterer Entwicklungsschritt im Frauenfußball. Die Eingliederung eines Frauenteams muss sich für solche Vereine zukünftig auch auszahlen.
Der in England entwickelte Vierjahresplan, zielt auf eine Erhöhung der Aufmerksamkeit sowie auf strukturelle Veränderungen im Frauenfußball ab. Ebenfalls eine geeignete Maßnahme für Deutschland?
Knaak: In England scheint es auf jeden Fall zu fruchten. Allein die Tatsache wie viele Zuschauer jetzt in Wembley sein werden zeigt, dass das öffentliche Interesse da ist. Auch die Ligen sind größerem öffentlichem Interesse ausgesetzt. Über die Social Media-Plattformen wird viel kommuniziert, um gerade auch im Frauenfußball Charaktere zu formen, mit denen man sich indentifizieren kann. Das schafft eine gewisse Nähe, die auch vermehrt die Zuschauer in die Stadien lockt und zu einer erhöhten Aufmerksamkeit führt.

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