In Wembley die EM-Trophäe erobern - was im vergangenen Sommer dem Männer-Nationalteam misslang, ist 2022 die Mission der deutschen Fußballerinnen. Mit einem Jahr Verspätung werden in England vom 6. bis 31. Juli die neuen Europameisterinnen ermittelt. Das DFB-Team, mit acht Titeln der Rekordchampion, sehnt sich nach einem Sommermärchen.
"Wir wollen uns mit den Besten messen, bei Turnieren dabei sein, uns zeigen", sagt Fußball-Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg beim Ausblick im SID-Interview. "Das konnten wir in den letzten zwei Jahren nicht so exponiert."
Im neuen Jahr hat das Warten ein Ende. "Ich freue mich mega darauf", sagt Voss-Tecklenburg etwas mehr als ein halbes Jahr vor ihrem zweiten Turnier als Cheftrainerin des deutschen Teams, das etwas zu beweisen hat.
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Denn dem Olympiasieg 2016 in Rio zum Abschied von Silvia Neid folgte zuletzt jeweils das Viertelfinal-Aus bei der EM 2017 unter Steffi Jones sowie bei der WM 2019 kurz nach dem Amtsantritt von "MVT". Olympia in Tokio fand ohne die DFB-Auswahl statt. An den Ambitionen des zweimaligen Weltmeisters haben die Rückschläge offenbar nichts geändert.

Harte Konkurrenz um den EM-Titel

"Unser Ziel heißt Wembley-Stadion, wo am 31. Juli 2022 das Finale stattfindet", hieß es jüngst im Weihnachtsgruß der DFB-Spitze. Der Weg aber ist weit. "Mindestens acht Mannschaften formulieren das Ziel Halbfinale", betont Voss-Tecklenburg. "Das zeigt, wie hochkarätig diese EM besetzt ist."
Ob Gruppengegner Spanien, Gastgeber England oder Titelverteidiger Niederlande - bei der EURO wimmelt es aus Sicht der 54-Jährigen vor starker Konkurrenz. Ihr eigenes Team, das in der kniffligen Gruppe B in Brentford und Milton Keynes zudem auf Vize-Europameister Dänemark und Finnland trifft, sucht nach Umbrüchen noch ein stabiles "Selbstverständnis", wie Voss-Tecklenburg es oft bezeichnet.
Ein Kernsatz lautet: "Wir gehören zur Weltspitze dazu und gegen uns möchten die anderen Teams nicht so gerne spielen." Diese Überzeugung würde Voss-Tecklenburg ihrem Team wohl am liebsten einimpfen. "Ich möchte, dass unsere Spielerinnen dieses Selbstbewusstsein entwickeln." Sie glaubt: "Wir sind immer noch zu brav. Ich würde mir noch mehr wünschen, dass wir in bestimmten Spielmomenten Zeichen setzen."
Zur Standortbestimmung und EM-Einstimmung soll gleich zu Jahresbeginn ein Mini-Turnier in England (17. bis 23. Februar) dienen. Statt wie jüngst beim Einbahnstraßenfußball in der WM-Qualifikation heißen die Gegner dann nicht mehr Bulgarien oder Serbien, sondern Spanien, Olympiasieger Kanada und England.

Voss-Tecklenburg im Austausch mit Flick

Die fußballerische Identität ist verinnerlicht. Akribisch wurde ein "Playbook" ausgetüftelt, und sogar in Detailfragen schätzt die Bundestrainerin den Austausch mit Hansi Flick. "Wir greifen zum Telefon oder treffen uns online zum Gespräch. Beide Seiten", betont sie, "können daraus Mehrwert generieren."
Mehrwert wäre ein erfolgreiches EM-Turnier auch allgemein für den Frauenfußball in Deutschland. Die Rufe nach schnellerer Professionalisierung, mehr Investment und Sichtbarkeit werden schließlich immer lauter, zu lange wurde sich auf den Erfolgen der Vergangenheit ausgeruht.
"Natürlich wollen wir versuchen, mit dieser Nationalmannschaft so gut, attraktiv und erfolgreich wie möglich zu spielen", sagt Voss-Tecklenburg: "Denn Erfolg wird auch dazu beitragen, dass wir in strukturellen Belangen weiterkommen."
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(SID)

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