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"Fußball ist die einzige Konstante": Die Geschichte von Daniele aus Syrien

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TuS International in Koblenz (Quelle: Daniele / Goal Klick)

Fotocredit: Eurosport

VonEurosport
20/06/2020 Am 07:23 | Update 20/06/2020 Am 07:29

Fußball verbindet Menschen, Kulturen, Länder - und ist weltweit für Flüchtlinge eine Chance, sich in neue Gesellschaften zu integrieren. So erlebt es auch Daniele aus Syrien, der aufgrund von Gewalt seine Heimat verlassen hat und nach Deutschland kam. Im Interview für das von der UN unterstützte Projekt Goal Click berichtet der 24-Jährige von seinen Erfahrungen beim TuS International in Koblenz.

Die Vereinten Nationen haben den 20. Juni zum Weltflüchtlingstag erklärt. Es ist ein Tag, der den vielen Millionen Flüchtlingen auf der ganzen Welt gewidmet ist und von zahlreichen Aktionen begleitet wird, die auf das Schicksal der Flüchtlinge aufmerksam machen.

Eurosport.de möchte deshalb Daniele eine Stimme geben, der seine Heimat Syrien aufgrund des Krieges verlassen hat und inzwischen in Deutschland lebt. Vor allem der Fußball und die Fotografie geben Daniele Kraft und Mut, wie er im Interview mit dem von der UN unterstützten Projekt Goal Click Refugees erzählt:

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Daniele, wir würden gerne mehr über Dich und Deine Beziehung zum Fußball erfahren.

Daniele: Mein Name ist Daniele, ich bin 24 Jahre alt, IT-Student und komme aus der syrischen Stadt Latakia. Derzeit lebe und studiere ich in Koblenz. Während der Sommerferien arbeite ich als Bedienung. Ich pflege eine Art Fernbeziehung mit meinem Fußballteam in Syrien und habe mich dann entschieden, es dann auch mit einer deutschen Fußball-Mannschaft zu versuchen. Ich wollte das zunächst gar nicht und hätte nicht erwartet, da stärkere Gefühle zu entwickeln. Aber hey, jetzt bin ich hier und meine Wochenenden planen sich von alleine.

Was sehen wir auf Deinen Fotos, welche Geschichte steckt dahinter?

Daniele: Diese Bilder entstanden beim Training der TuS International in Koblenz. Die meisten Spieler sind Flüchtlinge, die in einem Camp für Asylbewerber wohnen - und aus Syrien, Iran, Afghanistan, Somalia und Eritrea kommen. Die TuS Koblenz, die hier in Deutschland in der 5. Liga spielt, hat sich entschieden, eine Mannschaft für Flüchtlinge aufzubauen. Als Chance, um sich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren und ein neues Leben in Koblenz aufzubauen.

Training bei der TuS International in Koblenz (Quelle: Daniele / Goal Klick)

Fotocredit: Eurosport

Was möchtest Du mit den Fotos zeigen, gibt es eine spezielle Bedeutung?

Daniele: Es spielt keine Rolle, wo du herkommst oder was du durchgemacht hast. Es gibt immer etwas, dass du trotz aller Unterschiede mit anderen Menschen gemeinsam hast. Ein Teil von dir sucht immer Frieden, Liebe und Normalität. Fußball ist die einzige Konstante in unseren Leben.

Welche Erfahrungen hast Du in Syrien mit dem Fußball gemacht?

Daniele: Mit neun Jahren habe ich angefangen, Fußball intensiv zu verfolgen. Ich hatte zu Hause Internet, was nicht typisch oder üblich war - das war nicht so wie heute. Ich habe da ein Forum namens "Kooora" entdeckt, in dem du Nachrichten über deine Fußballmannschaft schreiben konntest. Es war ein arabisches Forum, eines der größten im Mittleren Osten. Ich habe begonnen, Spielberichte in diesem Forum zu veröffentlichen, und Ende 2008 wurde ich zum Vertreter der Online-Zeitung meines Vereins in diesem Forum gewählt.

Wie ging es weiter?

Daniele: Ich fing an, zu schreiben und zu schreiben - Meldungen über das Team eben. 2009 bekam ich schließlich mein erstes Stellenangebot als Journalist bei "Sport Syria" (die Seite existiert nicht mehr, A.d.R.). Da war ich 13 Jahre alt. Ich habe alle meine Ausweise und Informationen eingesandt, um einen Journalistenausweis zu bekommen. Aber es gab ein großes Problem: Ich war ja minderjährig, weshalb die von Kinderarbeit ausgingen. Mein Antrag wurde nicht genehmigt. Ich fuhr mit dem Schreiben also ohne Ausweis fort, saß immer auf der Tribüne und nicht am Spielfeld. 2011 begann dann der Krieg. Ich beschloss, mit dem Fußball verbunden zu bleiben, kaufte mir eine Kamera und begann, den Fußball in Kriegszeiten zu dokumentieren. Ich habe Syrien 2015 verlassen und meine professionelle Kamera verkauft, als ich das Land verlassen habe. Ich habe aber vor, hier in Deutschland eine Neue zu kaufen und in die Amateurligen zu gehen, um wieder Aufnahmen zu machen.

Spielst du auch mit deutschen Fußballern zusammen und wie ist dein Eindruck von den Deutschen?

Daniele: Ich spiele in einer unteren Liga der Region. Da geht es eigentlich mehr ums Trinken und den Zeitvertreib als um Fußball. Wir sprechen von einer Nation mit 80 Millionen Menschen. Die habe ich natürlich nicht alle getroffen, aber die, die ich getroffen habe, waren, wie man so schön sagt, warmherzig und nett.

Welches Ziel hast Du Dir für Deine Zukunft gesetzt?

Daniele: Ich möchte gerne für eine Saison nach Italien ziehen und sie mit dem AS Rom verbringen. Ich habe vor, mir eine Dauerkarte zu besorgen und für ein Jahr in Rom zu leben. Dazu würde dann auch der Besuch aller 38 Liga-Spiele, der Coppa Italia und hoffentlich der Champions League gehören. Ich habe angefangen, Geld für die Reise zu sparen, aber es wird noch eine Weile dauern.

Vielen Dank für das Gespräch.

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