Das von FIFA-Präsident Gianni Infantino massiv geförderte Projekt, das der Council in Zürich mit seinen 37 Mitgliedern einstimmig verabschiedete, soll aus Sicht des Weltfußballverbandes sowohl den sportlichen Reiz als auch die finanziellen Möglichkeiten erhöhen.
Der neue Modus sieht eine zusätzliche K.o.-Runde der letzten 32 Mannschaften vor. Nur die jeweiligen Dritten der 16 Vorrunden-Dreiergruppen scheiden somit aus, nach der Zwischenrunde der 32 übrigen Teams geht es wie gehabt mit dem Achtelfinale weiter. Ob Gruppenspiele bei Gleichstand durch ein Elfmeterschießen entschieden werden, ließ Infantino offen. Die Details sollen drei Jahre vor der WM 2026 besprochen werden.
Die nun 80 statt 64 Spiele werden in - wie bisher - 32 Tagen gespielt, was den abstellenden Vereinen entgegenkommt. Laut FIFA-Mitteilung bleibt zudem die Zahl der Ruhetage pro Mannschaft identisch. Weiterhin wird der Weltmeister am Turnierende sieben Spiele absolviert haben.
Fußball
Reaktionen zur 48er-WM zwischen "schrecklich" und "nicht überdrehen"
10/01/2017 UM 11:09

Wie verteilen sich die neuen WM-Tickets?

Noch nicht offiziell geklärt ist, aus welchen Kontinentalverbänden wie viele der zusätzlichen Teilnehmer kommen. Die Nachrichtenagentur AFP will aber erfahren haben, dass das Kontingent der Europäer sich von 13 auf 16 WM-Plätze erhöhen solle, während Afrika diesem Bericht nach dann neun statt bisher fünf Starter stellen dürfe.
Die WM-Ausweitung war eines der zentralen Themen von Sepp-Blatter-Nachfolger Infatino. Der Schweizer will von den 211 FIFA-Mitgliedern neuen Nationalverbänden die WM-Tür öffnen: Bisher haben 135 von ihnen noch nie an einer Weltmeisterschaft teilgenommen, so etwa 10 der elf Föderationen aus Ozeanien und 41 der 54 afrikanischen Verbände.
"Wir müssen die WM ins 21. Jahrhundert, in die Zukunft bringen", sagte Infantino:
Der Fußball ist global. Es ist eine sehr positive Entwicklung. Das Fußballfieber in einem qualfizierten Land ist die größte Werbung für den Fußball, die es geben kann.
WM MIT 48 TEAMS: WAS DENKT IHR?
Die entscheidende Council-Sitzung in Zürich, in der "einstimmig" entschieden wurde, hatte um 9.00 Uhr begonnen, ohne den DFB - der tatenlos zusehen musste.
"Ich bin nicht glücklich mit dieser Entscheidung und hätte mir vor allem gewünscht, dass alle wichtigen Fragen zu Organisation und Modus komplett geklärt sind", sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel.
Die WM-Aufstockung war nach der Wahl von Gianni Infantino zum FIFA-Präsidenten im vergangenen Februar quasi nicht mehr zu verhindern. Der Schweizer hatte den "Kleinen" unter den 2011 FIFA-Nationen im Wahlkampf eine WM mit (mindestens) 40 Teilnehmern versprochen, das musste Infantino so schnell wie möglich einlösen.
Der 46-Jährige zeigte keinerlei Verständnis dafür, dass besonders aus dem Land des Weltmeisters scharfe Kritik kommt. "Auch wenn wir eine WM mit nur zwei Mannschaften organisieren würden, wäre Deutschland immer noch eine davon", sagte er: "16 Länder, die jedoch bislang keine Chance hatten, sich zu qualifizieren, werden diese nun haben."

FIFA-Präsident Gianni Infantino

Fotocredit: SID

DFB gegen Aufstockung

Allerdings hielt sich der Widerstand in Grenzen. Die lauteste Kritik kam aus Deutschland und der Bundesliga, die Macher hätten gerne am bewährten Format mit 32 Teams festgehalten. "Das finde ich ganz schlecht. Das wird derart langatmig", sagte Ehrenspielführer Uwe Seeler dem SID: "Das wird für den Fußball nicht gut sein - aber es war klar, dass es kommen würde, denn damit kann man ein paar Mark mehr machen."
Ex-Bundestrainer Berti Vogts war am Dienstag gar "sehr, sehr erschrocken". Die FIFA-Entscheidung sei "furchtbar", sagte er:
Wenn man die WM zugrunde richten will, muss man diesen Weg weitergehen. Das ist nicht mehr meine WM. Was soll das bloß? Es ist ganz schlimm.

Berti Vogts

Fotocredit: SID

"Ich verstehe nicht, warum man diese Entscheidung jetzt übers Knie brechen muss", hatte Reinhard Grindel, Präsident des DFB, am Montagabend im Rahmen der FIFA-Weltfußballerwahl gesagt: "Die Entscheidung über die Vergabe der WM werden wir ja voraussichtlich erst 2020 haben."
Nun gehe es darum, sich "mit den anderen Nationen der UEFA abzustimmen", sagte Grindel: "Und dann versuchen zu sehen, dass wir die Fragen, die noch nicht geklärt sind, im Interesse des Fußballs lösen."

Kein Deutscher im FIFA-Council

Zum größten Politikum wird in den kommenden Monaten die Anzahl von Startplätzen pro Konföderation werden. Alle wollen ein größeres Stück vom Kuchen, die UEFA wird auf mindestens zwei bis drei WM-Startern mehr als bisher (13, 2018 plus Gastgeber Russland) bestehen.
"Ich habe schon auch versucht, darauf aufmerksam zu machen, dass wir uns sehr stark auf die Frage der Teilnehmerplätze konzentrieren müssen", sagte Grindel: "Das ist für die Nationen in der UEFA wichtig. Dass, wenn andere eine Chance haben, ihren Fußball in Afrika und Asien zu entwickeln, das auch für die Nationen und Verbände der UEFA gelten muss." Es gehe um eine "deutliche Postion" der UEFA im FIFA-Council.
Ein deutscher Vertreter saß am Dienstag aufgrund der Ethik-Sperre und des damit verbundenen Rücktritts von Ex-DFB-Chef Wolfgang Niersbach nicht am Council-Tisch. Grindel rückt erst im Frühjahr in das wichtigste Gremium nach.

Klubs mit kritischem Blick

Die europaweite Vereinsvertretung ECA äußerte sich kritisch und prangerte an, dass eher "politische als sportliche Gründe" den Ausschlag gegeben hätten und die Entscheidung "unter beträchtlichem politischem Druck" getroffen worden sei.
Wir können die Vorteile einer Abkehr vom Format mit 32 Teams, das sich aus allen Perspektiven als perfekte Formel erwiesen hat, nicht erkennen.
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