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Schiedsrichter Zwayer und Stieler testen Videobeweis bei Frankreich gegen Spanien

Premiere: Videobeweis-Test beim Top-Spiel
Von SID

28/03/2017 um 11:30Aktualisiert 28/03/2017 um 11:40

Härtetest mit "Mann im Ohr": Die deutschen Schiedsrichter Felix Zwayer und Tobias Stieler erproben am Dienstag erstmals den Videobeweis auf der ganz großen Fußballbühne. Beim Länderspiel der Ex-Weltmeister Frankreich und Spanien sitzt Stieler in einem hoch technisierten Van vor dem Stade de France - und kann seinen Kollegen auf dem Rasen per Funk von (krassen) Fehlentscheidungen abhalten.

"Es ist schon etwas Besonderes, als erster deutscher Schiedsrichter eine offizielle Partie leiten zu dürfen, bei der der Video-Assistent zum Einsatz kommt", sagte Zwayer. Große Sorgen mache sich der Berliner aber nicht. Schließlich soll der Videobeweis schon in der kommenden Saison in jedem Bundesliga-Spiel zum Einsatz kommen - entsprechend viel wurde schon geübt.

"Ich bin überzeugt, dass meine Live-Erfahrungen wertvoll für die weitere Vorbereitung aller Schiedsrichter auf die Premierensaison des Video-Assistenten in der Bundesliga sein werden", sagte Stieler, der bei dem offiziell von den FIFA-Regelhütern durchgeführten Test bei vier potenziell entscheidenden Situationen eingreifen darf: Tor, Elfmeter, Platzverweis (nicht Gelb-Rot) und Spielerverwechslung.

In Deutschland läuft derzeit noch die Offline-Phase, eine Art sanfte Einführung der Technik. Die Schiri-Entscheidungen werden von Video-Assistenten im zentralen Kölner "Replay-Center" überprüft, aktiv eingegriffen werden darf aber noch nicht. Im Februar und März fanden die ersten "Pre-Live-Tests" statt, also unter simulierten Wettkampfbedingungen im Rahmen von organisierten Freundschaftsspielen.

Zwayer befürwortet Videobeweis

Zwayer ist ein absoluter Befürworter des neuen Systems. "Der Druck wächst stetig. Das Tempo wird immer höher, die Spieler werden stärker, es gibt wenige Pausen im Spiel. Wir müssen sehr knifflige Situationen entscheiden", sagte der Referee im Sport1-Doppelpass.

Über die endgültige Einführung entscheidet das International Football Association Board (IFAB) im Jahr 2018. Getestet wurde die Technik bereits unter anderem bei der Klub-WM in Japan und beim Länderspiel zwischen Italien und Deutschland im November (0:0) - jedoch immer ohne deutsche Schiedsrichter.

In der laufenden Bundesligasaison hätten die Video-Assistenten bislang rund 75 Prozent aller Fehlentscheidungen auflösen können. Bis einschließlich des 16. Spieltages waren es 33 von 44 falschen Pfiffen. "Keine Fehlentscheidungen - das wird es nicht geben", äußerte Zwayer: "Es wird auch weiterhin Elfmeter geben, wo der eine sagt, das ist zu wenig, und der andere gibt den Elfmeter."

Probleme bei Live-Tests

Überstimmt werden kann der Schiedsrichter auf dem Rasen von seinem Videoassistenten nicht. Der "Mann im Ohr" kann nur Empfehlungen aussprechen. Sollte Zwayer am Dienstag eine Szene ganz anders beurteilen, könnte er sie auf einem kleinen Bildschirm am Spielfeldrand (in der "Review"-Area) selber noch einmal begutachten - was allerdings wieder mehr Zeit kosten würde.

"Das System funktioniert noch nicht perfekt, es gab bei dem ersten Live-Tests ein Problem in der Funkübertragung. Die Erfahrung zeigt aber: Der Entscheidungsprozess wird im Laufe der Zeit – bei gleicher Präzision – immer kürzer", sagte Zwayer: "Zum Teil klappte es in 12 bis 15 Sekunden, zum Teil dauert es länger."

Den Zuschauern wird eine Video-Überprüfung mit einem neuen Handzeichen des Schiedsrichter signalisiert: Der Unparteiische, sollte er per Funk das Signal bekommen, zeichnet mit beiden Händen den Umriss eines TV-Bildschirms nach. Inwieweit überprüfte Szenen auch auf den Videoleinwänden oder -würfeln im Stadion gezeigt werden, ist noch offen.

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