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300-Millionen-Attacke: Das steckt hinter Reals Transfer-Offensive

300-Millionen-Attacke: Das steckt hinter Reals Transfer-Offensive

15/06/2019 um 11:37

Real Madrid leckt nach einer schmerzhaften Saison seine Wunden - und klebt dem Kader dabei Pflaster für 305 Millionen Euro auf. Diese Summe investierte der spanische Rekordmeister bis jetzt in neue Spieler für die kommende Saison. Allein Königstransfer Eden Hazard schlug mit 100 Millionen Euro zu Buche. Allerdings: Mit den finanziellen Großoffensiven der Vergangenheit hat das nur wenig gemein.

Spanische Medien wie die "Marca" ziehen dieser Tage gerne den Vergleich zwischen 2009 und 2019. Damals gaben die "Königlichen" satte 254 Millionen Euro in der Sommerpause aus, in diesem Jahr sind es schon jetzt 51 Millionen mehr. Finanzielle Gratwanderungen dieser Art sind nichts Neues in Madrid - und doch ist in diesem Jahr einiges anders.

Mit Cristiano Ronaldo, Kaka, Xabi Alonso und Karim Benzema kamen 2009 gleich vier Stars zu Real, die bereits mit allen Wassern gewaschen waren. Die ersten Drei hatten bereits die Champions League mit ihren früheren Klubs gewonnen, Benzema war schon viermal Meister mit Lyon. Madrid hatte in Spieler investiert, die wussten, wie Erfolg geht, die ihre Klasse auf höchstem Niveau bereits unter Beweis gestellt hatten.

Real Madrid geht neuen Weg

Das gilt in dieser Transferperiode nur für Hazard, der vor kurzem mit Chelsea die Europa League gewann. Ansonsten setzt Real mit Luka Jovic (Eintracht Frankfurt), Ferland Mendy (Olympique Lyon), Éder Militão (FC Porto) und Rodrygo (FC Santos) auf ein Quartett an Neuzugängen, das keine internationalen Erfolge vorzuweisen hat, noch in der Entwicklung steckt - und zusammengenommen trotzdem stattliche 203 Millionen Euro kostete.

Jovic wurde offiziell bei Real Madrid vorgestellt

Jovic wurde offiziell bei Real Madrid vorgestelltSID

Man darf annehmen, dass der erst 18-jährige Rodrygo dem Quartett aus der Seele sprach, als er bei seiner Vorstellung bekannte:

"Die schiere Größe von Real Madrid ist beängstigend, aber es ist eine gute Angst."

Real verfolgt die Linie, verstärkt auf aufstrebende Talente zu setzen, weiter. Als jüngsten Transfer präsentierte der Rekord-Champions-League-Sieger Japan-Talent Takefusa Kubo, das für zwei Millionen Euro vom FC Tokio nach Madrid wechselt, zunächst aber für die B-Mannschaft vorgesehen ist. Pikant: Kubo wurde einst in La Masia, der berühmten Nachwuchsschmiede des Erzrivalen FC Barcelona, ausgebildet.

Hazard soll der entscheidende Faktor sein

Nichtsdestotrotz bleibt Hazard der entscheidende Neuzugang. Der Belgier soll neue Impulse setzen, und die Königlichen in der kommenden Spielzeit wieder in die Erfolgsspur zurückführen. Schon bei der Vorstellung des 28-Jährigen im Estadio Bernabéu kamen 50.000 Fans. Mehr als bei den vier Heimspielen der abgelaufenen Saison gegen Getafe (48.364 Zuschauer), Huesca (49.293), Villarreal (46.294) und Real Betis (49.879), wie die Zeitung "Marca" vorrechnet.

Hazard ließ indes keinen Zweifel daran, wohin die Reise gehen soll. Die schwachen Real-Ergebnisse der Vorsaison sieht er dabei eher als Vorteil an:

"Der Hunger, Titel zu gewinnen, ist jetzt noch größer. Ich kann Erfahrung, Tore sowie Assists einbringen - und ich hoffe, der Leader im Team zu werden."

Dabei will sich der neue Star der "Königlichen" in den Dienst der Mannschaft stellen, im Notfall auch auf seine Lieblingsposition verzichten. "Ich würde natürlich gerne auf links spielen oder als Zehner, aber wenn ich auf einer anderen Position spielen muss, dann werde ich das tun."

Was ist mit Pogba, Mané und Mbappé?

Spanische Medien gehen nicht davon aus, dass Real seine Transferaktivitäten im Hinblick auf die nächste Saison abgeschlossen hat. "Zidane möchte weitere Neuzugänge und sein Interesse an Paul Pogba ist kein Geheimnis. Darüber hinaus wird ja auch Sadio Mané mit Madrid in Verbindung gebracht", spekuliert die "Marca" und wirft auch noch einmal den Namen Kylian Mbappé in den Raum.

Zidanes Ehrgeiz, den Kader zu stärken, ist verständlich. 2016 übernahm er das Traineramt bei den "Blancos" und schrieb mit drei Champions-League-Titeln in Serie Fußballgeschichte. Auf dem Höhepunkt der Erfolgswelle trat Zidane im Mai 2018 ab, ehe er im März 2019 zurückkehrte und den glücklosen Santiago Solari ablöste. Nun geht es für den Franzosen darum, die alten Erfolge zu bestätigen.

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Neben Hazard, so Fußball-Experte Jorge Ordas von Eurosport Spanien, werde Zidane in erster Linie seine "alten Freunde" aus Zeiten des Champions-League-Triples in die Pflicht nehmen. Neben Benzema sind damit vor allem Kapitän Sergio Ramos, Toni Kroos, Luka Modric und Gareth Bale gemeint.

Ob die alten Recken und die neuen Asse aber tatsächlich in der Lage sind, Real schnell wieder auf Europas Thron zu hieven, ist fraglich. Nach der Transfer-Offensive von 2009 dauerte es drei Jahre bis zur ersten Meisterschaft und fünf bis zum Gewinn der Königsklasse...

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