Es ist Anfang Juli, Hochphase des Transferfensters und die Zeit der wilden Gerüchte und spektakulären Transfers. Spektakulär heißt: Großer Name wechselt plötzlich zu einem anderen großen Verein, am besten für eine horrende Ablösesumme.

All das trifft auf Antoine Griezmann und seinen bevorstehenden Wechsel zum FC Barcelona zu. Nun, zumindest fast. Denn "plötzlich" ist an diesem Transfer schon lange nichts mehr.

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Schon im Sommer 2018 stand ein Wechsel zu den Katalanen im Raum, wochenlang hielten sich die Gerüchte in den Medien, ehe Griezmann per eigens produzierter Dokumentation seinen Verbleib in Madrid großspurig ankündigte – samt Vertragsverlängerung bis 2023.

Gegessen war das Thema damit aber noch lange nicht. Im Mai 2019, also rund neun Monate später, verkündete Griezmann, dass er die "Rojiblancos" verlassen werde. Schnell wurde wieder der FC Barcelona als Abnehmer genannt, und tatsächlich: Mittlerweile haben beide Vereine bestätigt, dass Griezmann zu Barça wechseln wird.

Abgang verkündet, Wechsel von beiden Vereinen quasi bestätigt, warum also ist der Deal noch nicht fix? Die Antwort: Weil Barcelona pokert.

Atlético zeigt sich verärgert über das Vorgehen Barças

Am 1. Juli fiel die Ausstiegsklausel Griezmanns von 200 auf 120 Millionen Euro. Barça möchte diese jedoch in Raten zahlen. Dafür sei man laut der "L’Équipe" sogar bereit, sechs Millionen Euro mehr zu bezahlen.

Prompt spekulierte die spanische "Sport", dass man so finanzielle Kapazitäten frei machen wolle, um eine Rückkehr-Aktion von Neymar zu realisieren. Auch hier bestätigte Barça-Präsident Josep Maria Bartomeu das Interesse am Brasilianer, betonte aber im gleichen Atemzug, dass PSG Stand jetzt seinen Superstar nicht ziehen lassen möchte.

Dennoch scheint der spanische Meister darauf zu spekulieren – und riskiert damit möglicherweise den Griezmann-Transfer.

Am 5. Juli, also zwei Tage vor dem Trainingsstart Atléticos, veröffentlichten die "Colchoneros" ein Statement, in dem man sich über die Vorgehensweise Barças verärgert zeigte. Spieler und Klub hätten gegen "Grundregeln geschützter Verhandlungsregeln verstoßen", hieß es darin und beide hätten "Atlético Madrid und all seine Fans missachtet“.

Antoine Griezmann sous le maillot de l'Atlético

Fotocredit: Getty Images

Schließlich hätten beide schon im Frühjahr eine Einigung erzielt, also zu einer Zeit, als Atlético noch mitten im Meisterschaftskampf in La Liga und in der Champions League steckte.

Griezmann streikt

Damit zählte Griezmann zum Trainingsauftakt weiter zum Team von Trainer Diego Simeone. Dort tauchte er nach Angaben eines Klubsprechers gegenüber der französischen Nachrichtenagentur "AFP" jedoch nicht auf. Kurz vorher soll der Anwalt des Stürmer-Stars laut der "AS" schon in einer Mail dem Klub mitgeteilt haben, dass sein Klient trotz eines bis 2023 gültigen Vertrags nicht zum Training erscheinen werde.

Der Grund: Die emotionale Belastung sei für Griezmann zu hoch. Immerhin habe dieser sich bereits von seinen Kollegen und Fans verabschiedet. Klingt nach Trainingsstreik. Ist es auch.

Griezmann bockt, Atlético ist sauer und der FC Barcelona möchte nach Informationen der "Marca" in Form von Bartomeu einen letzten Versuch starten, Madrid doch noch von einer Ratenzahlung zu überzeugen. Ob das eine so gute Idee ist?

Denn die Personalie Griezmann scheint nicht nur für die Katalanen interessant. Auch PSG galt laut der "Sport" als potenzieller Abnehmer. Insbesondere dann, wenn Neymar den französischen Meister verlässt. Und dieser möchte bekanntlich zu Barça zurück. Opfert der Klub am Ende sogar einen Griezmann-Transfer zugunsten von Neymar? Oder hofft man tatsächlich auf beide Deals?

PSG lauert

Klar ist: Der lange als sicher geltende Transfer ist ins Stocken geraten. Nicht ohne Grund schrieb die "Marca" von einem "Krieg um Griezmann".

Dem Blatt zufolge könnte neben dem Ablöse-Streit Barcelonas Verteidiger Nelson Semedo eine gewichtige Rolle spielen. Atlético würde diesen gerne verpflichten, doch Barça stellt sich bisher quer. So schrieb die "Marca": "Einer der Faktoren, die die Verhandlungen deblockieren könnten, ist Semedo."

Andere europäische Schwergewichte dürften diese Situation mit großem Interesse verfolgen, allen voran die Pariser. Klar ist allerdings auch: Griezmann möchte zum FC Barcelona.

Ob er alternativ auch in die Ligue 1 wechseln würde, ist ungewiss. PSG-Coach Thomas Tuchel hatte dies vor Wochen noch als "nicht realistisch" bezeichnet.

Möglicherweise hat Griezmann aber schon selbst für die Lösung gesorgt. Denn wie die "Mundo Deportivo" berichtet, habe der 28-Jährige selbst Atlético in einer Mail versichert, dass die festgeschriebene Ausstiegsklausel hinterlegt werde. Zahlt Griezmann am Ende seine Ablöse erstmal selbst?

In der Tat wäre es eine Überraschung, wenn der Deal am Ende scheitern würde. Dennoch ist für die Katalanen Vorsicht geboten. Die Konkurrenz lauert. Und der FC Barcelona pokert hoch.

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