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Mes que un Messi? Darum ist Barça so abhängig von seinem Star wie noch nie

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Lionel Messi vom FC Barcelona

Fotocredit: Getty Images

VonLuca Baier
27/06/2020 Am 08:32 | Update 27/06/2020 Am 08:58

Das Titelrennen in Spanien bleibt extrem spannend, sieben Spieltage vor Saisonende liegen der FC Barcelona und Real Madrid punktgleich an der Spitze. Während die Königlichen vor allem über defensive Stabilität, Standardsituationen und Umschaltsituationen kommen, ist Barça so abhängig von Superstar Lionel Messi wie noch nie.

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Die Abhängigkeit von Lionel Messi ist so eine Sache.

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Ex-Trainer Ernesto Valverde sagte während seiner Amtszeit mehrfach, es sei "unmöglich, nicht von Messi abhängig zu sein." Man solle das auch nicht ändern, denn Messi könne jedes Spiel in jeder Minute dominieren.

In der Tat: Messi kann ein Spiel an sich reißen. Er schaltet sich in den Aufbau mit ein, lockt den Gegner auf eine Seite, verlagert das Spiel und taucht selbst im Strafraum wieder auf - um dort den letzten Pass zu spielen oder selbst abzuschließen.

Das Problem dabei: Messi muss die Spiele mittlerweile an sich reißen. Die Phasen, in denen er sich weit zurückfallen lässt, um das Spiel anzukurbeln, gab es schon immer. Doch jetzt ist Barças Angriffsspiel nicht mehr auf Messi zugeschnitten, sondern es ist komplett abhängig von ihm.

Der Mannschaft gelingt es nicht, den Ausnahmekönner freizuspielen, damit er dann mit einer schnellen Aktion torgefährlich werden kann.

Lionel Messi bejubelt seinen Treffer gegen Real Sociedad San Sebastian

Fotocredit: Getty Images

Fehlende Tiefe macht Barça ausrechenbar

Oft steht Barcelona im 4-3-3 so weit auseinander, dass die Mittelfeldspieler untereinander keine schnellen Pässe spielen können. Gerade Sergio Busquets, der auf der Sechserposition ansonsten immer spätestens mit dem zweiten Ballkontakt eine offensive Lösung fand, steht oft mit ausgebreiteten Armen und fragendem Gesicht da und dreht nach hinten ab.

Weil Barcelona die ständigen tiefen Laufwege von den Flügelspielern oder Außenverteidigern fehlen, kann der Gegner den Raum sehr stark verengen und ohne großen Stress verschieben.

Unter Pep Guardiola waren es vor allem Spieler wie Pedro, David Villa oder Alexis Sánchez, die mit permanenten Laufwegen hinter die Kette dafür sorgten, dass der Gegner wieder ein paar Meter zurückfiel und die Lücken im Mittelfeld größer wurden. Dieses Element geht dem amtierenden Meister aktuell völlig ab, lediglich Jordi Alba oder Jungstar Ansu Fati zeigen hin und wieder diese wichtigen Läufe.

Die Folge des lahmenden Kombinationsspiels ohne Überraschungsmomente? Messi fällt ins Mittelfeld zurück. Der Argentinier hat in fast jedem Spiel eine Durchschnittsposition wie ein Achter oder Zehner - heißt: Er hält sich die meiste Zeit im Mittelfeld auf statt im Angriffsdrittel.

Messi - der kompletteste Spieler aller Zeiten

Unfassbare 147 erfolgreiche Dribblings legte Messi in den bisherigen 26 Einsätzen hin - der Zweitplatzierte in der Liga, Nabil Fekir, kommt gerade mal auf 77. Diese Dribblings sind die logische Folge von Barças Standardspielzug: Der Ballzirkulation in der Viererkette folgt ein Pass auf Busquets, der in der Regel nur Messi als Anspielstation vorfindet.

"La Pulga" erhält den Ball am Mittelkreis und hat in der Regel alle zehn gegnerischen Feldspieler zwischen sich und dem gegnerischen Tor. Nur wenn es Messi gelingt, einen oder besser mehrere Spieler aus dem gegnerischen Abwehrblock auszudribbeln, kommt Dynamik in die Angriffe. Bringt er einen der anderen Offensivspieler oder einen vorrückenden Außenverteidiger in eine freie Position, kann der Angriff gefährlich werden.

Lionel Messi (l.) vom FC Barcelona

Fotocredit: Getty Images

Von den Flügeln fehlt Barça im Vergleich zu den Vorjahren allerdings die Durchschlagskraft, nur selten können sich die Außenverteidiger oder Stürmer im direkten Duell durchsetzen. Oft folgt im letzten Drittel noch einmal der Pass in den Rückraum zu - na klar - Messi.

Mit Chipbällen oder Pässen durch die kleinsten Schnittstellen sorgt er für viele direkte Torchancen. 67 vorbereitete Chancen sind ebenfalls Topwert in La Liga. Wenn man sich vor Augen führt, dass Messi de facto im Mittelfeld spielt, die meisten Dribblings schafft und die meisten Chancen einleitet, liegt der Gedanke nahe, dass er selbst gar nicht so oft zum Abschluss komme. Doch auch hier thront Messi über allen: 122 Torschüsse sind ebenso der Spitzenwert der Liga wie seine 21 Tore.

Diese 21 Tore sind hart erarbeitet. Während Barça zu den Glanzzeiten für die "einfachen" Tore bekannt war, bei denen vor dem Torwart noch einmal quergelegt wurde, sind vorbei. Messi erzielte unglaubliche acht Treffer von außerhalb des Strafraums - das schafft in ganz Europa kein anderer Spieler.

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Barca: Wo ist die Entlastung?

Messi trägt den ganzen Klub, noch ist man auf Meisterschaftskurs. Doch wohin will sich der FC Barcelona entwickeln? Die Katalanen stehen eigentlich für einen kollektiven Fußball, der die Mannschaft zu mehr als der Summe ihrer Einzelteile macht.

Aktuell wirkt es jedoch so, dass einige Spieler die Arbeit einstellen, sobald Messi den Ball hat. Bislang kann es der beste Spieler der Welt richten. Doch es gab immer wieder Spiele, in denen ihm eben nicht gleich mehrere Weltklasseaktionen gelangen – und schon bekam Barça Probleme.

Aus dem Mittelfeld um Vidal, Arthur, Rakitic, dem bald wieder genesene de Jong und dem Angriff mit Griezmann und Suarez muss im Endspurt der Meisterschaft wieder mehr kommen. Sei es in Form von besserer Positionierung in den Räumen, mehr Laufwegen in die Tiefe oder größerer Entschlossenheit und Durchsetzungskraft im Dribbling.

Auch wenn Messi der alles überragende Spieler ist, darf sich ein Team nicht dahinter verstecken oder ihn sogar zum Alibi machen. Gelingt es Trainer Quique Setién, das Angriffsspiel besser zu strukturieren und die anderen Topstars in die Verantwortung zu nehmen, wird die Mannschaft noch mehr von Messi profitieren.

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