Es ist ja nicht so, als hätte es Lionel Messi nicht geahnt. "Es ist verrückt, was sie mit Luis Suárez gemacht haben", sagte der argentinische Superstar des FC Barcelona im Dezember über den Transfer seines Freundes zu Atlético Madrid: "Sie haben ihn ablösefrei an ein Team abgegeben, das mit uns um den Titel kämpft."
Der Stachel des Transfers - den noch Messis Intimfeind, der inzwischen zurückgetretene Präsident Josep Maria Bartomeu, befürwortet hatte - sitzt tief. Denn der Wechsel von Suárez ist ganz offensichtlich der Hauptgrund dafür, dass nicht Barça oder Rekordmeister Real Madrid in Spaniens La Liga nach dem Titel greift, sondern der "ewige Underdog" Atlético.
Sieben Punkte Vorsprung auf Real hat der Stadtrivale inzwischen, der Abstand zu Barça beträgt bereits zehn Zähler. Und das Team von Trainer Diego Simeone hat sogar noch ein Spiel weniger absolviert. So ganz Recht hatte Messi also doch nicht: Denn von einem echten "Kampf" um den Titel lässt sich derzeit nicht sprechen.
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Real und Barça spielen bisher weit unter ihren Möglichkeiten, doch das alleine ist nicht der Grund für den klaren Vorsprung von Atlético. Vielmehr hat Suárez dem in der vergangenen Saison lethargisch wirkenden Team genau das gegeben, was fehlte: Tore und Siegermentalität.

Nur Ronaldo bei Real 2010 war besser als Suárez aktuell bei Atlético

Als "aufregendstes Atlético-Team der letzten Jahre" beschrieb die Sporttageszeitung "Marca" die Mannschaft: "Suárez macht den Unterschied, er kann Spiele entscheiden." Dies zeigt er eindrucksvoll. Zwölf Tore in den ersten 15 Ligaspielen für Atlético - besser war für einen neuen Klub in Spanien nur Cristiano Ronaldo 2010 nach seinem Wechsel zu Real (13).
Die Bilanz des Teams spricht ohnehin Bände. 15 Siege, zwei Remis und eine Niederlage aus 18 Spielen - das sind insgesamt 15 Punkte mehr als zum gleichen Zeitpunkt der Saison 2019/20. Dabei ist es noch gar nicht lange her, dass bei Atlético nach dem Aus in der Champions League gegen RB Leipzig und der nicht mehr zu leugnenden Stagnation sogar die Vereins-Ikone Simeone infrage gestellt wurde.
Atlético hielt an ihm fest - und wurde dafür belohnt. Simeone entwickelte den Stil seines Teams weiter, das Offensivspiel ist deutlich attraktiver. Und aufopferungsvoll verteidigen, dem Gegner die Lust am Fußball nehmen, das konnte Simeones Team ohnehin schon immer. Thomas Müller bezeichnete Atlético kürzlich nicht von ungefähr als "größte Rabaukentruppe im Weltfußball".

Suárez gilt als "Geschenk Barças"

Nun kommt noch Suárez hinzu, laut "Marca" ein "Geschenk Barças". Dies sei auch beim 3:1 gegen Valencia am vergangenen Sonntag zu sehen gewesen, als Suárez mit seinem Treffer zum 2:1 den Sieg einleitete: "Letztes Jahr hätten sie noch remis gespielt. Und daran hätte sich auch niemand gestört, weil sich jeder an den dritten Platz für Simeones Team gewöhnt hat."
Doch nun treffe Suárez Spieltag für Spieltag - "für sich, sein Team und gegen alle, die ihn verachten", so "Marca" weiter: "In seiner Rache erinnert er sehr an den Grafen von Monte Cristo."
Edmond Dantes, die Hauptfigur in dem weltberühmten Abenteuerroman von Alexandre Dumas, plant seine Vergeltung allerdings nach langer Kerkerhaft über viele Jahre hinweg. Suarez könnte seine Rache dagegen in wenigen Monaten vollenden: mit dem Gewinn der Meisterschaft.
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