Ein solch spannendes Saisonfinish gab es in Spanien schon lange nicht mehr. Die Devise war klar – es musste ein Sieg her für die Mannen von Zinédine Zidane, um dem Stadtrivalen und Tabellenführer Atlético am letzten Spieltag den Meistertitel noch wegzuschnappen.
Dementsprechend ging Real Madrid auch in die Partie. Mit viel Ballkontrolle und dem gewohnten Spiel über die Außenbahnen versuchten die Königlichen schnell auf die Führung zu spielen. Der Ex-Bayern-Spieler Álvaro Odriozola zeigte offensiv eine tolle Leistung, indem er sich oft auf der rechten Seite durchsetzte und gefährliche Flanken in das Zentrum schlug. Leider fehlte es zumeist an einem Abnehmer.
Während Real im eigenen Stadion fleißig anlief und auf den Führungstreffer abzielte, erreichte die Real-Madrid-Verantwortlichen an der Seitenlinie die erfreuliche Nachricht, dass Real Valladolid im Fernduell gegen Atlético mit 1:0 in Führung ging. Ein Real-Treffer hätte zu diesem Zeitpunkt also gereicht und man hätte mit dem Stadtrivalen am letzten Spieltag in der Tabelle die Plätze getauscht.
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Real Madrid vs. Villarreal

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Es sollte jedoch anders kommen. Die vorhin erwähnte offensive Präsenz von Reals Außenbahnspielern wurde den Königlichen mit zunehmender Spieldauer zum Verhängnis. Immer wieder fehlten bei Kontersituationen Éder Militão oder ebenjener Odriozola in der Defensive.
Und so kam, was schon häufiger in dieser Saison bei den Madrilenen passierte: Real investierte viel in das Spiel nach vorne und plötzlich lief man in einen Konter. Gerard Moreno ließ vor dem Strafraum zwei Real-Spieler aussteigen und chippte den Ball anschließen in den Sechzehner. Yéremi Pino behauptete dort die Kugel gegen Odriozola und traf aus zehn Metern in die rechte Ecke (20.), Thibaut Courtois war bei diesem Treffer machtlos.
In der Folge zeigte die Zidane-Elf zwar Bemühungen für den Ausgleich, letztlich dauerte es jedoch bis zur 35. Minute, ehe Luka Modric nach einer starken Einzelleistung den Ball das erste Mal auf das Tor brachte und dabei nur das Außennetz traf.
Mit der 1:0-Führung für die Gäste ging man schließlich auch in die Pause. Das Team von Unai Emery zeigte eine wahrlich beherzte Leistung, man setzte Real früh unter Druck und somit ging die Halbzeitführung mehr als in Ordnung.
Auch nach der Halbzeit knüpften die gelben U-Boote da an, wo sie vor der Pause aufgehört hatten: Den Gegner früh stören und hoch verteidigen. Real hatte damit lange zu kämpfen und konnte keine längere Ballbesitzphase für sich behaupten.
Gut zehn Minuten nach Wiederanpfiff zappelte der Ball dann im Tor hinter Villarreal-Schlussmann Gerónimo Rulli. Karim Benzema vollendete eine Halbfeldflanke von Casemiro per Kopf zum 1:1 – doch der Jubel währte nicht lang. In der Wiederholung konnte man sehen, dass der Franzose ganz knapp im Abseits stand.
Während der Unparteiische den Treffer nach VAR-Überprüfung zurecht zurücknahm und es aus Sicht der Madrilenen weiterhin nur 0:1 stand, erzielte Atlético zeitgleich den Ausgleichstreffer gegen Valladolid.
Zidanes Team wirkte zunehmend nervöser – wohl weniger wegen des Ausgleichstors im Parallelspiel als wegen der herunterrennenden Spielzeit. Real intensivierte folglich die Angriffe und von Villarreal sah man deutlich weniger als in den ersten 45 Minuten.

Karim Benzema

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Als Benzema die Riesenchance auf den Ausgleich hatte und den Ball nur neben den Pfosten setzte, ging Atlético im Fernduell mit 2:1 in Führung (68.). Rodrygo setzte zuvor Keeper Rulli unter Druck, der den Ball mangels Anspielstationen zu Benzema spielte. Aus halblinker Position, gut acht Meter vor dem Tor, schoss der Franzose links daneben.
Real wirkte im Anschluss gebrochen und schien nicht mehr an den Sieg, geschweige denn an die Meisterschaft zu glauben. Kurz vor Ende der Partie sorgten zwei späte Treffer von Benzema (87.) und Modric (90.+2) nochmals für Spannung, da Atlético jedoch gegen Valladolid nichts mehr anbrennen ließ, konnte Real zwar die Partie gegen Villarreal drehen, nicht jedoch an Atlético in der Tabelle vorbeiziehen.

Die Stimmen zum Spiel:

Casemiro (Real Madrid): "Wir mussten gewinnen und dann sehen, was Atlético treibt. Sie habe gewonnen, getan, was sie tun mussten, da gilt es zu gratulieren. Natürlich waren wir abhängig davon, was dort passiert, aber wir waren auf uns konzentriert. Wir haben alles gegeben, um dieses Spiel zu gewinnen. Wir haben unseren Job erledigt. Villarreal ist oben mit dabei, dementsprechend kompliziert war es. Es war ein großer Kampf und viel Arbeit. Atlético ist der verdiente Meister. Wir suchen keine Ausreden. Sie haben mehr Punkte geholt und deswegen muss man ihnen gratulieren."
Zinédine Zidane (Trainer Real Madrid): "Wir müssen unseren Fans danken, weil sie immer hinter der Mannschaft gestanden haben. Alle können stolz auf die Mannschaft sein, weil die Spieler bis zur letzten Minute alles gegeben haben. Wir haben gewonnen und unseren Job damit erneut erledigt. Es war nicht leicht. Ich bin sehr stolz auf meine Spieler. Man muss Atlético auch gratulieren, sie verdienen es sich. Derjenige, der oben steht, verdient es sich. Sie haben eine großartige Saison gespielt."

Der Tweet zum Spiel:

Das fiel auf: Benzema alleine reicht nicht

Wenn man so will, hat Real Madrid auch heute wieder seine Hausaufgaben gemacht – letztlich reichte es nicht für die erfolgreiche Titelverteidigung. Man wusste zwar schon vor dieser Partie, dass man es nicht mehr in der eigenen Hand hatte. Dennoch wollte man nichts unversucht lassen und auf Sieg spielen. Es gelang – zwar spät, aber immerhin.
Doch wie so häufig in dieser Saison fehlte bei Real der eiserne Wille, die offensive Durchschlagskraft und – unübersehbar – ein weiterer Goalgetter neben Karim Benzema. Zu oft musste der Franzose in dieser Spielzeit die Kohlen allein aus dem Feuer holen. Letztlich ein Manko, das Real über die lange und anstrengende Saison zum Verhängnis wurde.

Die Statistik zum Spiel: 600

Wie auch heute oftmals im Spiel gesehen, können Freud und Leid nah beisammen liegen. So auch in der Endabrechnung der spanischen Meisterschaft: Keine 600 Meter liegen zwischen dem Fuente de Cibeles und dem Fuente de Neptuno – den beiden Brunnen, wo die Anhänger von Real Madrid bzw. Atlético Madrid ihre Titel zelebrieren.
Letztes Jahr durften die Madridistas am Cibeles feiern, heuer wandert der Titel keinen Kilometer weiter zu den Colchoneros, die den ersten Titelgewinn seit 2014 am Neptuno-Brunnen feiern können.
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