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Flucht aus Paris? Draxler am Scheideweg

Flucht aus Paris? Draxler am Scheideweg

13/06/2019 um 10:32Aktualisiert 13/06/2019 um 10:44

Julian Draxler steht mit gerade einmal 25 Jahren am Scheideweg seiner Karriere: Bei Paris Saint-Germain ist er kein Stammspieler - der Kader ist voller Superstars, ein Durchkommen ist schwer für ihn. Nach dem Sieg im Confed Cup wurde Draxler die große Karriere prophezeit, doch seine Wechsel brachten keinen Schwung - ganz im Gegenteil. Ein Transfer könnte ihm zum nächsten Schritt verhelfen.

50 Länderspiele - eine beeindruckende Marke, die Julian Draxler mit der Partie des DFB-Teams gegen Weißrussland knackte. Ein Wert, auf den er stolz ist: "50 Länderspiele sind keine Selbstverständlichkeit", sagte er im Interview mit dem "kicker". Es ist ein Wert, der ihm Selbstvertrauen gibt in einer Zeit, in der Spitzenwerte für ihn Mangelware sind.

Draxlers Rolle ist unklar, sowohl in der Nationalmannschaft, als auch bei PSG. Seit seinem Abgang von Schalke 04, dem Verein, der ihn verehrte, läuft es nicht mehr, wie er es sich vorgestellt hatte.

Im April schrieb die "L'Équipe", der Verein habe vor, Draxler zu verkaufen, um Platz für neue Stars zu machen. Draxler ist am Scheideweg: Kann er nur durch einen weiteren Transfer zu dem Topspieler werden, der er sein möchte?

Transfers zu Wolfsburg und PSG: Nicht der erhoffte nächste Schritt

Seine Zeit beim VfL Wolfsburg: Im Nachhinein ein großes Missverständnis. "Es war eine sehr schwere Entscheidung, aber ich habe Schalke für meine Karriere verlassen", sagte er später in "The Player's Tribune" über seinen Wechsel im Sommer 2015.

Vom großen Fortschritt war wenig zu sehen. Zwar war er Stammspieler, doch der erhoffte Karrierepush blieb aus. Die Schalke-Fans haben ihm den Transfer ohnehin nie verziehen.

Für 36 Millionen Euro wechselte Draxler im Januar 2017 weiter zu Paris Saint-Germain, nach monatelanger Wechselposse und wenig rühmlichen Äußerungen. Die Zeit vor seinem Wechsel nach Paris beschrieb er als "die schlimmste Hinrunde meines Lebens". Er schoss kein einziges Tor zu dieser Zeit.

In Paris umringt von Stars

Bei Paris Saint-Germain muss Draxler nach seiner Rolle suchen. Es scheint, als gebe es keinen passenden Platz für den Mittelfeldmann im Starensemble. Die Ankunft von Thomas Tuchel änderte an seiner Situation wenig: "Der Start war relativ schwierig, weil Thomas anfangs wohl nicht so recht wusste, wohin mit mir", sagte Draxler dem "kicker".

Bis Saisonende hatte Draxler keine klare Position bei PSG: Mal spielte er im zentralen Mittelfeld, mal im offensiven Mittelfeld hinter der Sturmspitze, mal auf der rechten oder der linken Seite. Zur Entfaltung kam er hinter Mbappé, Neymar, di María kaum.

Sein Dilemma beschreibt er im "kicker" wie folgt:

"Die haben alle große Egos, jeder will der beste Torschütze sein in der Mannschaft, möglichst in der Liga und vielleicht auch in ganz Europa. Da brauchst du dahinter jemanden, der das Spiel aufbaut und defensiver denkt."

Draxler sagt, er möchte bleiben - die beste Option?

Der Ex-Schalker stand in der Saison 2018/19 22 von 38 Spielen in der Startelf, wurde neun Mal eingewechselt.

"Trotz allem war er eine Enttäuschung, denn er neigt dazu, sich in wichtigen Spielen zu verstecken und er lässt Kontinuität vermissen", sagt Vincent Bregevin von Eurosport Frankreich.

Doch Draxler, dessen Vertrag noch bis Juni 2021 läuft, denkt nicht öffentlich an einen Abschied von PSG. "Ich bin weit davon entfernt zu sagen: Ich halte es hier nicht mehr aus, ich muss weg. Im Gegenteil: Ich fühle mich sehr wohl, komme auf meine Spiele, habe einen Super-Trainer und bin in einem Super-Verein", sagte Draxler im "kicker".

Auch im DFB-Team geht es nicht voran

Doch schafft er es auch zum Super-Spieler? Stagnation auch in der Nationalmannschaft, trotz inzwischen 51 Spielen im DFB-Dress schafft er es unter Joachim Löw nicht über die Rolle des Einwechselspielers hinaus.

Dabei führte Draxler das DFB-Team als Kapitän zum Confed-Cup-Sieg 2017. Bei der WM enttäuschte er mit seinen Kameraden im Kollektiv, doch Draxler hat nun die Chance, die Neuausrichtung mitzugestalten und Verantwortung zu übernehmen

"Ich will in der Nationalmannschaft einen Fußabdruck hinterlassen", sagte Draxler im "kicker".

Ein Wechsel ist seine große Chance

Um den Fußabdruck zu hinterlassen, muss sich Draxler bewegen. Bregevin von Eurosport Frankreich sagt hierzu: "Di María, Neymar, Mbappé und sogar Cavani werden voraussichtlich bei PSG bleiben. Also: Wohin mit Draxler? Ein Transfer scheint die sinnvollste Option für alle Beteiligten zu sein."

Serge Gnabry und Kingsley Coman beanspruchen ebenfalls die rechte und linke Außenbahn für sich.

Sollte der Mittelfeldmann tatsächlich den Verein wechseln, wird die Einsatzzeit entscheidend sein. Ein vermeintlich kleinerer Klub könnte Wunder bewirken, um zum nächsten Schritt zu kommen. Auch in der Nationalmannschaft.

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