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Freifahrtsschein in Frankreich, zu schlecht für Italien: Balotelli zwischen zwei Welten

Freifahrtsschein in Frankreich, zu schlecht für Italien: Balotelli zwischen zwei Welten

23/03/2019 um 22:19Aktualisiert 23/03/2019 um 22:45

Mario Balotelli lebt aktuell in zwei Welten: Während er bei Olympique Marseille geachtet wird und seine Eskapaden gedultet werden, spielt er in der italienischen Nationalmannschaft keine Rolle mehr. Was sie ihm in Frankreich durchgehen lassen, bestraft Roberto Mancini mit Nichtbeachtung. Eine verzwickte Situation, in der der 28-Jährige wie gefangen scheint.

Wenn die italienische Nationalmannschaft in der Qualifikation um ein EM-Ticket kämpft, ist Mario Balotelli zum Zuschauen verdammt. In der "Squadra Azzurra" spielt der Angreifer keine Rolle. Trainer Roberto Mancini hat sich für Moise Kean im Sturm entschieden – obwohl der bei Juventus Turin nur auf der Bank sitzt.

"Mario befindet sich noch nicht in der Form, um fürs Nationalteam spielen zu können", erklärte Mancini jüngst auf Nachfragen. Dabei sollte mit dem Wechsel zu Olympique Marseille die Nationalmannschaft endlich wieder in Balotellis Portfolio stehen – hatte er doch alles auf diesen Transfer gesetzt.

Mit 26 Treffern wurde Balotelli in der Saison 2017/18 Toptorjäger in der Ligue 1. Trotzdem oder gerade um neue Reize zu setzen, drängte der 28-Jährige auf einen Abschied von OGC Nizza. Sein Wunschziel: Olympique Marseille.

Balotelli verfällt in alte Muster

Ein Wechsel im vergangenen Sommer platzte – Balotelli patzte unter neu Trainer Patrick Vieira: Leistungsabfall, lustloses Auftreten auf und neben dem Platz. Alte Muster eines Profis, der sein Talent erneut aufs Spiel zu setzen schien.

Die Folge: fünf Spiele ohne Einsatz im Kader bei Nizza. Als das Transferfenster im Januar öffnete, war klar, eine Trennung zwischen dem Stürmer und Nizza war unvermeidbar. Und so landete Balotelli mit einem halben Jahr Verspätung ablösefrei doch noch in Marseille.

Sein in der Branche berühmt-berüchtigter Agent, Mino Raiola, verschaffte ihm einen Vertrag bis Ende der Saison, welcher ihm laut Medienberichten zwischen zwei und drei Millionen Euro einbringen soll. Angeblich beinhaltet das Arbeitspapier sogar Prämien für "gebührliches Verhalten gegenüber Fans, Mitspielern und Schiedsrichtern".

Bereits in seinem ersten Spiel für seinen neuen Arbeitgeber zeigte er sein Können. Er kam in der 74. Minute in die Partie gegen den OSC Lille und erzielte in der Nachspielzeit den Ehrentreffer für Marseille.

Auch in der Folge überzeugte der Italiener und steuerte bislang vier weitere Treffer bei und sorgte mit seinem Torjubel gegen St.-Etienne für ein Novum. Erließ sich von einem Ordner hinter dem Tor ein Handy geben und ging prompt live auf Instagram. Balotelli, wie er leibt und lebt.

Balotelli: Mancini duldet Eskapaden nicht

Ein Verhalten, das bei Marseille geduldet wird. In der Nationalmannschaft nicht. Im vergangenen Sommer sorgte Balotelli für den Bruch mit Mancini als er beim Nations-League-Spiel gegen Polen bereits nach 62. Minuten und einer schlechten Leistung ausgewechselt wurde. Der Grund: Balotelli war zu dick!

Mario Balotelli im September beim Spiel gegen Polen

Mario Balotelli im September beim Spiel gegen PolenGetty Images

Nach seinem Urlaub erschien der Angreifer mit rund 100 Kilo – zu viel für einen Profi mit seinen Maßen. "Ich habe Mitleid mit Balotelli. Ein Profi darf nicht in so einem Zustand sein", kritisierte Polens Verbandspräsident Zbigniew Boniek den Italiener, der eigentlich eine tragende Rolle spielen sollte in der Nationalmannschaft.

Schon immer hat sich Balotelli auf einem schmalen Grad zwischen talentiertem Stürmer und egozentrischem, ewigen Talent befunden. Auch aktuell scheint er die richtige Mischung nicht gefunden zu haben, auch wenn er jetzt bei dem für ihn „größten Klub Frankreichs" spielt.

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