Jürgen Klopp, bekanntermaßen ein Gefühlsmensch, wurde im Sommer ganz schwermütig, als einer seiner langjährigen Leistungsträger und Lieblingsspieler sich verabschiedete. "Mach's gut, Gini. Du kamst, sahst und gewannst eine Menge. Du bist eine Liverpool-Legende. Jetzt – und für immer", sagte der Trainer des FC Liverpool.
Warme Abschiedsworte für Georginio Wijnaldum, der 2016 von Newcastle United an die Mersey gewechselt war und mit den Reds sowohl den Champions-League- als auch den englischen Meister-Titel feierte.
Klopp legte nach: "Ich werde ihn wie verrückt vermissen. Er war einer der klügsten Spieler, die ich je trainieren durfte. Sein Beitrag war überragend, der Traum eines jeden Trainers", schwärmte der ehemalige Dortmund-Coach. Klopp hommagierte weiter: "Das Loch, das er als Mensch hinterlässt, wird riesig sein. Seine Teamkollegen haben ihn respektiert und verehrt. Sein Lächeln hat unseren Arbeitsplatz erhellt. Er war ein großer Teil unseres schlagenden Herzens."
Bundesliga
BVB-Fixpunkt Dahoud: Zauberfuß mit einem Makel
12/01/2022 AM 16:29
Mittlerweile, nur wenige Monate nach Klopps Eloge, ist "Gini" sein erhellendes Lächeln wohl vergangen. Seit seiner Ankunft bei Paris Saint-Germain, die von den ebenfalls in der französischen Hauptstadt aufgeschlagenen Superstars Lionel Messi (FC Barcelona), Sergio Ramos (Real Madrid), Gianluigi Donnarumma (AC Mailand) und Achraf Hakimi (Inter Mailand) überstrahlt wurde, ist der vormalige Liverpool-Motor ins Stocken geraten.

Wijnaldum fristete Reservisten-Dasein

Setzte Paris-Trainer Mauricio Pochettino zu Beginn noch auf den Niederländer, reichte es für Wijnaldum ab Mitte September nur noch für die Rolle des Ersatzmannes, zwischenzeitlich kam er in der Liga viermal hintereinander von der Bank. In seinem ersten Champions-League-Spiel für den neuen Klub wurde er zur Pause gegen Brügge ausgewechselt, in den beiden restlichen Hinrunden-Partien fristete er ein Reservisten-Dasein.
Eine unbekannte Situation, die den 85-maligen Nationalspieler dazu veranlasste, seinem Unmut öffentlich Luft zu verschaffen. "Ich kann nicht sagen, dass ich komplett zufrieden bin. Weil die Situation nicht so ist, wie ich sie mir vorgestellt habe", sagte Wijnaldum schon im Oktober in einem Interview mit dem niederländischen Medium "NOS". Er ergänzte: "Aber auch das ist Fußball. Ich werde lernen müssen, damit umzugehen. Ich bin ein Kämpfer. Ich muss positiv bleiben und arbeiten, um das Blatt zu wenden."

Doppelpack gegen Leipzig nur ein kurzes Aufflammen

Tatsächlich schien sich das metaphorische Blatt kurz darauf zum Guten zu wenden. Gegen RB Leipzig sammelte er in der Königsklasse mit zwei Toren (Endstand 3:2) Anfang November seine ersten Scorerpunkte für PSG, nur wenige Tage später legte er im Liga-Spiel gegen Girondins Bordeaux einen Treffer auf.
Nur ein kurzes Aufflammen, wie sich herausstellen sollte. Seither kam lediglich ein Tor in der Liga hinzu, ansonsten herrscht weitestgehende Leere in den Statistikbüchern.
Nun sollte ein zentraler Mittelfeldspieler – anders als ein Mittelstürmer - freilich nicht bloß an Toren und Vorlagen gemessen, sondern vor allem der Einfluss aufs Spiel berücksichtigt werden.

Georginio Wijnaldum hat bei PSG mit Problemen zu kämpfen

Fotocredit: Getty Images

Allerdings ist Wijnaldums Rolle unter Pochettino sehr schwierig greifbar. Während er bei Liverpool in 218 von 237 Spielen als Achter, respektive Sechser zum Einsatz kam, lief er bei PSG in insgesamt 24 Pflichtspielen bereits im rechten sowie linken Mittelfeld, als Zehner und zuletzt gegen Olympique Lyon (1:1) sogar als offensiver Rechtsaußen auf.

Wijnaldum als Rechtsaußen: Ein gescheitertes Experiment

Ein Experiment, das gründlich schiefging. Wijnaldum verbuchte nach Stürmer Mauro Icardi (16) die zweitwenigsten Ballaktionen aller Pariser (55) und gewann lediglich 33 Prozent seiner Zweikämpfe. In der 83. Minute wurde er durch Dina Ebimbe ersetzt.
Pochettino verwies bezüglich Wijnaldums unkonventioneller Position auf die dünne Personaldecke: "Es kommt immer darauf an, welche Spieler man zur Verfügung hat", wurde der Argentinier von der französischen Sportzeitung "L'Équipe" zitiert.
Pochettino führte mit Blick auf Wijnaldum aus: "Ich glaube nicht, dass es eine Frage der Position ist, sondern eine Frage der Form. Er hat viel Erfahrung, war bei großartigen Vereinen. Er ist es gewohnt, auf verschiedenen Positionen zu spielen." Trotz aller Erfahrung: Auf der rechten offensiven Außenbahn kam Wijnaldum zuletzt bei der PSV Eindhoven 2013 zum Einsatz.

FC Arsenal buhlt wohl um Wijnaldum

Das jüngste Missverständnis steht nur sinnbildlich für die bisherige Zeit an der Seine. Bereits seit Monaten ranken sich dementsprechend Gerüchte um einen möglichen Abgang des 31-Jährigen. Neben Wijnaldums neureichen Ex-Klub Newcastle United wird der FC Arsenal immer wieder als potenzieller Abnehmer gehandelt.
Emmanuel Petit, seines Zeichens Gunners-Legende und Weltmeister mit Frankreich, würde sich über einen derartigen Deal freuen. "Ihr glaubt nicht, wie viel in Frankreich über Georginio Wijnaldum gesprochen wird", erklärte der ehemalige Profi im Gespräch mit "bookmakers.co.uk". "Als er gegen Leipzig zwei Tore erzielt hat, war ich im Stadion. Ich dachte, er sei endlich in Paris angekommen."

Wijnaldum "in der Umkleidekabine isoliert"

Ein offensichtlicher Trugschluss. "Er hat Probleme und ist in der Umkleidekabine isoliert. Er hat nicht diese Beziehung mit seinen Mannschaftskameraden, die er in Liverpool hatte", sagte Petit. "Ihm scheint die Zuneigung zu fehlen. Die Konkurrenz bei PSG ist sehr groß. Wir alle wissen, welch große Qualitäten Wijnaldum besitzt, er war bei Liverpool ein Top-Spieler. Eine Rückkehr in die Premier League könnte ihm guttun."
Dass Arsenal noch im Winter auf dem Transfermarkt tätig wird, ist sehr wahrscheinlich. Trainer Mikel Arteta beklagte kürzlich die prekäre Personalsituation, die sich aufgrund der brenzligen Corona-Lage noch einmal verschärft hatte. "Wir sind sehr, sehr dünn besetzt", sagte der Spanier auf einer Pressekonferenz und prophezeite: "Also werden wir uns natürlich umsehen und Optionen ausloten. Wir sind einfach zu dünn besetzt."
Wijnaldum könnte bei den Nordlondonern Abhilfe schaffen. Wie Jürgen Klopp wohl reagieren würde, wenn sein einstiger Lieblingsspieler plötzlich die Schuhe für einen nationalen Konkurrenten schnürt?
Das könnte Dich auch interessieren: Magerkost in Manchester: United schleppt sich eine Runde weiter

Kehrer verhindert Boateng-Heimsieg: PSG nur remis in Lyon

Bundesliga
Coman verlängert langfristig: "FC Bayern ist meine Heimat geworden"
12/01/2022 AM 12:47
Fußball
Weltstar zum Schnäppchen-Preis: Seleção-Ikone bietet sich bei Ebay an
12/01/2022 AM 10:58