Manchmal dauern die Dinge ja etwas länger. Vor gut zwei Jahrzehnten hat Uli Hoeneß mal in Richtung Lothar Matthäus gegiftet und geschworen, "so lange ich und der Kalle Rummenigge etwas zu sagen haben, wird der nicht mal Greenkeeper im neuen Stadion". Nun, Hoeneß und Rummenigge haben bei Bayern München schon noch etwas zu sagen - aber längst ihren Frieden gemacht mit dem "Loddar": Der durfte deshalb vor seinem 60. Geburtstag am Sonntag auf einem Aufsitzmäher Platz nehmen und fotogen über den Rasen der Arena brummen.
"Im grünen Bereich" sei nun alles, titelte das Klubmagazin 51 zu den Bildern - aber so ganz stimmt das nicht: In Wahrheit würde Matthäus sich freuen, wenn noch ein weiterer Anruf käme. Schließlich fühlt er sich zu Höherem berufen. Und selbstverständlich schmeichelt es ihm deshalb, dass sein Name bei der laufenden Suche nach einem Nachfolger von Bundestrainer Joachim Löw gespielt wird - wie üblich in seiner Karriere und seinem Leben zuallererst von Bild und Sport Bild. Gut, sagte Matthäus, wenn der DFB anrufe, müsse er sich "natürlich Gedanken machen".
Klar macht er sich Gedanken. Bundestrainer. Das wäre es dann noch zum Abschluss seiner sportlichen Karriere, die prall gefüllt ist. Die Champions League hat Matthäus nicht gewonnen, allerdings: Er war unter anderem Weltmeister, 1990 in Italien. Unvergessen, wie er dort vor allem im ersten Spiel beim 4:1 gegen Jugoslawien über den Platz dampfte. Ebenso erinnerungswürdig, dass im Finale Andreas Brehme den entscheidenden Elfmeter zum 1:0 gegen Argentinien schießen musste, weil beim deutschen Kapitän ja irgendwie was mit den Schuhen nicht in Ordnung war.
Bundesliga
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19/03/2021 AM 13:20

Macht es Matthäus wie einst Beckenbauer?

Die Nacht von Rom war der Höhepunkt der sportlichen Laufbahn von Matthäus - und der Verbindung zwischen ihm und dem damaligen Teamchef Franz Beckenbauer. "Lothar habe ich als meinen verlängerten Arm auf dem Rasen gesehen. Für diese Führungsrolle war er prädestiniert", sagte der "Kaiser" nun dem Magazin der Deutschen Fußball Liga. Matthäus wiederum merkte an: "Ein Franz Beckenbauer wollte 1984 auch nicht Teamchef werden, sondern hat es im Endeffekt gemacht, auch auf einen gewissen öffentlichen Druck hin." Nun denn.
Es ist freilich nicht alles glatt gelaufen im Leben von Matthäus. Nicht sportlich, und nicht privat. Er hat die Endspiele der WM 1982 und 1986 verloren, außerdem mit Bayern München jene der Champions League 1987 und 1999. Bei letzterem, jenem denkwürdigen 1:2 gegen Manchester United in Barcelona, war Matthäus nicht mehr auf dem Platz, als die Gegentreffer fielen. Und als die EURO 2000 für die deutsche Mannschaft peinlichst zu Ende ging, stand der damals 39 Jahre alte und extra zurückgeholte Libero als Sinnbild des Debakels. Vergessen.

Trotz Höhen und Tiefen: Matthäus glücklich

Matthäus aber ist mit sich und anderen im Reinen, er sei, sagte er soeben dem Magazin Fußball & Familie "trotz der gescheiterten Champions-League-Endspiele" und "trotz gescheiterter Ehen" mit "meinem Leben sehr zufrieden". Seine Ehen: Entscheidend sei für ihn, dass er in den Spiegel schauen könne und er sich "immer ehrlich und korrekt verhalten" habe:
Das waren Lebenserfahrungen. Hat nicht sollen sein, aus unterschiedlichsten Gründen."
Matthäus ist zum fünften Mal verheiratet, die Hauptrolle in seinem Leben aber spielt weiter der Fußball, er kommentiert das Geschehen unter anderem für Sky. Fußball, sagt Matthäus, sei für ihn "Leidenschaft, Emotion, Liebe", der Fußball, betont er, "gehört zu meinem Leben wie Essen und Trinken". Er habe eine "große Karriere" erleben dürfen, und wenn man's genau nimmt:
In 58 meiner nun 60 Lebensjahre hat sich alles um Fußball gedreht, und das macht mich glücklich. Einmal Fußball, immer Fußball."
Und jetzt noch Bundestrainer?
Matthäus ist Rekordnationalspieler, er ist der einzige deutsche Weltfußballer (1991), er hat schon als Trainer gearbeitet, auf sieben Stationen, zuletzt als Nationaltrainer Bulgariens. So richtig durchsetzen konnte er sich nie, obwohl ihm keiner absprechen mag, dass er nicht verdammt viel Ahnung hat.
Matthäus sagt, er brauche den Job als Bundestrainer "ganz sicher nicht" - aber gut, wenn der Fußball ihn brauche, wenn er den Druck spüre wie einst der Franz, "würde ich es mir überlegen".
Einstweilen darf er sich freuen, dass er den Rasen in der Münchner Arena mähen durfte.
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(SID)

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